Ein Luftbild des Grabungsareals am Stahlzwingerweg: Man sieht die Ausgrabungsstätte.
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Luftbild des Grabungsareals am Stahlzwingerweg in Regensburg.
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Geheimer Männerkult: Mithras-Tempel in Regensburg entdeckt

Geheimer Männerkult: Mithras-Tempel in Regensburg entdeckt

Für die beteiligten Archäologen ist es eine Sensation: In der Regensburger Innenstadt wurden bei Ausgrabungen fast 2.000 Jahre alte Überreste eines Tempels gefunden. Im Heiligtum ging es wohl mit bestem Essen und viel Wein hoch her.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus der Oberpfalz am .

Die Archäologen sind bereits im Jahr 2023 auf einer Baustelle im Westen der Regensburger Innenstadt auf die Überreste des Holzgebäudes gestoßen. Nur langsam, Abschnitt für Abschnitt, konnten sie sich vorarbeiten, weil parallel auf der Baustelle weitergearbeitet wurde, sagt Grabungsleiterin Sabine Watzlawik.

In den Überresten fanden die Archäologen vor allem Scherben von Trinkgefäßen, Weinbehältern und Tellern. Das hätte zwar auch auf eine Wirtschaft hinweisen können, sagt Stefan Reuter, der die Funde im Nachgang analysiert hat. Allerdings kamen die Forscher schließlich auf eine andere Spur: Vieles an ihrem Fund habe deutlich an andere Tempel aus der Zeit erinnert – und zwar nicht für eine römische Gottheit, sondern für den orientalischen Gott Mithras.

Bauweise bringt Archäologen auf die Tempel-Spur

Ein Indiz: Wie andere Mithras-Tempel sei der etwa sieben Meter lange Holzbau länglich angelegt gewesen und teilweise in die Erde hinein gebaut worden. Die Anhänger des Mysterienkults, zu dem nur Männer zugelassen waren, mussten wohl über eine Rampe in das Heiligtum hinabsteigen.

Während in der Mitte eine Art Graben verlief, gab es an den Seiten erhöhte Podeste, auf denen die Anhänger sitzen oder liegen konnten. Mithras-Tempel seien Höhlen nachempfunden worden, da ein zentrales Motiv der Mythologie die Tötung eines Stiers durch Mithras in einer Höhle gewesen sei, so Reuter.

Gelage mit viel Wein und besonderem Essen

Allzu fromm liefen die Huldigungen der Gottheit im Tempel aber wohl nicht ab: Während die Anhänger des orientalischen Kults bei ihren Treffen im fensterlosen Tempel auf den erhöhten Podesten lagen, wurden sie wohl mit bestem Essen und jeder Menge Wein versorgt. Der Tempel sei mit Kerzen und Öllampen beleuchtet worden, sagt Johannes Sebrich vom Amt für kulturelles Erbe der Stadt Regensburg. "Es ist sehr mystisch gewesen: keine Fenster, eine sehr feierliche Stimmung, in der man mit Gelagen dem Gott Mithras gehuldigt hat."

Was bei diesen Gelagen genau auf den Tellern der Teilnehmer landete, könnten weitere Analysen der gefundenen Überreste ergeben. Die Untersuchungen etwa der gefundenen Essensbehälter laufen aber noch. "Ich will noch nichts vorwegnehmen, aber es wurden wohl deutlich hochwertige Speisen konsumiert", sagt Stefan Reuter.

Die Mithras-Gemeinden seien ein geschlossener und wohl auch elitärer Kreis gewesen. In der Regel habe eine Gemeinde 15 bis 40 Männer umfasst, sagt Reuter. Wurde die Gemeinde größer, habe sie sich wohl in der Regel geteilt. Daher gebe es auch antike Siedlungen, in denen mehrere Mithras-Tempel gefunden wurden.

Ältestes bisher bekanntes Mithras-Heiligtum in Bayern

Nach den Erkenntnissen der Forscher soll das Regensburger Heiligtum aus der Zeit zwischen 80 und 171 nach Christus stammen. Damit ist es der älteste Mithras-Tempel, der bisher in Bayern gefunden wurde. Sabine Watzlawik spricht von einem "sehr besonderen Fund" für sie persönlich. "Ich habe noch nie einen Tempel gefunden", sagt die Archäologin.

Als sich bei der Analyse der Funde das Puzzle aus den vielen Indizien langsam zusammengesetzt hat, konnte sie es kaum glauben, sagt Watzlawik. "Wir haben uns mehrfach zusammengesetzt und uns gefragt: Kann es das wirklich sein?"

Auch wenn keine Inschrift mit dem Namen des Gottes Mithras gefunden wurde und somit ein hundertprozentiger Beweis fehlt, sind sich die beteiligten Archäologen "sehr sicher", dass sie mit ihrer Interpretation richtig liegen. "Unter Archäologen gibt es den Witz: Wenn man nicht weiß, was es ist, dann ist es etwas Kultisches. Aber hier ist es tatsächlich so", sagt Stefan Reuter.

Funde kommen ins Museum

Die Funde aus dem Tempel sollen künftig im Historischen Museum der Stadt Regensburg gezeigt werden. Dieses plant gerade die Neugestaltung seiner Römerausstellung. Im neuen Ausstellungsteil soll das Mithras-Heiligtum einmal einen besonderen Platz einnehmen.

Den Museums-Verantwortlichen schwebt ein Nachbau des Tempels vor, in dem die Besucher die Stimmung einmal ganz physisch nachempfinden können – inklusive überlieferter Gesänge und Gebete. Ob dann auch erlesene Speisen und große Mengen Wein kredenzt werden, ist aber eher unwahrscheinlich.

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