Verrostete Heizkörper, lose Kabel an den Wänden, verschimmelte Bäder: Die Bilder aus der Studentenstadt Freimann hatten Anfang des Jahres für großes Aufsehen gesorgt. Im Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags ging es um die Konsequenzen. Das Wissenschaftsministerium verteidigte die bisherigen Maßnahmen, Opposition und Studierende forderten aber mehr Struktur, mehr Kontrolle und eine langfristige Perspektive.
Ministerium: Keine Gesundheitsgefährdung
Amtschefin Stephanie Jacobs sagte im Ausschuss, die Bilder aus der Studentenstadt seien "schrecklich" gewesen und hätten alle aufgerüttelt. Zugleich betonte sie: Eine Gesundheitsgefährdung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, auch der Brandschutz sei gewährleistet gewesen. Es sei "kein Stein auf dem anderen gelassen" worden, um das zu prüfen.
Nach Angaben des Ministeriums wurden inzwischen Gemeinschaftsbäder, Küchen und Aufenthaltsräume grundgereinigt, Schäden behoben, Elektrogeräte ausgetauscht und neue Meldewege eingerichtet. Für Sofortmaßnahmen in der Altstadt der Studentenstadt werden rund vier Millionen Euro eingesetzt. Langfristig soll die Sanierung von rund zwei Dritteln der insgesamt 2.400 Wohnplätze auf den Weg gebracht werden.
Studierendenwerk entschuldigt sich
Claudia Meijering, Geschäftsführerin des Studierendenwerks München Oberbayern, entschuldigte sich im Ausschuss für die Zustände. Ein Loch in einer Badewanne oder verrostete Heizkörper dürften nicht passieren. Zugleich machte sie deutlich, dass nicht nur Sanierung eine Rolle spiele: Mit manchen Einrichtungen werde nicht pfleglich umgegangen.
Meijering zeigte im Ausschuss auch sogenannte Nachher-Nachher-Bilder – also Fotos von Räumen, die kurz nach Reinigungen oder Reparaturen wieder stark verschmutzt oder beschädigt waren.
Verantwortung der Bewohner im Fokus
Mehrere Ausschussmitglieder betonten, dass neue Küchen, Bäder und Gemeinschaftsräume künftig besser behandelt werden müssten. Ausschussvorsitzender Michael Piazolo von den Freien Wählern sagte, bei einigen Bildern gehe es nicht mehr nur um Vernachlässigung, sondern um Zerstörung von Eigentum – teilweise bewege man sich da im strafrechtlichen Bereich.
Auch CSU-Abgeordneter Stephan Oetzinger zeigte sich erschrocken über den Zustand frisch sanierter Küchen. Wenn ein Ceranfeld gebrochen sei, Kühlschränke vergammelten oder es aussehe "wie bei Hempels unterm Sofa", dann könne das auch nicht sein. Wer dort wohne, habe eine Mitwirkungspflicht.
Forderung nach Haussprechern
AfD-Abgeordneter Ferdinand Mang sprach sich dafür aus, frühere Selbstverwaltungsstrukturen wiederzubeleben. Er verwies auf WG-, Stockwerks- oder Haussprecher, die früher Probleme intern angesprochen hätten. Solche Sprecher könnten nach seiner Vorstellung wieder gewählt werden und dafür Anreize bekommen, etwa Mietvergünstigungen oder längere Wohnzeiten.
Die Studierendenvertretung, die in den Ausschuss gekommen war, sieht ebenfalls Bedarf für bessere Strukturen. Student Philipp Hörterer macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Zu hohe Fluktuation bei den Bewohnern. "Eine sehr geringe Anzahl der Bewohner ist einfach für einen längeren Zeitraum in der WG und kann überhaupt eine Verantwortung, eine Gemeinschaft dort aufbauen", sagt Hörterer.
Opposition fordert Masterplan
Die Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan sagte, studentisches Wohnen sei "die große soziale Frage". In München kosteten WG-Zimmer im Schnitt rund 800 Euro, bedürftige Studierende seien deshalb auf geförderten Wohnraum angewiesen. Osgyan forderte eine genaue Analyse der Standorte, mehr Transparenz und einen Masterplan. Wenn sich der Landtag über Putzpläne unterhalten müsse, sei "irgendwas größer im Argen".
SPD-Abgeordnete Katja Weitzel kritisierte den Bericht des Ministeriums als zu wenig konkret. Sie forderte genauere Zahlen zu Bedarf, Neubau und Sanierung. Ihr Appell: Es sei immer schön, über Studierende zu reden – man müsse aber auch mit ihnen reden.
Studierendenwerk und Studierende müssen nun einen gemeinsamen Weg finden.
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