Spätsommer in Bayern – im Freibad Karlstadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart glitzert das Wasser hell und in leichtem Blau. Es sind diese Tage, an denen das Team des Freibades nur darauf wartet, den Besucherrekord zu knacken.
Rund 130.000 Besucherinnen und Besucher in einer Saison waren es vor einigen Jahren in Karlstadt. An dieser Marke kratzen sie nun schon wieder. Jeder Spätsommertag spielt ihnen in die Karten: Die Sonne scheint, Menschen sitzen auf den großen Steinblöcken am Beckenrand und auf der Liegewiese. Die Stimmung ist gut.
Volles Bad: Voller Einsatz für den Bademeister
Für Betriebsleiter Steffen Banowski ist ein volles Bad: Spaß und Spielfreude – aber auch Stress und Aufmerksamkeit. "Wir müssen am Becken da sein. Wir müssen einfach die Regeln beachten, damit es für die Gäste Spaß macht", sagt er.
In der heißen Phase kommen wöchentlich mehrere Tausend Leute, die Aufsicht müsse dauerhaft wachsam sein. Schattenplätze werden wichtiger als Liegeflächen in der prallen Sonne. An solchen Tagen ist das Freibad gleichzeitig Ort für Abkühlung – und ein Arbeitsplatz unter Dauerhitze.
Rekord-Saison – trotzdem Verlust
Werkleiter Christoph Fluhrer von den Stadtwerken Karlstadt spricht von einem "sehr gut gelaufenen" Jahr. Damit ist das Freibad für die Stadt mit seinen rund 15.000 Einwohnern ein Aushängeschild – und gleichzeitig ein Verlustgeschäft. Denn mehr Gäste bedeuten mehr Einnahmen, aber auch mehr Hilfs- und Betriebsstoffe, mehr Reinigungsaufwand, mehr Personal. "Man wird mit vielen Besuchern nicht automatisch reich", sagt Fluhrer dem BR.
Freibad bleibt Zuschussgeschäft
Ähnlich klingt es in anderen Kommunen. Michaela Franke, Betriebsleiterin der Hofer Bäder und aktiv bei der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, sagt: Mit einem öffentlichen Bad könne man "keinen großen Gewinn machen". Filter müssen täglich gespült werden. Das kostet Energie und Wasser. Und wer viel Besuch hat, hat am Abend lange zu tun: Oft sind die Fachangestellten "bis nachts um zehn, elf Uhr anwesend", um das Bad für den nächsten Tag wieder fit zu machen.
Zahlen aus den Städten
Die Zahlen aus größeren Städten zeigen, wie stark der Hitzesommer die Bäder im ganzen Freistaat gefüllt hat. In den Freibädern von Nürnberg wurden bis Anfang September 282.278 Besucherinnen und Besucher gezählt, knapp 90.000 mehr als im Vorjahr.
In Augsburg verzeichneten die Freibäder bis Mitte August rund 230.000 Badegäste, über 40.000 mehr als im selben Zeitraum 2025. In Regensburg stieg die Zahl der Besucherinnen und Besucher im Westbad von 159.643 im Jahr 2025 auf 200.879 im Sommer 2026.
Gute Saison, teure Daseinsvorsorge
Auch für die größeren Kommunen gilt: Ein Hitzesommer bringt mehr Besucher und mehr Aufgaben. In Nürnberg berichten die Verantwortlichen von zusätzlicher Reinigung, mehr Abfallentsorgung, höherem Kontroll- und Aufsichtsaufwand, stärker beanspruchten Becken und Technik, mehr Wasseraufbereitung und Frischwasserzufuhr.
In Augsburg heißt es, dass Reinigung, Pflege der Anlagen und Personaleinsatz steigen, ebenso Betriebs- und Verbrauchskosten. Die Stadtwerke München sprechen von "anstrengenden Arbeitsbedingungen aufgrund hoher langanhaltender Hitze" und reagieren mit UV-Schutzkleidung, Sonnencreme, Sonnenschirmen und zusätzlichen Frei-Phasen im Dienstplan.
Der Sommer 2026 war für die Freibäder eine gute Saison mit vielen Rekorden – aber wirtschaftlich bleibt Schwimmen ein Angebot der Daseinsvorsorge. Die Kosten steigen, die Eintrittspreise sollen sozial bleiben. Gleichzeitig wird in diesem Jahr klar: Freibäder sind mehr als nur ein Geschäft – sie sind Orte, an denen sich ein heißer Sommer überhaupt erst aushalten lässt.
Zum Nachhören: Hitzesommer in Bayerns Freibädern
Spätsommertag im Freibad Karlstadt.
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