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Feldafing stellt sich seiner NS-Geschichte

Feldafing stellt sich seiner NS-Geschichte

Die dunkle Vergangenheit Feldafings im Nationalsozialismus droht in Vergessenheit zu geraten. In dem oberbayerischen Ort war nicht nur eine NS-Eliteschule, sondern auch eine KZ-Außenstelle. Zwei Historiker wollen die Erinnerung wach halten.

Über dieses Thema berichtet: STATIONEN am .

Ferien, Villen, Seepromenade – Feldafing am Starnberger See ist ein bayerisches Postkartenidyll. Doch Feldafing hat eine dunkle Vergangenheit im Nationalsozialismus, die aber immer mehr in Vergessenheit gerät. Marita Krauss und Erich Kasberger sind Historiker und wollen sichtbare Erinnerungsorte für die Zukunft schaffen.

Gedenksteine an Holocaust-Überlebende sind verschwunden

Während der NS-Zeit gab es in Feldafing ein Außenlager des KZ Dachau und eine Schule für die künftige NS-Elite. Jüdische Bewohner wurden damals systematisch enteignet, ausgegrenzt und vertrieben. Nach dem Krieg haben die Amerikaner rund 6.000 Holocaustüberlebende in Feldafing in einem Camp untergebracht, sogenannte Displaced Persons. Diese haben damals Gedenksteine für die Verstorbenen aufgestellt. Trotzdem weiß heute niemand, wo diese Gedenksteine sind.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist in Feldafing als Gemeinderätin tätig. Der Gemeinderat hat die Historiker Marita Krauss und Erich Kasberger beauftragt, ein Buch über Feldafing im Nationalsozialismus zu schreiben, um den Fragen nachzugehen: Warum erinnert in Feldafing so wenig an die NS-Vergangenheit, an die KZ-Außenstelle und das Displaced-Persons-Camp? Und das, obwohl es in Feldafing immer noch einen jüdischen Friedhof gibt. "Als wir versucht haben, für das Buch Zeitzeugen zu finden, da war das ganz schwierig", erinnert sich Marita Krauss. Denn in Feldafing gäbe es wenig Familien, die kontinuierlich über mehrere Generationen hier gelebt hätten.

18 Erinnerungsstelen werden durch Spenden finanziert

Um die Geschichte präsenter zu machen, will die Gemeinde an wichtigen Orten Info-Stelen in drei Sprachen aufstellen, die an die NS-Geschichte und auch an individuelle Schicksale erinnern – auch am jüdischen Friedhof, auf dem Menschen aus dem Displaced-Persons-Camp begraben sind. "Dafür steht dieser Friedhof, für die, die den Krieg überlebt haben und dann aber in den Jahren danach gestorben sind", erklärt Marita Krauss. Ein paar Jahre nach Kriegsende wurde das Camp aufgelöst, für die meisten Überlebenden war das Camp nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in den neugegründeten Staat Israel. "Ich glaube, das ist wichtig, den Menschen hier wieder eine Identität zu geben und nicht nur zu sagen, das sind halt Opfer. Das sind Menschen, jeder Einzelne, der es wert ist, auch erinnert zu werden", sagt Marita Krauss.

Marita Krauss und Erich Kasberger haben nun ehrenamtlich ein Erinnerungskonzept mit insgesamt 18 Stelen ausgearbeitet, die an Personen und Ereignisse zwischen 1934 und 1951 erinnern sollen. Die Stelen werden von Spenden finanziert. Eine Stele soll beispielsweise an der Villa "Waldberta" stehen und daran erinnern, dass viele Displaced Persons in den 40 beschlagnahmten Villen untergebracht waren. Neben dem jüdischen Friedhof entstehen auch Stelen an der Reichsschule, die heute ein Standort der Bundeswehr ist.

Weitere Stelen erinnern an einen Widerstandskämpfer, an die Arisierung, die Deportation, an russische Lagerinsassen der KZ-Außenstelle. Auch auf einer großen planierten Fläche ist eine Stele geplant. Marita Krauss bemerkte bei der Recherche, dass die Fläche nicht zum Gesamtensemble passt und fand heraus: Die Nationalsozialisten planten dort ein Sportzentrum mit Stadion, Tennisplätzen und Außenanlagen.

Rassismus und Antisemitismus nimmt wieder zu

Der Gemeinderat hatte bereits Anfang des Jahres einstimmig zugestimmt. Trotzdem hat sich die Umsetzung nun zeitlich verzögert, weil Feldafing aktuell keinen genehmigten Haushalt hat und man nach der Kommunalwahl mit dem neuen Gremium erneut abstimmen will.

Gemeinderätin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geht davon aus, dass sich das Gremium erneut dafür ausspricht: "Hier sieht man, wohin das führt, wenn man Menschen ausgrenzt. Rassismus, Antisemitismus, nimmt überall zu und deshalb ist es wichtig, dass wir hier mit Standorten, mit lokalem Bezug zeigen, das kann ganz fürchterlich enden." Voraussichtlich im Herbst sollen die Stelen aufgestellt werden. "Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln ist zu wenig", sagt Erich Kasberger. "Aber wenn die Stelen mal im öffentlichen Raum stehen, dann kann man schlecht drüber wegschauen", ergänzt Marita Krauss.

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