Die Gewerkschaft Verdi in Nürnberg hat am Vormittag einen Brief mit einer verdächtigen Substanz erhalten. Der Brief mit dem weißen Pulver löste einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Spezialkräften aus. Stunden später dann Entwarnung: Bei dem unbekannten Stoff handelt es sich um keine gefährliche Substanz, teilte die Stadt Nürnberg mit.
Zwei Analysen – zwei Mal Entwarnung
Das haben zwei separate Analysen ergeben – eine vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen – und eine zweite von der Analytischen Task Force (ATF) der Berufsfeuerwehr München, heißt es in der Mitteilung der Stadt Nürnberg. Entwarnung also und Aufatmen. Um was für eine Substanz es sich genau handelt, ist noch unklar.
Drohschreiben an die Gewerkschaft Verdi
Der Brief an Verdi mit dem weißen Pulver war am Vormittag im Gewerkschaftshaus am Nürnberger Kornmarkt eingetroffen. Zudem gab es ein Drohschreiben, bestätigte die Polizei. Zum Inhalt des Schreibens machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Angaben. Später hieß es von Seiten der Gewerkschaft, in dem Schreiben sei explizit geäußert worden, Verdi-Beschäftigte sollten "an Milzbrand sterben". Als Begründung wurden Streiks genannt.
Zu keiner Zeit Gefahr für Bevölkerung
Vorsorglich mussten elf Personen im fünften Stock des Gewerkschaftshauses bleiben. Erst am Abend konnten sie das Gebäude verlassen. Sie mussten durch eine Dekontaminationsschleuse. Drei von ihnen hatten nachweislich Kontakt mit dem Pulver. Sie hatten den Brief geöffnet und wurden sicherheitshalber durch ein Spezialteam der Berufsfeuerwehr Nürnberg komplett nass dekontaminiert. Eine Person belastete der Vorfall psychisch. Sie wurde von Rettungskräften betreut. Der Bereich vor dem Gewerkschaftshaus war abgesperrt. Für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden, teilte die Stadt Nürnberg mit.
Unbekannte Täter drohen mit "Milzbrand"
Ganz offensichtlich wollten die Täter Angst und Verunsicherung verbreiten, hieß es in einer Stellungnahme der Verdi-Landesbezirksleiterin Luise Klemens am Mittwochabend: "Wir verzeichnen in den letzten Monaten eine Zunahme von Drohungen, die sich im Kern dagegen richten, dass die Menschen ihr demokratisches Grundrecht auf Streik wahrnehmen. Diese Entwicklung ist besorgniserregend", erklärte Klemens und rief "alle Demokratinnen und Demokraten" dazu auf, "sich diesen Tendenzen entschieden entgegenzustellen."
Solidarität des DGB
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Frank Werneke, erklärte, das Streikrecht sei "kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen". Nichts rechtfertige eine solche Eskalation.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DBG) Bayern drückte Verdi seine Solidarität aus. Der DGB-Chef in Bayern, Bernhard Stiedl, erklärte, wer das Streikrecht infrage stelle, richte sich letztlich gegen alle Beschäftigten.
Für den morgigen Donnerstag hat Verdi im Tarifkonflikt ganztägige Warnstreiks im Nahverkehr für Regensburg und Augsburg angekündigt. Die Stadtwerke beider Kommunen erwarten starke Beeinträchtigungen und zahlreiche Ausfälle.
Bei dem Stoff, der in einem Brief an die Gewerkschaft Verdi in Nürnberg versendet wurde, handelt es sich um keine gefährliche Substanz.
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