Vor knapp 20 Jahren wurde der aus Asien stammende Pilz mit dem harmlosen Namen "Falsches weißes Stängelbecherchen" erstmals in Bayern nachgewiesen. Mittlerweile hat er alle Eschen befallen und verursacht das Eschentriebsterben.
Pilz und Schädlinge töten die Eschen
Der Pilz dringt über die Blätter ins Holz der Triebe ein und lässt sie absterben. Der Baum entwickelt neue Triebe, die der Pilz dann wieder schädigt. Dieser Vorgang kostet die Esche so viel Kraft, dass Sekundärschädlinge, etwa andere Pilze, ihre Wurzeln angreifen können. Der bekannte Hallimasch beispielsweise zerstört die Haltewurzeln. Dann können Bäume plötzlich umstürzen. Das kann schnell gehen oder Jahre dauern.
Felix Fisel von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft prognostiziert deshalb, dass durch das Eschentriebsterben wahrscheinlich alle Eschen, die jetzt aktuell in Bayern stehen, früher oder später ausfallen werden. Nur etwa ein bis zwei Prozent der Eschen sind gegen den Erreger widerstandsfähiger. Auch sie sind zwar nicht vollständig resistent, aber zeigen abgeschwächte Krankheitsreaktionen.
Überleben durch Naturverjüngung
Auf diesen widerstandsfähigeren Eschen ruht die Hoffnung für das Überleben der Art. Unweit von alten Eschen finden sich in vielen Waldstücken Naturverjüngungsflächen, also Flächen, auf denen winzige Eschenbäumchen wachsen, die von allein aus den Samen aufgegangen sind. Die meisten bleiben klein, geschädigt vom Pilz.
Die wenigen Widerstandsfähigen, die pro Jahr bis zu einem Meter wachsen können, brauchen Unterstützung durch die Waldbesitzer, meint Felix Fisel von der LfW. Sie sollten Konkurrenzbäume wie Ahorn oder Pappel, die nicht unter einem Pilz leiden, entnehmen. Sie sollten für Licht auf Verjüngungsflächen sorgen und den Wildbestand anpassen.
Unterstützung der Esche durch Forschung
Das Bayerische Amt für Waldgenetik setzt außerdem auf die Nachzucht der widerstandsfähigen Eschen. Vor zehn Jahren hat man 1.500 Eschen auf einer Versuchsfläche gepflanzt. Die besten von ihnen werden derzeit über Stecklinge vermehrt. Sie sollen zunächst auf verschiedenen Standorten zeigen, ob sie auch dort gut überleben können und dann über Praxisanbauversuche weitervermehrt werden.
Besonders wichtig ist laut Dr. Barbara Fussi vom Amt für Waldgenetik aber die Forschung an den Genen der widerstandsfähigen Eschen. Im Labor versuchen die Forschenden herauszufinden, warum die einen Bäume widerstandsfähiger sind als die anderen. Möglicherweise wächst der Pilz in den widerstandsfähigen langsamer und die Pflanze dämmt das Wachstum des Pilzes ein. An solchen Prozessen ist allerdings eine Vielzahl von Genen beteiligt, an denen nicht nur in Bayern, sondern in ganz Europa geforscht wird. Anhand der genetischen Marker könnte man dann bereits an kleinen Sämlingen sehen, ob sie vielversprechend sind und diese dann weitervermehren.
Wertvoller Baum für Auen und Klimawandel
Eschen sind vor allem im Auwald wichtig. Sie halten Überflutungen von 40 Tagen aus, ihre kräftigen Wurzeln stabilisieren Fluss- und Bachufer. Die Esche kommt aber auch mit Trockenheit zurecht und galt deshalb als vielversprechender Baum in Zeiten des Klimawandels. Sie treibt spät ihr Laub aus und hat eine lichtdurchlässige Krone. Dadurch entstehen wertvolle mikroklimatische Nischen für viele Tier- und Pflanzenarten. Sie bietet einen unverzichtbaren Lebensraum für hochspezialisierte Arten wie den kleinen Maivogel, einen Schmetterling, dessen Raupen nur Eschenblätter fressen.
Ihr Holz ist sehr hart, deshalb sind Werkzeugstiele gern aus Esche. Für Möbel ist es die zweitbeliebteste Holzart nach der Eiche. Auch Sportgeräte wie Sprossenwände oder Barren sind oft aus Esche. Und früher hat man Wagenräder daraus gemacht, vor allem die stark beanspruchten Speichen.
Komplettes Aussterben unwahrscheinlich
Naturverjüngungsflächen mit kleinen Eschen sowie die Nachzucht der Widerstandsfähigen geben Hoffnung, dass die Esche in Bayern nicht aussterben wird. Wann sie allerdings ihre wichtigen Funktionen für Ökologie und Ökonomie wieder erfüllen wird, kann niemand voraussagen. Das dürfte einige Baumgenerationen dauern.
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