Unterwegs in einem litauischen Wald: Äste knacken und Blätter rascheln unter den Stiefeln zweier Bundeswehrsoldaten. Mit dabei haben sie einen Koffer, etwas größer als eine Laptoptasche. Die Männer gehören zur Mission "VIGO". Das steht für "Vigilant Owl", also "wachsame Eule". In diesem Rahmen überwacht die Bundeswehr die litauischen Grenzen. Passiv wird Seite an Seite mit örtlichen Kräften etwa auf Funk- und Radarsignale geachtet. Das alles nicht permanent, aber immer wieder für mehrere Wochen.
Mit dem Koffer hat es dabei eine besondere Bewandtnis: In ihm verbirgt sich Sensortechnik. Per Antenne kann sie lange Zeit autark Daten liefern. Betrieben wird alles mit einer Brennstoffzelle. Die Soldaten tarnen den Koffer mit Moos und Zweigen. Er wird zurückbleiben, ohne einen Bediener vor Ort. An diesem Tag zeigen uns die Männer ihre Vorgehensweise.
Funksignale orten
Wir bekommen einen seltenen Einblick in etwas, über das die Bundeswehr bislang eher zurückhaltend kommuniziert hat. Genau so waren die Soldaten in diesem Sommer oft unterwegs nahe der litauischen Grenzen, um Sensoren zu platzieren. Sind mehrere von ihnen ausgebracht, können Emissionen im elektromagnetischen Spektrum auf der belarussischen oder russischen Seite lokalisiert werden: etwa Funksignale.
Erkannt werden will dabei keiner der Männer. Jeder ist vermummt. Hier gilt: keine Gesichter, keine Namen. An den Uniformen trägt die hochspezialisierte Einheit der Elektronischen Kampfführung ohnehin nur Nummern.
Was tut die Gegenseite?
Die Daten ihrer Sensoren werden durch ein Programm an anderer Stelle ausgewertet. Zu sehen ist da unter anderem eine Heatmap: Dort, wo Signale geortet werden, tauchen Punkte auf einer Karte auf. Je nach Stärke leuchten sie andersfarbig. Das System ist ein Baustein bei der Aufklärung.
Ziel ist es, herauszufinden, wie sich die andere Seite verhält, und das weiter zu melden: Wie reagieren russische und belarussische Truppen etwa auf NATO-Manöver, wie die Übung "Freedom Shield" der deutschen Litauen-Brigade, an der auch Soldaten aus Bayern beteiligt waren? Gibt es mehr Flugbewegungen oder Soldaten direkt an den Grenzen?
Mission mit ernstem Hintergrund
Die längerfristigen Beobachtungen sollen dabei aufzeigen, was "normal" ist, und so andere Daten vervollständigen, um Abweichungen feststellen zu können, wenn sie auftreten. Denn Abweichungen könnten auf Gefahr schließen lassen, etwa auf Vorbereitungen für einen Angriff auf NATO-Bündnisgebiet. Genau den fürchten die baltischen Staaten. Insofern hat die Mission einen sehr ernsten Hintergrund.
Mit einer Übung sei der Aufenthalt in Litauen nicht zu vergleichen, schildert ein Hauptfeldwebel. Alles wirke "real" durch den Einsatz nah an der Grenze. Aber es sei eben ein Auftrag. Einer, der erfüllt werden müsse – ein wichtiger noch dazu.
Eigenentwicklung aus der Truppe
Besonders ist dabei nicht nur, dass BR24 Einblicke bekommt, besonders ist auch die Sensortechnik selbst: Also der Koffer und alles andere. Denn das wurde in der Truppe selbst entwickelt und getestet, um eine Ausrüstungslücke zu schließen. Es sei eine passgenaue Lösung für ein Problem, erklären die Männer. Obendrein gilt das System als so klein und leicht, dass es Soldaten mitführen können, die mit Fallschirmen abspringen. Es trägt den Namen "Baumfalke".
Bei der Entwicklung mitgewirkt hat der "Cyber Innovation Hub" der Bundeswehr. Die Einrichtung wurde 2017 geschaffen, um derartige Ideen aus der Truppe umzusetzen. Die Bundeswehr geht damit langsam neue Wege – in Sachen Innovation und obendrein bei der Sicherung der NATO-Grenzen.
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