Vor rund 20 Jahren waren Ingolstadt und die Stadtbücherei finanziell in einer ähnlich schwierigen Situation wie heute, erinnert sich Büchereileiterin Heike Marx-Teykal. Damals hat eine Spendenaktion, zusammen mit den lokalen Buchhandlungen, geholfen. Die Stadtbücherei will die Idee nun wieder aufleben lassen. Denn ihr Medienetat wurde erneut gekürzt, für dieses Jahr um 30 Prozent.
So funktioniert die Spendenaktion
"Kauf mich für die Bücherei" heißt die Spendenaktion der Ingolstädter Stadtbücherei – in Kooperation mit den drei Buchhandlungen in der Innenstadt: Bürger können in den Buchhandlungen ein Buch ihrer Wahl kaufen und der Bücherei spenden. Dafür erhalten sie eine Spendenquittung, die sie steuerlich geltend machen können. Das Buch kommt von der Buchhandlung direkt in die Bücherei. Der Spender darf es sich als erster ausleihen, danach alle anderen.
Bücherei, Buchhandlungen und Bürger sollen profitieren
"Auf die Art und Weise können wir sicherstellen, dass wir wirklich nachgefragte Literatur ins Haus bekommen, und ich denke mir, es ist eine Gewinnsituation für alle Beteiligten", sagt Büchereileiterin Heike Marx-Teykal. Auch Buchhändlerin Margit Heindl, Inhaberin der Buchhandlung Stiebert, freut sich über die Aktion und dass ihre Kunden sie bereits gut annehmen: Schon in der Woche vor dem offiziellen Beginn hätte es viele Nachfragen und teils Bestellungen gegeben. Die ersten Buchspenden hat die Bücherei bereits erhalten.
Ingolstädter sehen Spendenaktion gemischt
Bei den Passanten in der Ingolstädter Innenstadt fallen die Meinungen zur Spendenaktion dagegen eher gemischt aus: Während einige die Idee loben und es gut finden, dass die Bevölkerung sich aktiv mit einbringen kann, finden andere es "schade" und "traurig", dass so eine Aktion nötig sei. "Wir lesen total viel und ich gehe in die Stadtbücherei, sonst könnten wir uns das nicht leisten", erzählt eine Ingolstädterin. Sie fände es traurig, dass gerade für die jungen Leute vieles eingespart werde.
Büchereileiterin: "Alle müssen sparen"
Büchereileiterin Heike Marx-Teykal meint, natürlich sei der Medienetat der Stadtbücherei wichtig, um den Bürgern auch aktuelle Literatur anbieten zu können und dadurch umfassende Informationen und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Allerdings könne die Stadtbücherei ihrer Meinung nach nicht ausgenommen werden, wenn es beispielsweise auch im sozialen Bereich große Einsparungen gebe: "Insofern bin ich dabei, dass es heißt, alle müssen sparen", so Marx-Teykal – sie beneide keinen Stadtrat, der solche Einschnitte beschließen müsse.
Warum Ingolstadt sparen muss
Die bisherigen Sparmaßnahmen des Stadtrats treffen insbesondere Kultur und Soziales, so wurde etwa die Sanierung des Stadttheaters auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund für die Finanzkrise von Ingolstadt ist der Einbruch der Gewerbesteuer. Die floss bislang hauptsächlich über Audi bzw. den VW-Konzern in die Stadtkasse, doch die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Für 2026 rechnete Ingolstadt zuletzt mit 70 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen – rund 150 Millionen Euro wären für die Stadt auskömmlich, so ein Sprecher. Zu Spitzenzeiten, wie etwa 2012, hat Ingolstadt 242 Millionen Euro über die Gewerbesteuer bekommen.
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