Mittwoch, 12.50 Uhr: Am Schongauer Schulzentrum geht der Alarm los. Eine Sirene. "Wir dachten, es wäre nur ein Feueralarm", erinnert sich eine 13-jährige Schülerin des Gymnasiums. "Wir wussten gar nicht, was los ist." Auch viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler können den Alarm zunächst nicht einordnen. "Und dann haben wir den Täter gesehen", erzählt sie, immer noch aufgeregt. "Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll. Ich bin einfach leise geblieben."
Anwohner versucht zu helfen
Die Lage ist unübersichtlich, zahlreiche Einsatzkräfte rücken an. "Wir waren auf dem Dach, wir durften nicht runter", berichtet ein Dachdecker, der dort gearbeitet hat. "Es war schon komisch, wenn du weißt … Wir haben immer Richtung Fenster geguckt." Ein 43-jähriger Mann aus der Gegend versucht, Kinder auf der Straße in Sicherheit zu bringen. "Ich habe da gar nicht groß drüber nachgedacht. Man versucht halt, schnellstmöglich zu schalten: Wie kann ich helfen?"
Auch eine Wirtin, deren Lokal in der Nähe der Schule liegt, nimmt Schüler bei sich auf. Viele sollen in Panik gewesen sein. "Ich habe versucht, die irgendwie zu beruhigen", erzählt sie. "Ich hätte nie gedacht, dass sowas in Schongau passiert. Grausam, einfach grausam."
Viele Kinder in Panik
Kurze Zeit später sind auch BR-Reporter vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt irren noch Kinder weinend und verunsichert über das Schulgelände. Zum Teil werden sie von aufgeregten Verwandten abgeholt, zum Teil mit Bussen zum nahegelegenen Feuerwehrhaus gebracht. Dort wurde in der Zwischenzeit eine Anlaufstelle für die Betroffenen eingerichtet – für die Kinder und Jugendlichen, deren Angehörige sowie Lehrkräfte. Viele stehen unter Schock, einige weinen.
16-jähriger Tatverdächtiger in Untersuchungshaft
Was sie da noch nicht wissen: Bereits 17 Minuten nach der Alarmierung überwältigen Lehrkräfte und die Polizei den Tatverdächtigen, einen 16-Jährigen mit kroatischer Staatsbürgerschaft. Er war früher Schüler des Welfen-Gymnasiums und befand sich während der Tat laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in einem psychischen Ausnahmezustand. Zuvor war er demnach bereits in Behandlung. Nach der Tat sitzt der mutmaßliche Täter nun in U-Haft.
Verletzte Mädchen waren Zufallsopfer
Die beiden 13-jährigen Mädchen, die der Tatverdächtige mit einem Messer verletzte, waren laut dem Bundesinnenminister Zufallsopfer. Der 16-Jährige soll mehrere Messer und eine Schusswaffe dabeigehabt haben. Mit der soll er als Erstes einen Schuss abgegeben haben, der laut Dobrindt niemanden verletzte. Danach habe die Schusswaffe versagt und der 16-Jährige sei auf die Messer umgestiegen, so der Bundesinnenminister. "Wir erleben schreckliche Stunden hier in Schongau", sagte Dobrindt nach einer Besichtigung des Tatorts.
Landrat von Weilheim-Schongau bedankt sich für mutigen Einsatz
Neben den beiden Mädchen, die unmittelbar verletzt wurden, erlitten viele Jugendliche einen Schock und brachen zusammen, schilderte ein Polizeisprecher BR-Reportern vor Ort. Der Landrat von Weilheim-Schongau, Johann Bertl, bedankte sich bei den Lehrkräften, die den Tatverdächtigen mit überwältigt haben, für ihren mutigen Einsatz.
Doch auch wenn der mutmaßliche Täter nun gefasst ist, sitzt der Schock bei den Betroffenen und Angehörigen tief. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Sicher ist: Die Verarbeitung wird dauern.
Im Video: Schongau - Gewalttat am Welfen-Gymnasium
Gewalttat am Welfen-Gymnasium in Schongau: Der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht von einer Amoktat.
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