Karin Scheuermann steht nahe des Donauufers und zeigt auf eine Grafik. "Hier ist eine Brücke geplant, der neue Donausteg. Er nimmt mit seiner geschwungenen Form die Bewegung der Flüsse Donau und Günz auf", sagt sie. Im Halbkreis lauschen gut 50 Teilnehmer einer öffentlichen Geländeführung. Sie erfahren, was für die Gartenschau 2029 in Günzburg geplant ist. Neue Wege für Fußgänger und Radfahrer sollen entstehen und mehr Flächen zur Naherholung, ein ganzes Viertel soll attraktiver werden. Doch Günzburg ist keineswegs die einzige Stadt in der Region, die eine Landesgartenschau veranstaltet.
Ballung der Gartenschauen
Ein Jahr zuvor wird Donauwörth aufblühen, 2030 folgt dann Ulm, schon dieses Jahr findet eine Gartenschau in Ellwangen statt. Die Kommunen sind mit dem Auto maximal etwas mehr als eine Stunde voneinander entfernt. Bei der öffentlichen Führung in Günzburg fällt die Frage, ob die Städte sich nicht untereinander die Gäste streitig machen, auch weil zweistellige Millionenbeträge investiert werden. Schweinfurt hatte eine Landesgartenschau aus finanziellen Gründen wieder abgegeben. Tittmoning wollte einspringen, doch sagte das Projekt letztlich auch ab, nachdem sich im Ort eine Bürgerinitiative formiert hatte. Dieses Jahr gibt es daher keine Landesgartenschau in Bayern. Das baden-württembergische Ulm ringt ebenfalls mit den Kosten und hatte das ursprüngliche Budget deutlich verringert.
Bayern und EU fördern
Bayerns Umweltministerium spricht auf Anfrage von einem "Gartenschau-Hotspot" in Schwaben. Die Ballung sei aber nicht geplant gewesen. Nachdem sich das oberbayerische Penzberg als Ausrichter zurückgezogen hatte, reichte Donauwörth kurzfristig seine Bewerbung für 2028 ein. Die Stadt profitiert noch von einem hohen Zuschuss der EU. Furth im Wald bekam vergangenes Jahr eine Fördersumme von 4,6 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. "Dieses Programm läuft jetzt leider aus. Die Kommunen für 2028 und 2029 bekommen noch Fördermittel, allerdings nicht mehr den vollen Satz. Die Kommunen sind auf diese Mittel angewiesen", sagt Martin Richter-Liebald, Geschäftsführer der Bayerischen Landesgartenschau GmbH mit Sitz in München. Ein noch größerer Betrag kommt allerdings vom Freistaat. Bayern hatte seine Fördersumme vor zwei Jahren von fünf auf bis zu sieben Millionen Euro erhöht.
Wandel zu mehr Nachhaltigkeit
"Landesgartenschauen haben oft noch das Image reiner Blumenschauen, aber das stimmt schon lange nicht mehr", sagt Stefan Powolny, Geschäftsführer der Gartenschau in Ellwangen. Natürlich kann man auch hier viele Blumenbeete bestaunen, doch der eigentliche Fokus liegt auf nachhaltiger Stadtentwicklung. Der Fluss Jagst wurde von alten Wehren befreit und fließt jetzt wieder naturnah. Ein kleiner Sandstrand sorgt für Sommergefühle am Wasser. Ein Park für die Jugend ist entstanden, um dort zu spielen oder Spaß zu haben. Von einem Aussichtsturm kann man zudem das gesamte Gelände überblicken und kommt mit einer Rutsche rasant wieder nach unten. "Auf einer Fläche, die früher relativ trostlos war, haben wir viel für die Attraktivität der Stadt getan", sagt Powolny. Auch die Besucherzahlen können sich sehen lassen. Kurz vor Halbzeit liegt die Landesgartenschau mit mehr als 400.000 Gästen über den Erwartungen.
An einem Strang ziehen
Die künftigen bayerischen Standorte hatten sich kürzlich in Ellwangen getroffen, um Erfahrungen auszutauschen. "Wir sehen uns nicht als Gegner, sondern wollen voneinander lernen", betont Marion Voß, ebenfalls Geschäftsführerin der Gartenschau in Günzburg am Ende der öffentlichen Geländeführung. Die einzelnen Ausrichter wollen sich auch gegenseitig bewerben, um so mehr Gäste anzulocken. Wie gut diese Strategie aufgeht, wird sich in drei Jahren zeigen.
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