Die Halser Burgruine in Passau bröckelt vor sich hin – und der Markt für Ruinen ist schwierig.
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Halser Burgruine zu verkaufen: Wer rettet das Wahrzeichen?

Halser Burgruine zu verkaufen: Wer rettet das Wahrzeichen?

Die Halser Burgruine in Passau bröckelt vor sich hin – und der Markt für Ruinen ist schwierig. Ein Mittelalterfan kämpft dafür, das denkmalgeschützte Bauwerk aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.

Über dieses Thema berichtet: Der BR Schlager Feierabend am .

Traumblick über das Ilztal, spannende Historie, 6.375 Quadratmeter Grundstück – die Halser Burgruine in Passau steht zum Verkauf.

Wer will eine Ruine kaufen?

"Sie ist ein echtes Wahrzeichen der Stadt und gehört zur Identität der Region", preist Maklerin Eva Sachse sie an und tritt als Burgfräulein verkleidet in einem Insta-Video auf. Die historische Burg wurde 1072 erstmals erwähnt und war vom 12. bis 14. Jahrhundert ein bedeutender Herrschafts- und Handelsstützpunkt.

Doch wer will eine Ruine kaufen? Aus Denkmalschutzgründen sind An- und Ausbauten nicht möglich. Weder Übernachtungen seien erlaubt noch ein Café. "Möglich ist der Erhalt als Kulturdenkmal - immer mit der Behörde abgestimmt", sagt Eva Sachse vom Maklerbüro.

Stadt und Bayerische Schlösserverwaltung nicht an Kauf interessiert

Die Stadt Passau und die Bayerische Schlösserverwaltung möchten die Ruine nicht kaufen [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Die Interessenten, die sich bisher gemeldet haben, seien nicht bereit, den vom Eigentümer gewünschten diskreten Betrag zu bezahlen, so Sachse.

Doch einer würde die Ruine gern aus seinem Dornröschenschlaf wecken! Verkleidet als Graf Leopold von Hals, im originalgetreuen blau-roten Mittelalterkostüm mitsamt Hut, Schild und Helm stapft Andreas Zillner durch das zugewachsene Gelände ganz nach oben. "Willkommen auf der Burg", sagt er.

Verein "Grafschaft Hals wiedererleben" will Burgruine retten

Zillner beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Halser Burg. Er hat Bibliotheken und Archive in München, Passau und Landshut durchstöbert und Wissen zusammengetragen. "Das Erbe der Halser ist überall verteilt", sagt er und betont, wie bedeutend dieses Kapitel der Geschichte ist. "Abgesehen von den Drachen ist 'Game of Thrones' Kinderkram dagegen."

Der gelernte Zerspanungsmechaniker hat den Verein "Grafschaft Hals wiedererleben" gegründet. Andreas Zillner will die Ruine bewahren und sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. "Endlich", dachte er, als er die Verkaufsanzeige vor ein paar Wochen entdeckte. "Die Anlage ist vor ungefähr 25 Jahren vom Freistaat Bayern verkauft worden – für 19.000 Mark. Damals war ich zu jung. Jetzt kann man was daraus machen."

Baumwurzeln schädigen das Mauerwerk

Seine Idee: "Erstmal muss die Begrünung weg", sagt Zillner. "Das ist zwar romantisch, allerdings schädigen die Wurzeln die Mauern. Wir wollen das Ganze begehbar machen und Infotafeln zur Geschichte errichten." Am liebsten würde er obendrauf einen ganzen Geschichtspark mit einem rekonstruierten Mittelalterdorf aus dem 14. Jahrhundert bauen – etwa wie in Bärnau-Tachov im Landkreis Tirschenruth. Das sei allerdings ein Millionenprojekt.

Selbst das Minimalkonzept mit Kaufpreis und den dringendsten Sicherungsmaßnahmen würde etwa 450.000 Euro kosten, hat Zillner berechnet – immer noch zu teuer für seinen kleinen Verein.

Bildrechte: Maklerbüro Living Immo
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Die Halser Burgruine in Passau aus der Vogelperspektive

Eigentümer will verkaufen und nicht verpachten

Er hat dem Eigentümer ein Pachtangebot in Höhe von 500 Euro jährlich gemacht. Doch dieser möchte nicht verpachten, sondern verkaufen. Daher führt die Maklerin jetzt erst einmal die Gespräche mit den Kaufinteressenten weiter.

Nicht nur die Halser Burgruine: Vielerorts lassen sich Ruinen und Burgen schwer erhalten oder verkaufen. "Ruinen sind im Erhalt viel teurer, als man denkt", sagt Christian Karl Frey, Direktor des Europäischen Burgeninstituts. Zudem setze der Klimawandel der Bausubstanz auf verschiedene Weisen zu.

"Nicht aus jeder Burg lässt sich ein Museum machen"

"Es wird immer schwieriger, vernünftige Nutzungen für Burgen zu finden. Denn nicht aus jeder Burg kann man ein Hotel oder Museum machen. Wir unterhalten uns sehr viel mit Denkmalbesitzern, die uns fragen: Was sollen wir mit unserer Burg machen? Es gibt keine pauschale Lösung dafür", sagt Frey.

Wie also lassen sich diese Denkmäler der Geschichte bewahren? "Der Staat gibt sich allergrößte Mühe, den Denkmalschutz zu unterstützen", findet Frey. "Es geht nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist etwas, das Kommunen gemeinsam mit der freien Wirtschaft und ehrenamtlichen Engagement schultern müssen."

Das Europäischen Burgeninstitut baut eine Datenbank mit möglichst allen Burgen Deutschlands auf. Deutschland ist nach deren Schätzung mit 30.000 Burgen, Schlössern und Ruinen das burgenreichste Land der Welt – und Bayern das burgenreichste Bundesland.

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