Das Frühjahr in Bayern haben viele als kalt empfunden, es war aber vor allem trocken. Die Aufzeichnungen gehen bis ins Jahr 1881 zurück und nie hat es weniger geregnet als dieses Frühjahr.
Gewaltiges Regendefizit für Bayern
Laut Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), kam erst am 31. Mai das erste richtige Tiefdruckgebiet mit ordentlich Regen. Seitdem sind insgesamt durchschnittlich 40 Liter auf den Quadratmeter gefallen. Die Schwankung reicht von 7 Litern pro Quadratmeter im Landkreis Kitzingen bis zu 96 Litern im Landkreis Rosenheim. Das Regendefizit insgesamt ist gewaltig, und was es jetzt noch bräuchte, wäre ein flächiger Landregen über mehrere Tage, sagt Stephan Weigand von der Landesanstalt für Landwirtschaft. Denn der Regen muss nicht nur fallen, der Boden muss das Wasser auch aufnehmen können: " Das ist der springende Punkt, dass es in den Boden eindringt und dann an die Wurzeln rankommt. Und dann den Pflanzen direkt zur Verfügung steht." Entsprechend wenig bringen Gewitter mit Starkregen, der auf trockenen Boden fällt und an der Oberfläche abfließt.
Karte: So trocken sind die Böden in Deutschland
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Regional starke Unterschiede
Beim Landesamt für Umwelt (LfU) wird sowohl der Hochwassernachrichtendienst gemacht, als auch der Niedrigwasserlagebericht. Auf BR24-Anfrage teilte ein Sprecher mit: "Im bisherigen hydrologischen Abflussjahr 2026 (01.11.2025 bis 10.06.2026) zeigt Südbayern (Bayern südlich der Donau) ein Niederschlagsdefizit von 176 Litern pro Quadratmeter und Nordbayern (Bayern nördlich der Donau) erhielt 143 Liter pro Quadratmeter zu wenig Niederschlag." Das bezieht sich auf den Durchschnitt der Referenzperiode zwischen 1971 und dem Jahr 2000. Weil es in den letzten Jahren meist geringe Niederschläge gegeben hat, stockt die Neubildung von Grundwasser und liegt insgesamt im Jahr durchschnittlich rund 15 Prozent unter dem Soll.
Wieviel müsste es regnen, um das Grundwasser zu stärken?
Durch einzelne regenreiche Wochen während der Sommermonate kann das Defizit laut LfU nicht langfristig ausgeglichen werden. Weil Gewitterregen im Sommer meist nur lokal auftreten, fehlen die Flächenniederschläge. Dazu kommt eine hohe Verdunstung. Außerdem brauchen die Pflanzen Wasser, da bleibt nicht mehr viel fürs Grundwasser übrig.
Ein kompletter zusätzlicher Monatsniederschlag könnte eine Verbesserung bringen. Da wären für Nordbayern zusätzliche 86 Liter und für Südbayern zusätzliche 134 Liter. Schöne Landregen, immer mal wieder, sind laut Stephan Weigand von der Landesanstalt für Landwirtschaft gut: "Die helfen, dann kann auch was in den Boden eindringen und den Pflanzen zur Verfügung stehen."
Tipps für den Garten: Seltener, aber mehr gießen
Im Garten sei es besser, den Boden vorzubefeuchten und dann stark zu gießen, vielleicht alle drei Tage. Das sei besser, als jeden Tag ein bisschen. Es gilt die Abendstunden oder den frühen Morgen zu nutzen, damit nicht so viel Wasser gleich wieder verdunstet. Das Wasser soll nah zu den Wurzeln der Pflanzen kommen.
"Beim Rasen braucht man sich nicht so sehr zu sorgen", sagt der Fachmann für Agrarmeteorologie Stephan Weigand. Einmal die Woche gut wässern reiche völlig, ein gesunder Rasen erhole sich wieder, auch wenn er zeitweise unter Trockenheit gelitten habe. "Wer länger mal im Urlaub war und den Rasen vergessen hat, der weiß das."
Unterschiedliche Böden
Die Messstationen geben ein unterschiedliches Bild. Dieses Jahr sind etwa die Böden in Schwaben und Niederbayern auch insgesamt sehr trocken, sagt Experte Weigand. Die Speicherfähigkeit von Böden ist ganz unterschiedlich. So kann ein Sandboden 80 Liter speichern, also die Menge eines klassischen Monatsniederschlags. Ein Lehmboden speichert mit 160 Litern pro Quadratmeter sogar das Doppelte, aber ständig verdunstet Wasser und wird von der Vegetation gezogen.
Wasser im Wald
Auch die bayerischen Wälder leiden unter der Trockenheit. Die Bäume selber haben unterschiedliche Bedürfnisse. Weiden und Fichten sind etwa Flachwurzler, ganz anders, Kiefern, Eichen oder Tannen. Sie können Trockenheit vor allem dann leichter überstehen, "wenn sie Grundwasseranschluss haben," sagt Stephan Weigand. "Zwanzig Prozent des ganzen Jahresniederschlags bleibt in einem Laubwald in den Blättern hängen". Das erreicht gar nicht den Boden. Dieses Wasser verdunstet.
Eine schnelle Verbesserung ist nicht in Sicht
Vom Landesamt für Umwelt kommt die Prognose, eine Verbesserung der Situation beim Grundwasser sei frühestens im Winterhalbjahr zu erwarten, vorausgesetzt, es wird ein "außergewöhnlich niederschlagsreiches Winterhalbjahr 2026/27 (November bis April)". Erst dann könnten sich die Grundwasservorräte "auch in fließgewässerfernen Bereichen" nachhaltig und flächendeckend wieder auffüllen.
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