Die Fluss- und Moorlandschaft der oberen Loisach mit der Bundesstraße 2.
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Die Loisach - intakte Natur in einem nicht mehr intakten Tal.
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Eigene Rechte der Natur – eine Stimme für die Loisach

Eigene Rechte der Natur – eine Stimme für die Loisach

Die Loisach und das obere Loisachtal kämpfen ums Überleben: trockene Seitenbäche, Wasser für München, Kraftwerke. Jetzt fordert ein ungewöhnliches Bündnis: "Der Fluss soll eigene Rechte bekommen" – als juristische Person, mit Anwälten und Hütern.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

"The great river flows from the mountains to the sea. I am the river and the river is me." So stellt sich Jade Mills vor – Māori vom Whanganui River in Neuseeland. Ihr Fluss gilt seit 2017 als juristische Person. Sie begleitet gemeinsam mit Keria Ponga, Māori-Stammesführerin, die Konferenz, die sich eine Woche lang mit der Loisach beschäftigte.

"Ich bin der Fluss und der Fluss bin ich" – dieser Satz hallt jetzt durch das Loisachtal. Von der Quelle im Ehrwalder Becken 113 Kilometer lang bis zur Mündung in Wolfratshausen, wo sie in die Isar fließt. Die Loisach versorgt Seitenbäche, Moore, das Murnauer Moos mit Wasser. Ein fein gesponnenes Netz aus Wasseradern. Doch das System steht unter Druck.

Trockene Seitenbäche, leidende Moore

Andreas Keller vom Bund Naturschutz erklärt, was passiert, wenn Wasser fehlt: "Die Loisach, wie alle Flüsse, hat einen Grundwasserstrom, der sie begleitet. Wenn man Wasser entnimmt, dann hat sie weniger Wasser und alle Seitenbäche versiegen [...] wenn man da über ein Maß hinaus entnimmt, dann leiden die Moore."

Rund 500 Liter pro Sekunde werden für München abgepumpt, etwa 20 Prozent des Bedarfs der Landeshauptstadt. Eine Probeentnahme mit dem maximal erlaubten Volumen ließ in zwei Tagen alle Tümpel trockenfallen. "Das würde das Ökosystem Loisach nicht überleben", heißt es im Bündnis.

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Māori haben in Neuseeland 150 Jahre für die Rechte des Flusses Whanganui gekämpft.

Ein Fluss als Rechtsperson

Was nach Juristendeutsch klingt, ist für die Initiatoren ein Kulturwechsel. Claus Biegert aus Uffing, Autor, Filmemacher und Sprecher des Loisachbündnisses, sagt: "Wir wollen das Thema, dass die Natur nicht Objekt ist, sondern Subjekt. Dass wir auf Augenhöhe mit der Natur verfahren [...] Nur dann kann man über die Rechte der Natur sprechen."

Ein Vorbild liegt am spanischen Mar Menor. Nach einem massiven Fischsterben bekam die Lagune im Südwesten Spaniens nach einem Bürgerbegehren 2022 eigene Rechte. "Die Salzwasserlagune Mar Menor war das erste Gewässer Europas, das den Status der Rechtsperson erhalten hat [...] jetzt kann jeder theoretisch die Lagune vor Gericht vertreten", berichtet Biegert.

Kunst, Gefühle, Paradigmenwechsel

Zur "wandernden Konferenz" entlang der Loisach kommen Juristinnen, Künstler, internationale Gäste. Sie diskutieren im Kloster Benediktbeuern, auf der Kreut-Alm, im Kloster Schlehdorf, auf Almen und an Uferwegen. Künstlerin Stefanie Zoche sieht die Kunst hierbei als Türöffner: "Man kann Menschen mit Kunst auf einer emotionaleren Ebene erreichen […] Die Biodiversitätskrise wird darüber entscheiden, ob wir überleben", sagt sie.

Die Rechte der Natur wären ein Paradigmenwechsel: dass wir mit der Natur auf Augenhöhe sind und die Natur als Subjekt erfahren. Weltweit gibt es inzwischen rund 500 Initiativen für die Rechte der Natur. Die meisten davon auf dem amerikanischen Kontinent. Die Māori am Whanganui River auf der Nordinsel Neuseelands brauchten 150 Jahre Auseinandersetzung mit der Regierung bis zur heutigen Rechtsform. Die Loisach steht am Anfang. Aber sie hat jetzt etwas, das ein trockener Fluss selten hat: eine Stimme.

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