Im Strandbad Nonnenhorn trainiert die Wasserwacht für den Ernstfall: reanimieren, Menschen aus dem Wasser ziehen, Abläufe üben. Badegäste im Freischwimmerbecken erfreuen sich am Blick auf den Bodensee mit Sicht auf die Schweizer Berge. Noch läuft der Betrieb wie gewohnt. Aber das Bad ist mehr als 50 Jahre alt, die Technik marode – und die Gemeinde weiß nicht, wie sie Sanierung oder Neubau bezahlen soll.
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Strandbad Nonnenhorn: Ausbildung der Wasserwacht und Schulschwimmen gefährdet
Für viele im Ort ist das Nonnenhorner Strandbad kein Freizeitluxus, sondern ein Stück Alltag. "Schön ist es hier", sagen Gäste. "Ich bin hier schon als Kind gewesen, für mich gehört das Bädle dazu", schwärmt eine Besucherin. Auch ihre Kinder haben hier das Seepferdchen gemacht, erzählt sie. Gerade deshalb geht es in Nonnenhorn um mehr als ein Becken mit Bodenseeblick.
Für die Wasserwacht ist das Strandbad Nonnenhorn ein wichtiger Trainingsort. Hier bildet sie Lebensretter aus. Felix Zöller von der Wasserwacht sagt, ohne das Bad könnten eigene Leute nicht mehr ausgebildet werden, auch das Schulschwimmen im Ort wäre gefährdet. Gerade an einem See ist Schwimmenkönnen nicht nur eine Frage der Freizeit, sondern auch der Sicherheit.
Felix Zöller von der Wasserwacht Nonnenhorn: "Unsere Jugendschwimmausbildung müssen wir in geschlossenen Becken machen, weil sie nicht im See stattfinden kann." Hintergrund sind Vorschriften des Deutschen Schwimmverbandes, die dafür plädieren, bei klaren Wasserverhältnissen zu trainieren. Wenn dann ein Bad verschwindet, verschwindet oft auch ein Ort, an dem Kinder den Umgang mit Wasser lernen.
Alte Technik, hohe Kosten
Das Strandbad stammt aus den 1970er-Jahren. Die Becken wurden immer wieder geflickt, die Abdeckplane ist gerissen, das Wasser wird noch mit einer Gastherme beheizt. Sollte diese alte Technik ausfallen, könnte der Betrieb schnell auf der Kippe stehen. Schon jetzt verursacht das Bad nach Angaben der Gemeinde jedes Jahr ein Defizit von rund 200.000 Euro.
Eine Vollsanierung gilt als wirtschaftlich schwierig. Realistischer erscheint ein Neubau als Naturbad mit biologischer Wasseraufbereitung und weniger aufwendiger Technik. Das könnte später Betriebskosten senken, würde zunächst aber mehrere Millionen Euro kosten. Bürgermeister Tobias Pellot rechnet mit bis zu fünfeinhalb Millionen Euro.
Millionenlücke bleibt offen
Die Gemeinde hat deshalb Unterlagen für das Bundesförderprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder" eingereicht. Im besten Fall könnte Nonnenhorn auf eine Förderung von rund zwei Millionen Euro hoffen. Doch selbst dann bliebe ein großer Betrag offen, den die kleine Gemeinde nicht allein stemmen kann. "Ein großer Batzen. Daran hängt es einfach, an der Finanzierung", sagt Pellot.
Parallel sucht Nonnenhorn nach Sponsoren und Spendern. Ein Förderverein hat bereits Sanitäranlagen renoviert, ein Baum spendet neuen Schatten, das Kiosk-Team hat dem Bad mit kräftigen Farben ein frischeres Gesicht gegeben. Dieses Engagement zeigt, wie groß der Rückhalt im Ort ist. Es zeigt aber auch die Grenze privater Hilfe: Ein öffentliches Bad lässt sich nicht dauerhaft mit Spenden und Ehrenamt allein retten.
Ein Beispiel für viele Orte in Bayern
Nonnenhorn steht mit diesem Problem nicht allein da. Viele Schwimm- und Freibäder in Bayern sind in die Jahre gekommen, während Kommunen zugleich Schulen, Straßen, Kinderbetreuung und Energieversorgung finanzieren müssen. Nach Zahlen aus dem Bauministerium von 2024 gelten hunderte Schwimmbäder im Freistaat als sanierungsbedürftig. Der Fall am Bodensee kann deshalb auch Familien anderswo betreffen.
Die Frage dahinter reicht über Nonnenhorn hinaus. Was passiert, wenn das nächste bezahlbare Bad plötzlich zu weit weg ist? Wo trainieren Rettungskräfte, wenn die Infrastruktur fehlt? Und wie viel öffentliche Daseinsvorsorge darf davon abhängen, ob Sponsoren oder Spender einspringen? Im Herbst soll klarer werden, ob eine Bundesförderung möglich ist. Dann muss Nonnenhorn entscheiden, wie es mit dem Strandbad weitergeht.
Im Video: Zwei Jahre im Dornröschenschlaf – So retteten Bürger ihr Freibad
Zwei Jahre war das Waldkraiburger Waldbad im Dornröschen-Schlaf. Ehrenamtliche erweckten es dann wieder zum Leben - mit viel Zeit und Elan.
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