An der Zugspitze ist eine deutlich größere Gesteinsmenge herausgebrochen als bisher angenommen. Die Experten rechnen auch damit, dass noch weitere Felsmassen abbrechen können. Das sagte heute der Geologe Michael Krautblatter im Gespräch mit BR24.
- Zum Artikel: Felsmassen stürzen an Zugspitze ab – Was wir wissen
Drohne soll Ausmaß der Felsstürze messen
Und der Fels bröckelt weiter: Neue Messungen zeigen: Am Dienstagmorgen hat es dort gleich zwei Sturzereignisse gegeben. Die beiden Felsstürze ereigneten sich kurz vor sieben Uhr, wie seismische Messungen ergaben.
Inzwischen schätzt Krautblatter die Menge des abgestürzten Gesteins auf rund 100 Kubikmeter, etwa so groß wie sechs bis acht Lkw-Ladungen. Die genaue Größe soll mit Hilfe einer Drohne vermessen werden. Sie soll am Freitag die Abbruchstelle auf der Nordseite der Zugspitze in rund 2.800 Metern Höhe untersuchen. Mit an Bord: eine Infrarotkamera.
Infrarotkamera misst Temperatur im Fels
Die Kamera soll zeigen, wie warm der Fels ist – und damit Hinweise darauf geben, wie weit der Permafrost bereits aufgetaut ist. Die Wärme des Sommers kommt im Fels zeitverzögert an – etwa ein bis zwei Monate später. Deshalb wird die größte Auftautiefe möglicherweise jetzt im September und Oktober erreicht.
Genau darin sieht Geologe Krautblatter einen möglichen Grund für die aktuellen Felsabbrüche. Der Bereich liegt nahe des Kammstollens, wo seit Jahren Permafrost untersucht wird. Den gibt es nur in größeren Höhen in den Alpen. Fehlt dieser "Kleber", bröseln die Berge auseinander. Dieses Phänomen ist ab circa 2.800 Metern Höhe alpenweit zu beobachten. Krautblatter rechnet in diesem Bereich mit der größten Auftautiefe seit 2006 – und deshalb sind weitere Felsstürze möglich.
Berg bröckelt und staubt weiter
Auch heute brösele das Kalkgestein weiter, sagt Franz Dengg, der Betreiber der Tiroler Zugspitzbahn, am Donnerstag. Für die Bahn und für Menschen bestehe aber keine Gefahr. "Es staubt noch ziemlich, wenn man mit der Seilbahn nach oben fährt", so eine Sprecherin der direkt unterhalb des Gipfels platzierten Forschungsstation Schneefernerhaus. Ob dies allerdings auf die Abbrüche von Fels und Geröll an den beiden Vortagen zurückgehe oder ob auch aktuell noch immer etwas nachkomme, ist bislang unklar.
Keine Gefahr für Bahn und Menschen
Der Felssturz an dem 2.962 Meter hohen Berg hatte sich in unzugänglichem Gelände nahe der deutsch-österreichischen Grenze in rund 2.800 Metern auf der Nordseite ereignet. Er hat eine weithin sichtbare Staubwolke verursacht, aber weder Gebäude noch Infrastruktur beschädigt. Auch Menschen wurden nicht verletzt – in dem Gebiet verlaufen keine offiziellen Steige.
YouTube-Video: "Mitreden! vor Ort - Wie schützen wir die Alpen?"
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