Apothekerin wählt ein auf Papierrezept verschriebenes Medikament aus
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Apothekerinnen und Apotheker sollen Papierrezepte auf ihre Echtheit überprüfen (Archiv- und Symbolbild)
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Gefälschte Rezepte: Millionen-Schaden für Krankenkassen

Gefälschte Rezepte: Millionen-Schaden für Krankenkassen

Gefälschte Rezepte verursachen bei den gesetzlichen Krankenkassen Millionenschäden – auch in Bayern. Kriminelle Netzwerke erschleichen sich damit teure Medikamente, die anschließend weiterverkauft werden. Trotz E-Rezept bleibt eine Lücke im System.

Über dieses Thema berichtet: Der Funkstreifzug am .

Gefälschte Rezepte für teure Medikamente belasten die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks ist durch solche Betrugsfälle in den vergangenen Jahren ein Schaden in mehrstelliger Millionenhöhe entstanden.

Das Geld fehlt der Solidargemeinschaft – die Beitragszahler tragen einen großen Teil der Kosten. Solche Extrakosten sind in Zukunft besonders bitter. Denn die Versicherten werden durch die Gesundheitsreform bald zusätzlich belastet, etwa durch höhere Zuzahlungen bei Medikamenten.

Nachfrage bei gesetzlichen Krankenkassen

Der BR24-Funkstreifzug hat stichprobenartig bei großen Krankenkassen nachgefragt. Allein die AOK beziffert den Schaden durch gefälschte Rezepte in den vergangenen zwei Jahren auf rund fünf Millionen Euro. Bei der Techniker Krankenkasse sind es rund 600.000 Euro, bei der DAK-Gesundheit etwa 1,1 Millionen Euro. Die Barmer Ersatzkasse hatte Anfang des Jahres einen Schaden von 2,5 Millionen Euro gemeldet, entstanden in gut zwölf Monaten.

Besonders lukrativ für Kriminelle sind hochpreisige Arzneimittel. Dazu gehören Krebsmedikamente, starke Schmerzmittel oder sogenannte Abnehmspritzen. Da die Medikamente schnell 1.000 Euro und mehr kosten, kommt schon mit wenigen gefälschten Rezepten eine hohe Schadenssumme zusammen.

E-Rezept gegen Fälschungen

Eigentlich sollte das seit 2024 verpflichtende E-Rezept solche Fälschungen deutlich erschweren. In Bayern verfügen laut Gesundheitsministerium inzwischen 99 Prozent der Kassenarztpraxen über die technischen Voraussetzungen. Wer das E-Rezept nicht nutzt, dem können die Vergütungen gekürzt werden. Doch in bestimmten Ausnahmefällen (externer Link) dürfen weiterhin Papierrezepte ausgestellt werden – etwa bei technischen Problemen.

Genau diese Lücke nutzt die organisierte Kriminalität aus. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat laut Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums Ärztinnen und Ärzte bereits für das Thema sensibilisiert und darauf aufmerksam gemacht, dass die konsequente Ausstellung des E-Rezepts das Risiko von Rezeptfälschungen enorm reduziere.

Im zweiten Schritt des Betrugs werden Apotheken zur Angriffsfläche. Die Bayerische Landesapothekerkammer hat deswegen ein Merkblatt zum Umgang mit gefälschten Rezepten veröffentlicht. Auch das Bayerische Landeskriminalamt verschickte bereits Warnhinweise an Apotheken.

Mehraufwand für Apotheken

So sollen Apotheken zum Beispiel bei Telefonnummern kontrollieren, ob diese zur entsprechenden Arztpraxis passen. Auffällig ist auch, wenn der Wohnort des Versicherten sehr weit von der Praxis oder Apotheke entfernt liegt. Oft werden gefälschte Papierrezepte auch genau dann eingelöst, wenn die ausstellende Arztpraxis geschlossen ist. Dann sind Nachfragen bei den zuständigen Ärzten nicht möglich.

Der Münchner Apotheker Peter Sandmann hat bereits negative Erfahrungen gemacht. Auch bei ihm haben Rezeptfälscher schon vor Monaten teure Krebsmedikamente ergaunert. Jetzt ist er noch vorsichtiger geworden, aber: "Durch die Überprüfung der vor allem hochpreisigen Rezepte, die im Verdacht stehen, gefälscht zu sein, ergibt sich natürlich ein erheblicher Arbeitsaufwand."

Die verstärkten Kontrollen führten schon mal dazu, dass Patienten länger auf ihr Medikament warten müssten, so Sandmann. "Wir unterstellen grundsätzlich erstmal jedem, der mit einem Papierrezept über einen 'Hochpreiser' kommt, dass das Rezept unter Umständen nicht in Ordnung ist."

Aus dem Vertrag (externer Link) zwischen Apotheken und Kassen geht hervor, dass in der Apotheke geprüft werden muss, ob es sich um eine Fälschung handeln könnte. Wenn diese auf den ersten Blick erkennbar war, kann die Apotheke auf den Kosten sitzen bleiben. In den meisten Fällen bekommen die Apotheken aber ihr Geld von den Krankenkassen.

Kosten für die Solidargemeinschaft der Versicherten

Für die Krankenkassen ist der Betrug ein finanzielles Problem. Das Geld fehlt am Ende allen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern. Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen (vdek) warnt vor den Folgen: "Die gesetzliche Krankenversicherung ist ja eine Solidargemeinschaft und deswegen sind hinterher alle davon betroffen." Gerade wegen der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherungen sei die konsequente Verfolgung der Straftaten wichtig.

Die Krankenkassen sehen zudem eine Gefahr für die Versorgung: "Wir haben natürlich auch Probleme bei diesen Medikamenten mit Lieferengpässen. Das ist fatal, wenn dann die Patienten genau diese Medikamente nicht bekommen, weil eben betrügerische Machenschaften im Spiel sind", so Gottfried.

Krankenkassen, Ermittler und Apotheken setzen deshalb auf strengere Kontrollen und einen möglichst konsequenten Einsatz des E-Rezepts. Klar ist aber auch: Solange Papierrezepte in Ausnahmefällen möglich sind, bleibt eine Lücke bestehen, die Betrüger ausnutzen können.

Die ganze Recherche hören Sie im Funkstreifzug am 15.07. um 12.15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als Podcast bei ARD Sounds.

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