Die Frauen der Kößlarner Frauenliste stehen auf der Straße und blicken in die Kamera.
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Die Frauen der Kößlarner Frauenliste: (v.l.) Caro Aigner, Claudia Osterholzer, Lisa-Maria Ornezeder, Sabine Weishäupl und Eva Kormann.
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Die Frauen der Kößlarner Frauenliste: (v.l.) Caro Aigner, Claudia Osterholzer, Lisa-Maria Ornezeder, Sabine Weishäupl und Eva Kormann.

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Frauenlisten zur Kommunalwahl: Was sie bewirken können

Frauenlisten zur Kommunalwahl: Was sie bewirken können

In Bayerns Gemeinderäten ist nur jedes fünfte Mitglied weiblich. Eine Lösung sind Frauenlisten, die ausschließlich Kandidatinnen stellen. Es zeigt sich: Solche Listen steigern die Quote.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Frauen sind in der Politik unterrepräsentiert – vor allem auf kommunaler Ebene. In bayerischen Gemeinderäten ist nur jedes fünfte Mitglied weiblich, in Stadträten und Kreistagen jedes dritte. Unter Landräten und Bürgermeistern liegt der Frauenanteil bei gerade mal einem Zehntel, so aktuelle Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik. Ein Weg, um den Frauenanteil zu steigern, sind Frauenlisten. Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 sind bayernweit 30 solcher parteiunabhängigen Listen angemeldet – so viele wie nie zuvor.

Kößlarn: Elf Männer und nur eine Frau im Gemeinderat

So auch im Landkreis Passau: In Kößlarn, einer 2.000-Einwohner-Gemeinde, saßen im zwölfköpfigen Gemeinderat lange elf Männer und nur eine einzige Frau. Und die tritt zur Kommunalwahl 2026 auch nicht mehr an. Das gab Caro Aigner (43) den entscheidenden Anstoß: Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin wollte verhindern, dass möglicherweise gar keine Frau mehr im Gemeinderat sitzt.

Aigner versammelte zwölf Kößlarnerinnen und gründete eine Frauenliste. Unter ihnen Sabine Weishäupl (51), medizinisch-technische Laborassistentin: "Frauen sollten mitentscheiden", sagt sie. Auch Künstlerin Eva Kormann (63) ist dabei: "Es ist wichtig, dass Frauen Präsenz zeigen – auch in der kleinen Politik."

Landesverband Frauenlisten fördert und vernetzt Frauen seit 1998

Andrea Hinterwaldner, seit 2022 Vorsitzende des Landesverbands Frauenlisten Bayern e.V., kennt solche Geschichten nur zu gut. "Kößlarn ist absolut die Regel. Frauenlisten gründen sich genau da, wo zu wenig Frauen beteiligt sind – so wenig, dass es weh tut und allen auffällt", sagt sie. Der Verband, gegründet 1998, vernetzt und fördert diese Listen.

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Grafik zu den stetig steigenden Mitgliedern im Landesverband Frauenlisten.

Aktuell gibt es 20 Mitgliedslisten im Verband plus zehn freie Frauenlisten – in allen Regierungsbezirken. Neu dabei sind Kößlarn und Windorf im Landkreis Passau, Saulgrub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Bissingen im Landkreis Dillingen. Hinterwaldners Erfahrung nach schafft es immer mindestens eine von der Frauenliste in den Rat. "Und es erhöht sich der Frauenanteil weiter, weil andere Listen und Parteien oftmals nachziehen", sagt sie. Es sei höchste Zeit, das historisch gewachsene Frauendefizit auszugleichen, sagt Hinterwaldner: "Männer haben seit langer Zeit Politik gemacht, die Frauen waren im Hintergrund. Und wenn wir jetzt nichts daran ändern, wird es auch die nächsten 100 Jahre noch so sein."

Themen der Frauenlisten: Soziale Gerechtigkeit, Natur, Dorfleben

In ihrem Heimatort Moosach im Landkreis Ebersberg startete sie vor gut 20 Jahren eine Frauenliste, weil damals keine Frau im Rat saß. Heute herrscht Parität, sechs der zwölf Ratsmitglieder sind weiblich: "Es funktioniert super harmonisch und konstruktiv", sagt Hinterwaldner.

Die Themen der Frauenlisten ähneln sich laut Hinterwaldner oft: soziale Gerechtigkeit, Kita- und Pflegeplätze, Natur und Dorfleben. "Frauen bringen praktische Lebenserfahrung mit – aus Alltag mit Kindern oder Senioren. Ohne sie fehlt Politik was Entscheidendes", findet Hinterwaldner.

Neulingen rät sie zur Ausdauer: "Die erste Rat-Zeit ist grauenhaft – man denkt, alles umkrempeln zu können. Man braucht einen langen Atem, muss sich ein kleines Fellchen wachsen lassen und durchhalten. Es wird besser!"

Frauen selten auf den ersten Plätzen der Partei-Listen

Ein Versuch einer landesweiten Frauenliste zur Landtagswahl 2013 scheiterte knapp an Unterschriften. Seither setzt der Verband auf Basisarbeit in der kommunalen Ebene: "Lieber starkes Wurzelwerk in Bayern als ein dünnes Ästchen oben", sagt Hinterwaldner.

Aber warum setzt man Frauen nicht einfach auf den anderen Parteilisten nach vorne? "Frauen für Listen zu gewinnen, ist kein Problem", sagt Hinterwaldner. "Das Problem sind die ersten Plätze." In Kößlarn bestätigt Aigner: "Hier standen Frauen ganz selten auf den ersten Plätzen der Listen, eher im Hintergrund oder als Auffüller."

Ziel: Mindestens ein Sitz im Gemeinderat Kößlarns

Und selbst bei der Kößlarner Frauenliste zeigt sich: Als Bürgermeisterkandidatin will keine der zwölf Frauen antreten: "Wir sind noch in den Kinderschuhen und froh, dass die Frauenliste überhaupt zustande gekommen ist." Ihre Liste unterstützt den aktuellen Bürgermeister Willi Lindner. Aber: "In sechs Jahren werden wir ganz selbstbewusst auch eine Kandidatin aufstellen", sagt sie.

In Kößlarn zielt man erstmal auf mindestens einen Ratssitz: "Zwei wären Wahnsinn, drei eine riesige Party", lacht Aigner. Ob sie und ihr Frauenteam feiern, zeigt sich am 8. März.

Im Video: Frauenlisten treten an - nicht nur in Kößlarn

In Kößlarn hofft die Frauenliste auf viel Zustimmung
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In Kößlarn hofft die Frauenliste auf viel Zustimmung

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