Der Herbst hat noch nicht begonnen und dennoch haben viele Bäume bereits braune Blätter und werfen sie ab - eine Folge des extremen Sommers. Etwa sechs bis acht Wochen zu früh seien die Bäume dran, schätzt Hubert Krenzler, Leiter des Forstamtes Ingolstadt. Die Stadt hat rund 1.600 Hektar Wald, unter anderem im Westen den wertvollen Gerolfinger Eichenwald. Schon aus der Ferne erkennt man am Waldrand auffällige Bäume mit braunem Laub zwischen grünen Bäumen, die offensichtlich besser mit der Hitze umgehen können.
Sogar die starken Eichen machen schlapp
Dass hier auch bereits viele Eichen so stark betroffen sind, macht dem Förster Sorgen. "Die Eiche ist, wenn man jetzt vom Klimawandel spricht, eigentlich ein Hoffnungsbaum, die eigentlich doch relativ gut mit Trockenheit zurechtkommen sollte", sagt Krenzler. Schon seit Jahren versuchen Krenzler und seine Kollegen, Wälder mit vielen unterschiedlichen Baumarten auf den Klimawandel vorzubereiten und umzubauen.
Der Vorteil der Vielfalt: Wenn einzelne Baumarten wegen Trockenheit, Pilzen oder Schädlingen absterben, bleiben andere Baumarten am Leben. Besonders stark von der Trockenheit betroffen ist die Birke, die feuchte Standorte liebt und viel Wasser braucht. Krenzler zeigt uns Birken, die Anfang September kaum mehr ein Blatt tragen - wie im Winter.
Sommer 2026 als "Jahrhundertereignis"
Das ganze Ausmaß der Schädigung wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Bei den Eichen hat Krenzler Hoffnung, dass sie die extreme Trockenheit überleben. Bei den extrem betroffenen Birken weniger. Auch in der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising gibt es noch keine abschließenden Einschätzungen. Die Erhebungen zum Waldzustandsbericht, der jedes Jahr herausgegeben wird, laufen noch. Fest steht für Dr. Stephan Raspe von der Landesanstalt, dass der Sommer 2026 ein "Jahrhundertereignis" war, aus seiner Sicht nur vergleichbar mit dem extremen Jahr 2003.
Besonders auffällig sei der frühe Zeitpunkt der Trockenheit gewesen. Bereits Mitte Juni war es sehr trocken. Das zeige eindrucksvoll der Walddürremonitor mit den Daten der LWF, sagt Raspe. Die Trockenheit habe bereits Mitte Juni in Mittel- und Unterfranken "zugeschlagen" und sich dann immer weiter Richtung Süden ausgebreitet. Dass sich Blätter bereits im Juli verfärbten, sei aus der Sicht des Experten extrem früh.
Weniger Holzzuwachs: ein Problem für Waldbauern und Forstbetriebe
Neben dem frühen Abwurf der Blätter sei ein "massiver Einbruch im Zuwachs" die Folge der trockenen Sommer, d.h. die Bäume wachsen sehr viel langsamer als in normalen Jahren. Das sei schlecht für die Waldbauern und große Forstbetriebe. Endgültig könne man die Schäden erst in den nächsten Jahren beurteilen. Stephan Raspe geht allerdings davon aus, dass in der Folge des diesjährigen Sommers einzelne Bäume absterben.
Auch bei den Stadtbäumen hat der Extremsommer Spuren hinterlassen. Zwar werden viele Stadtbäume zum Beispiel in Ingolstadt durch die Mitarbeiter des Gartenamtes bewässert. Doch auch diese sind diesen Sommer an ihre Grenzen gestoßen. Außerdem seien Stadtbäume vielen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, sagt Bernward Wilhelmi, Leiter des Gartenamtes Ingolstadt. Ein großes Problem seien hier die stark verdichteten Böden, so dass Wasser die Wurzeln der Bäume oft sehr schwer erreicht. Um die Böden zu verdichten, reichen schon Fußgänger. Oft parken Autos aber auch viel zu nah an Bäumen. Dazu kommt, dass im Winter oft Salz die Bäume in der Nähe von Straßen schädigt.
Neuanpflanzung in Städten oft schwer kompliziert
Die Neuanpflanzung von Bäumen in den Städten sei oft schwierig und teuer: Zwischen 1.500 Euro und bis zu 100.000 Euro kann die Anpflanzung eines Baums kosten. In Ingolstadt hat die Anpflanzung einer Platane vor dem Rathaus rund 20.000 Euro gekostet, weil der Standort gepflastert war. Auch wenn sich Bürgerinnen und Bürger in Städten wie München oder Ingolstadt mehr Bäume für das Klima und den Schatten wünschten, sei die Realisierung oft schwierig. Zum einen seien sie sehr teuer und zum anderen fehlen oft geeignete Flächen. Oft sind im Untergrund Versorgungsleitungen verlegt, die eine Baumpflanzung unmöglich oder sehr kompliziert machen, so Wilhelmi.
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