Es fällt auf den ersten Blick auf, dass das so genannte große kleine Haus (externer Link) in München anders ist. Die Fassade grün, die Balkone rosa – und das Besondere daran: Sie bestehen aus recyceltem Stahl. Auf der grauen Fassade des Nebengebäudes steht in großen Buchstaben "Rohrlager", denn sie kam in ihrem ersten Leben in einem Industriebetrieb zum Einsatz, wurde dann abgebaut und hier wieder angebracht.
- Zum Artikel: "Bauschutt-Recycling in Bayern – geht da noch was?"
Weniger Schallschutz am Bau und dadurch geringere Kosten
Bei dem Genossenschaftsneubau im Münchner Kreativquartier wurde Geld gespart, wo es möglich war. Im Inneren gibt es Türrahmen, die ebenfalls schon einmal anderswo verbaut waren, an den Wänden findet sich an einigen Stellen ein für Wohngebäude recht grober Beton. Und es wurden Abstriche beim Schallschutz gemacht. Das habe aber keine Nachteile für die Mieter, wie Architekt Julius Klaffke betont. Er sei sogar besser als in den Altbauten, in denen viele der künftigen Bewohner bisher ohne Probleme leben.
Einfach bauen oder doch eher experimentell?
Das "Große kleine Haus" ist eines von 19 Pilotprojekten in Bayern zum sogenannten Gebäudetyp E, wobei das E hier weniger für "einfach" bauen stehe, sondern eher für "experimentell", sagt Julius Klaffke. Denn man wollte möglichst viel ausprobieren. Entwickelt hat das Projekt sein Arbeitgeber, bogevischs buero aus München, zusammen mit der ARGE Teleinternetcafe aus Berlin. Und das alles gemeinsam mit den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern, so dass alle am Planungsprozess beteiligt waren und wissen, was sie erwartet.
Die Baukosten konnten mit verschiedenen Maßnahmen um rund elf Prozent gesenkt werden. Das Ergebnis: eine Quadratmeter-Miete zwischen 12,20 Euro und 13,50 Euro. Das ist nicht viel für einen Neubau in zentraler Lage in München. Dazu kommen allerdings noch Einlagen, da es sich um einen Genossenschaftsbau handelt.
Baukosten steigen immer weiter
In den vergangenen Jahren sind die Baukosten für Wohnungen regelrecht explodiert. Seit 2019 sind sie um rund 47 Prozent nach oben gegangen. Und durch den Irankrieg würden sich Stahl, Beton oder Dämmstoffe weiter verteuern, heißt es beim VdW, der die sozial orientierten Wohnungsunternehmen im Freistaat vertritt.
Verbandsdirektor Hans Maier setzt große Hoffnungen in den Gebäudetyp E. Nun seien Bundesbau- und Justizministerium gefragt. Es sei angekündigt, bis zur Sommerpause einen Gesetzentwurf vorzulegen. Dann bekomme man vielleicht noch dieses Jahr eine saubere juristische Basis. Er würde sich wünschen, dass es schneller geht.
200.000 bezahlbare Wohnungen fehlen in Bayern
Aus seiner Sicht fehlen derzeit 200.000 bezahlbare Wohnungen in Bayern. In manchen Städten sei die Nachfrage so hoch, dass die Verbandsmitglieder ihren kompletten Wohnungsbestand noch einmal vermieten könnten. Der Wohnungsbau müsse jetzt auf die Überholspur gelenkt werden, so Maier. Dazu gehörten auch verlässliche und transparente Förderbedingungen. Und steuerliche Anreize, um private Investitionen zu mobilisieren.
Bau-Standards treiben Kosten in die Höhe
Aber was bedeutet das nun für die Mieter? Es gebe viele wichtige Standards im Bereich Sicherheit und Gesundheit. Aber eben auch viele überbordende, wie den Schallschutz, sagt Hans Maier. So habe man in den Decken mittlerweile eine doppelte Stahlbewehrung, um einen erhöhten Schallschutz einzuhalten. Das treibe die Kosten wahnsinnig in die Höhe. In anderen europäischen Ländern würde eine einfache Stahlbewehrung reichen, und die Häuser würden auch nicht zusammenfallen.
Auch die Heizung fällt kleiner aus
Im "Großen kleinen Haus" hat man nicht nur den Schallschutz reduziert, sondern auch an der Heizung gespart und diese kleiner dimensioniert. Es gebe voraussichtlich ein paar Tage zur kältesten Zeit im Jahr, wo man in dem Gebäude dann vielleicht einen Pullover anziehen müsse, erklärt Architekt Julius Klaffke. In der gesamten restlichen Zeit würde man das nicht merken. Alles Dinge, die mit den künftigen Bewohnern entwickelt und abgestimmt wurden.
Noch dieses Jahr kommt Leben ins Haus
Ende des Jahres soll das "Große kleine Haus" bezugsfertig sein. Mit Bewohnern, die die 29 Wohneinheiten mit Leben füllen. Und Gewerbetreibenden, vor allem aus den Bereichen Kreatives und Soziales. Und einem Café im Erdgeschoss, in dem Menschen mit und ohne Einschränkungen zusammenarbeiten, betrieben von der Initiative CBA.
Kleiner Wermutstropfen für alle Interessierten: Derzeit nimmt die Genossenschaft keine neuen Mitglieder mehr auf. Die Nachfrage war riesig, das Konzept vom einfachen Bauen und dem Leben im grün-pinken Haus – es scheint aufzugehen.
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