Dominosteine fallen um, sie tragen die Farben von Deutschland, Großbritannien, Frankreich; im Hintergrund: Wladimir Putin grinsend
Dominosteine fallen um, sie tragen die Farben von Deutschland, Großbritannien, Frankreich; im Hintergrund: Wladimir Putin grinsend
Bild
Wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien gleichzeitig den Populisten in die Hände fielen, wäre das Putins Traum?
Bildrechte: colourbox.com/Evgeniy Sergeev, colourbox.com/2618, picture alliance / Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin via AP | Vyacheslav Prokofyev, colourbox.com/DeCe, colourbox.com/251530, colourbox.com/Grafika Fine Art by Karina Serritzlev Bekker, colourbox.com/261814, colourbox.com/Thanamat, colourbox.com/Monchai Tudsamalee; Montage: BR/Maxi Schumann
Schlagwörter
Bildrechte: colourbox.com/Evgeniy Sergeev, colourbox.com/2618, picture alliance / Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin via AP | Vyacheslav Prokofyev, colourbox.com/DeCe, colourbox.com/251530, colourbox.com/Grafika Fine Art by Karina Serritzlev Bekker, colourbox.com/261814, colourbox.com/Thanamat, colourbox.com/Monchai Tudsamalee; Montage: BR/Maxi Schumann
Videobeitrag

Wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien gleichzeitig den Populisten in die Hände fielen, wäre das Putins Traum?

Aktualisiert am
Videobeitrag
Erschien zuerst am
>

Fällt Europa an die Rechtspopulisten – und Putin jubelt?

Fällt Europa an die Rechtspopulisten – und Putin jubelt?

44 Prozent in Sachsen-Anhalt: Die AfD feiert und Putin jubelt mit. Wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien gleichzeitig den Populisten in die Hände fielen, wäre das Putins Traum. Wie realistisch ist er? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die AfD sieht sich als neue Volkspartei und sie ist nicht allein mit ihrer Freude. Trump gratulierte, chinesische Medien lobten den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, und aus Moskau kamen ebenfalls warme Worte. Dass das kein Zufall ist, sagt Thomas Jäger, Politikprofessor an der Universität Köln, im BR24-Interview für "Possoch klärt": "Putin und Xi freuen sich über den AfD-Erfolg ganz sicher, denn die AfD ist eine Russland- und China-freundliche Partei."

Drei Dominosteine – ein Traum für Putin

Und nun will die AfD mehr, nämlich den Sieg bei der Bundestagswahl. Dass die auf 2027 vorgezogen wird, darauf arbeitet sie nun hin und attackiert die Bundesregierung mehr denn je. Hinzu kommt: In Frankreich steht Marine Le Pen 2027 vermutlich so kurz vor dem Einzug in den Élysée-Palast wie nie zuvor, in Großbritannien wächst der Druck von Reform UK auf die Regierung. Wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien kippen, wäre das ein geopolitisches Erdbeben.

Wenn in Deutschland, Frankreich und Großbritannien jeweils rechtspopulistische oder europaskeptische Kräfte an die Macht kommen, nützt das Wladimir Putin und Donald Trump. Putin, weil ein fragmentiertes Europa seine militärische Dominanz auf dem Kontinent sichert. Trump, weil er Europa ohnehin nur noch als Konkurrenten betrachtet: je zerstrittener, desto besser für Washington.

Populismusforscher Philipp Adorf von der Universität Bonn sieht AfD und ähnliche Parteien in Europa als potenzielle Kooperationspartner für Moskau: "Akteure, die die antirussische und wachsende antichinesische Front durchbrechen können". Jäger zieht die Konsequenz: "Wenn in Deutschland und Frankreich rechte Parteien regieren, ist die Europäische Union am Ende."

Im Video: Nach AfD-Sieg – Fällt Europa an die Rechtspopulisten?

Kein "Rechtsruck" – ein Kollaps der Mitte

Ist das zu vereinfacht? Adorf bremst das Narrativ vom großen europäischen "Rechtsruck": Was sich tatsächlich beobachten lasse, sei eher eine Wanderung zu den Rändern – in beide Richtungen. In Frankreich seien die traditionellen Volksparteien praktisch verschwunden, eine Stichwahl zwischen Rechts- und Linkspopulisten sei möglich. In Deutschland habe die Linkspartei bei der Bundestagswahl 2025 ein Comeback gefeiert. Die Gesellschaft bewege sich nicht eindeutig nach rechts: Die liberale Mitte bricht ein.

Die Ursachen sind europaweit ähnlich: wirtschaftlicher Stillstand, wachsende Staatsverschuldung, kein Spielraum für neue Sozialleistungen, dazu ein langer Vertrauensverlust für etablierte Parteien. Was auffällt: Andere Rechtspopulisten wie Le Pen oder Italiens Meloni haben sich mit der Zeit gemäßigt, um regierungsfähig zu werden. Die AfD tut das Gegenteil und wird trotzdem stärker. Adorf erklärt die Logik: Fundamentalopposition, so radikal wie möglich, bringe den größtmöglichen Stimmenanteil und nebenbei lasse sich die AfD als "Schmuddelkind" instrumentalisieren, das anderen Rechtsparteien erlaubt, gemäßigter zu wirken, als sie sind.

Putins Traum: Europa von innen zerschlagen

Was Putin von diesem Szenario hätte, skizziert Jäger: Russland wäre der militärisch stärkste Staat auf einem fragmentierten Kontinent. Die EU würde unter rechten Regierungen handlungsunfähig. Putin könnte Grenzen neu verhandeln, sich als Moderator inszenieren und dabei Gas und Öl wieder in die eigene Kasse fließen lassen.

"Putin hat über viele Jahre in politischen Einfluss in Europa investiert", sagt Jäger. "Er strebt an, dass diejenigen, die Russland geneigt sind, Regierungsverantwortung übernehmen. Das wäre der Moment, in dem Russland die politische Dominanz über Europa gewinnen würde."

Ob das eine kurzfristige Welle ist oder ein grundlegender Wandel, hängt laut Jäger davon ab, ob die etablierten Parteien verstehen, wie politische Kommunikation heute funktioniert. Tun sie es nicht, könne aus der Welle eine dauerhafte Verschiebung werden. Und die EU, die seit Jahrzehnten Frieden und Wohlstand garantiert habe, sei kein Naturgesetz. "Wir können auch wieder in die Zeiten zurück, wo wir in Europa uns gegenseitig bekriegt haben. Und aus Russland findet man das gut", so Jäger.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!