Mit einem Geständnis hat in Nürnberg der Prozess gegen einen 53-Jährigen aus Großenseebach bei Erlangen begonnen. Er soll über Jahre ein Mädchen auf den Philippinen via Internet sexuell missbraucht haben, dafür muss er sich nun vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.
Angeklagter gesteht und zeigt Reue
Mit einem Ordner schützend vor dem Gesicht und an den Füßen gefesselt wurde der angeklagte Diplom-Ingenieur am Dienstag in den Gerichtssaal geführt. Über eineinhalb Stunden dauerte die Verlesung der Anklage, in der dem Angeklagten unter anderem schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes in 95 Fällen vorgeworfen wird.
In einer vorabgestimmten Einlassung über seinen Anwalt teilte der Angeklagte mit, dass er seine Taten zutiefst bereue. Er habe bereits Schmerzensgeld bezahlt und werde weiteres Geld an die Geschädigte bezahlen. Dazu kündigte er an, therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen.
Mutter machte sexuellen Missbrauch wohl erst möglich
Der Mann gab weiter an, bei einem Urlaub auf den Philippinen Mutter und Tochter kennengelernt und Nummern ausgetauscht zu haben. Die Familie lebte in Armut, die der Angeklagte ausnutzte. Wieder zu Hause habe er zunächst ein Nacktbild des Mädchens von der Mutter gegen Geld bekommen, daraufhin entstand ein regelmäßiger Chat über drei Jahre mit sexuellem Inhalt.
Der 53-Jährige soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, das zu Beginn der Taten achtjährige Mädchen immer wieder via Chat zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Die Mutter des Mädchens filmte ihre Tochter und sendete ihm im Anschluss Fotos und Videos, im Gegenzug bezahlte er umgerechnet zwischen 25 und 60 Euro für die Bilder und Videos mit sexuellen Inhalten von dem Kind. Er forderte das Mädchen auf, sexuelle Handlungen an sich oder anderen Personen – teils ebenfalls Kinder – vorzunehmen.
Missbrauch geht über drei Jahre
Die Zentralstelle Cybercrime, die die Ermittlungen geführt hat, spricht von insgesamt 97 Missbrauchsfällen zwischen 2019 und 2022, einmal davon soll der Angeklagte selbst auf die Philippinen gereist sein, um kinderpornographische Handlungen von dem Mädchen zu filmen. In zwei Fällen soll er das Mädchen anderen Männern für sexuelle Handlungen angeboten haben.
Hinweise liefern Sicherheitsbehörden aus Australien
Die Ermittlungen kamen nach einer Mitteilung der Sicherheitsbehörden aus Australien und von einer Kinderhilfsorganisation auf den Philippinen in Gang. Grund für das Eingreifen der australischen Sicherheitsbehörden ist die räumliche Nähe zu den Philippinen, wie Thomas Goger, der Leitende Oberstaatsanwalt in Bamberg auf Nachfrage des BR erklärt.
Demnach arbeite die australische Polizei schon seit langer Zeit sehr eng mit den philippinischen Behörden zusammen. Auf den Philippinen seien zahlreiche australische Verbindungsbeamte im Einsatz. Dabei handelt es sich um Beamte, die die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und ausländischen oder übergeordneten Dienststellen, wie beispielsweise Interpol, sicherstellen.
Angeklagtem droht eine lange Haftstrafe
Insgesamt sind sechs Verhandlungstage geplant, ein Urteil wird für Mitte August erwartet. Im Fall einer Verurteilung erwartet den 53-Jährigen eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren. Das Strafmaß sieht aber auch Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren vor.
Mit einem Ordner bedeckt der Angeklagte sein Gesicht.
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