Früher war das Geschäftsmodell deutscher Erdgasspeicher klar: Im Sommer niedrige Erdgaspreise an der Börse und damit Gelegenheit, den Brennstoff günstig einzukaufen. Im Winter zur Heizperiode wurde das Erdgas aus den Speichern dann mit Gewinn wieder verkauft. Doch das war einmal.
Das alte Geschäftsmodell für Erdgasspeicher ist futsch
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 gilt die Regel, dass Gas an der Börse im Sommer billig ist, nicht mehr. Der Angriff der USA und Israels auf Iran hat die Situation weiter verschärft. Gas kostet derzeit im Großhandel 60 Prozent mehr als im vergangenen Dezember (externer Link) und es ist völlig unklar, ob und wann der Iran die Straße von Hormus wieder freigibt.
Händler warten ab
In dieser Situation ist für Gashändler Abwarten naheliegend. Die deutschen Erdgasspeicher füllen sich, aber langsam. Bis jetzt zu gut 30 Prozent – so wenig wie selten zu dieser Jahreszeit. Und bei den bayerischen Gasspeichern sieht es noch schlechter aus.
Interaktive Grafik: Füllstände der Gasspeicher in Deutschland
Die Speicher im Freistaat haben technische Nachteile: Es handelt sich um ehemalige Erdgaslagerstätten in Oberbayern, so genannte Porenspeicher. Sie können – im Gegensatz zu den Kavernenspeichern in norddeutschen Salzstöcken – nur langsam gefüllt und wieder entleert werden. Deswegen warnten Experten schon im Februar: Wenn die stark geleerten bayerischen Speicher bis Herbst wieder gefüllt sein sollen, müsse man sich sputen.
Zwei bayerische Speicher sollen stillgelegt werden
Das ist jedoch offenbar nicht geschehen: Der Füllstand fast aller bayerischen Speicher bewegt sich deutlich unter dem deutschen Durchschnitt. Im Speicher Wolfersberg liegt er bei nur 3,5 Prozent. Der dortige Speicherbetreiber Bayernugs registriert heuer bisher keinerlei Nachfrage. "Der Erdgasspeichermarkt ist schon seit langem schwierig und bereits letztes Jahr wurde der Speicher nicht durch Marktteilnehmer gebucht", schreibt Geschäftsführer Thomas Rupprich auf BR-Anfrage.
Beim Speicher Breitbrunn konnte Betreiber Uniper nach eigenen Angaben heuer bisher nur für die Hälfte der verfügbaren Kapazität Kunden finden, der aktuelle Füllstand liegt bei unter neun Prozent. Beide Firmen haben die Stilllegung der Speicher beantragt, weil sie auch in Zukunft keinen kostendeckenden Betrieb mehr erwarten.
AfD warnt – aber offenbar grundlos
Über die Stilllegungs-Anträge hat die Bundesnetzagentur bisher noch nicht entschieden. Und es gibt dafür auch weder eine Frist noch einen Zeitplan, teilt eine Behördensprecherin auf BR-Anfrage mit. Einstweilen müssen die Speicher also funktionsbereit gehalten werden.
Eine von der AfD-Landtagsfraktion per Pressemitteilung geäußerte Warnung ist daher offenbar gegenstandslos. Der Speicher Wolfersberg könne zerstört werden, wenn zu viel Erdgas abgepumpt werde, hieß es von der AfD, Grundwasser drohe eindringen. Das ist nach Auskunft der Betreiberfirma, der Bundesnetzagentur und des bayerischen Wirtschaftsministeriums jedoch derzeit ausgeschlossen.
Bundesnetzagentur sind teilweise Hände gebunden
Auf Dauer gesichert sind die beiden oberbayerischen Erdgasspeicher jedoch nicht. Die Bundesnetzagentur kann nach eigenen Angaben nur einen Weiterbetrieb anordnen, wenn die Stilllegung sofort erhebliche Nachteile für die Versorgungssicherheit brächte.
Ob der Speicher in Zukunft vielleicht noch wichtig werden könnte, dürfe für die Entscheidung keine Rolle spielen, betont die Bundesnetzagentur-Sprecherin: "Insofern bräuchte es eine Reform, die eine systemische und ganzheitliche Betrachtung erlaubt".
Reiche-Ministerium hüllt sich in Schweigen
Eine BR-Anfrage dazu an das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) blieb unbeantwortet. Die Ministerin wollte die Befüllung der Gasspeicher lange ganz dem Markt überlassen. Nach Medienberichten aus dem April plant sie inzwischen jedoch, eine strategische Reserve von zehn Prozent der Speicherkapazität einzurichten.
Ein Gesetzesentwurf oder Ähnliches ist bisher nicht bekannt. Vergangenes Jahr hatte ein Gutachten im Auftrag des Ministeriums (externer Link) eine Abschaffung der Füllstandsvorgaben in Kombination mit einer strategischen Reserve empfohlen.
Speicherbetreiber: Bei kaltem Winter droht Gasmangel
Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass der vorgeschriebene Gasspeicher-Füllstand von 70 Prozent bis zum Herbst auf marktwirtschaftlichem Weg erreicht wird. Der Verband der Speicherbetreiber INES hatte trotzdem bereits im Mai gewarnt: Die Versorgungssicherheit könne gefährdet sein, falls der kommende Winter sehr kalt wird.
Dieser Artikel ist erstmals am 8. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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