Eine Girlande, auf der "1. Schultag" steht, davor gehen zwei Kinder vorbei.
Eine Girlande, auf der "1. Schultag" steht, davor gehen zwei Kinder vorbei.
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Ab diesem Schuljahr haben die Erstklässlerinnen und Erstklässler ein Recht auf Ganztagsbetreuung. Die anderen Grundschulkinder nicht.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel
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Ab diesem Schuljahr haben die Erstklässlerinnen und Erstklässler ein Recht auf Ganztagsbetreuung. Die anderen Grundschulkinder nicht.

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Ganztag für alle? Warum manche Eltern trotzdem neu planen müssen

Ganztag für alle? Warum manche Eltern trotzdem neu planen müssen

Ab dem neuen Schuljahr haben Bayerns Erstklässler schrittweise Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Doch an manchen Schulen fehlen passende Räume. Für einige Familien hat das Folgen: Kinder verlieren ihre Betreuungsplätze oder müssen ausweichen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Zum Ferienende atmen viele Eltern durch: Sechs Wochen durchgehende Betreuung zu organisieren, ist für diejenigen, die erwerbstätig sind, ein logistischer Aufwand. Der hat mit Schulstart am 15. September ein Ende. Zumindest für die Eltern der 131.000 Kinder, die dann eingeschult werden. Denn die haben ein Recht auf Ganztagsbetreuung. Dass das auch fünf Jahre nach der Entscheidung im Bundestag noch nicht glattläuft, zeigt ein Fall aus Würzburg, der die Frage aufwirft: Wer ist verantwortlich?

Viertklässlerin muss ihren Platz in der Betreuung räumen

Sina und Max aus Würzburg haben drei Kinder, sind beide berufstätig und die Großeltern leben woanders. Für sie ist die schulische Mittagsbetreuung also extrem wichtig. Bisher haben sie immer einen Platz bekommen. Bis kurz vor Ferienbeginn eine Info kam, "dass die Kinder der vierten Klasse keinen Platz mehr in der Mittagsbetreuung haben, weil die Schule so viele Anmeldungen von den Erstklässlern hat", sagt Sina. Heißt: Diejenigen Kinder, für die der Rechtsanspruch noch nicht gilt, müssen zugunsten derjenigen Kinder Platz machen, die jetzt gesetzlich ein Recht auf Ganztagsschule haben.

Kommune betont, das sei ein Einzelfall – alle seien versorgt

Nachgefragt bei der Stadt Würzburg als Verantwortliche für die Organisation der schulischen Ganztagsangebote in der Kommune heißt es: Allen Kindern konnten Betreuungsplätze angeboten werden – "nicht allen an ihren Wunschstandorten". Diese Kinder hätten Alternativangebote in der näheren Umgebung erhalten. So auch Sinas neunjährige Tochter: Sie könne zur Hortbetreuung im Nachbarstadtteil gehen, um bis 15 Uhr betreut zu sein. "Erstens müsste sie mit dem Bus dorthin fahren, zweitens sind ihre Freundinnen nicht da, sondern in der schulischen Mittagsbetreuung. Wir nehmen das Angebot nicht an", sagt Sina und muss jetzt von Tag zu Tag planen. In diesem Schuljahr gebe es also nichts Kontinuierliches.

Würzburg war gut vorbereitet auf Ganztags-Angebot

Die Info, die Sina und Max bekommen haben, kam vom Verein "Erleben Arbeiten Lernen" der evangelischen Jugendhilfe Würzburg. Der Verein ist Kooperationspartner an 56 Schulen in Unterfranken. Deren Fachkräfte betreuen Kinder in der Mittagsbetreuung, in gebundenen, in offenen Ganztagsangeboten und in Horten. "Ein Prozent oder weniger Kinder haben nicht den Platz bekommen, für den sie sich ursprünglich angemeldet haben", sagt Vorsitzender Jürgen Keller.

Diese gute Quote liege daran, dass die Würzburger Schulen schon seit vielen Jahren Mittagsbetreuung und Hort anbieten und so die Infrastruktur schon da war: 85 Prozent der Grundschulkinder wurden schon vor Einführung des Rechtsanspruchs über Mittag schulisch betreut, so die Stadt. "Es gibt aus unserer Sicht bis auf wenige Schulen mit Raumproblemen keine Engpässe."

Flaschenhals sind die Räumlichkeiten

Mit dem Rechtsanspruch kamen neue Vorgaben vom Bayerischen Kultusministerium, was die Räumlichkeiten angeht: "Die Mitnutzung von Räumlichkeiten, die für den Unterricht oder andere schulische Zwecke zur Verfügung stehen, ist möglich", heißt es in einem Schreiben des Bayerischen Kultusministeriums an alle Grundschulen im November 2023. Und weiter: "Ob, wie viele und welche Räume neu geschaffen oder ertüchtigt werden müssen, kann nur im Einzelfall [...] entschieden werden." Die Kosten für Um- oder Neubauten müssten die Städte und Gemeinden im Freistaat tragen.

Klamme Kassen verhindern Schulausbau

Doch die Kassen vieler Kommunen in Bayern sind klamm. Viele Schulen in Bayern sind marode oder zu klein für die gestiegene Schülerzahl: Experten schätzen den Investitionsstau an bayerischen Schulen auf über zehn Milliarden Euro. Das zeigt sich jetzt deutlicher denn je. Denn der Bedarf an modernen Räumlichkeiten im Schulhaus steigt mit dem schrittweisen Ausbau der offenen und gebundenen Ganztagsschule, sagt auch Jürgen Keller von der evangelischen Jugendhilfe Würzburg: "Der Platz, an dem ein Kind von acht bis 16 Uhr ist, muss einem Platz entsprechen, an dem es lernen, das soziale Miteinander erleben und sich geborgen fühlen kann."

Das betont auch Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV): Es brauche "anstatt der üblichen Klassenzimmer viel eher gut durchdachte Lern- und Lebensräume, beispielsweise offene Raumkonzepte mit Rückzugsmöglichkeiten für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte". Finanzielle Herausforderungen, Raumnot und Lehrkräftemangel führten laut BLLV dazu, dass die Ganztagsschule in Bayern die Bildungsungerechtigkeit nicht aufhalte.

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