Polizei vor der Mittelschule in Friedberg
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Polizei vor der Mittelschule in Friedberg (Archivbild)
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Hammer-Attacke an Schule: Anklage sieht rassistisches Motiv

Hammer-Attacke an Schule: Anklage sieht rassistisches Motiv

Es waren bange Stunden an einer Mittelschule im schwäbischen Friedberg: Ein 15 Jahre alter Jugendlicher soll in einem uniformähnlichem Anzug zwei Schüler attackiert haben. Versuchte Morde aus rassistischen Gründen, glauben die Ermittler.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Es ist der 2. Oktober um 7:55 Uhr, als ein 15 Jahre alter Jugendlicher den Pausenhof der Friedberger Mittelschule betritt, so die Ermittler. Er trägt ihnen zufolge einen uniformähnlichen Anzug. Auf dem Kopf einen Helm, der an die Wehrmacht erinnert. Und er habe einen Hammer und zwei Softair-Pistolen mitgebracht. Sein Ziel: Schüler mit islamischem Glauben und ausländischer Herkunft zu töten, so schreibt es zumindest die Generalstaatsanwaltschaft München in ihrer Anklage.

Len, 14 Jahre alt, erlebt den Angriff am eigenen Leib. Der Achtklässler steht mit einem Freund im Pausenhof, will gerade in den Unterricht gehen. Dann sieht er, wie der Angreifer direkt auf ihn zukommt. Dessen Outfit beschreibt er als "so nazimäßig. Da wusste ich, das ist kein Spaß", sagt Len.

Ein 14-Jähriger wird schwer getroffen

Sein Freund bekommt einen schweren Hieb mit dem Hammer gegen den Kopf ab, die Wunde blutet sofort stark, der Junge geht zu Boden, erzählt Len. Auch gegen Len habe sich der Angreifer gewendet, doch der kann ausweichen. "Ich hab mich weggedreht, da hat er zum Glück nur meine Schulter erwischt." Len rennt ein paar Meter davon, stoppt dann aber, als er merkt, dass sein Freund zurückbleibt.

Und dann tut er das, wovor Ausbilder und Einsatzkräfte warnen, wenn Waffen im Spiel sind: Er läuft zurück und geht dazwischen, als der Angreifer wieder mit dem Hammer auf seinen Kumpel habe einschlagen wollen: "Ich hab ihn getreten, mit dem Knie in den Bauch gerammt, hab' dann den Alex (Name geändert) genommen und wir sind weggerannt. Er hat noch mit der Softair-Pistole auf uns geschossen." Len und Alex flüchten in die benachbarte Grundschule.

Streife fasst den Verdächtigen in einer Tiefgarage

Auch der Angreifer rennt weg. Wenig später wird er von einer Polizeistreife in einer Tiefgarage festgenommen. Laut der Generalstaatsanwaltschaft soll sich der 15-jährige Angreifer seine Opfer gezielt ausgesucht haben: Er habe einen 14-jährigen irakisch-stämmigen Schüler und einen 13-jährigen Schüler mit kosovarischen Wurzeln attackiert, sie mit dem Hammer auf Kopf und Körper geschlagen - aus rassistischen Motiven.

Len hat seinen Freund nicht im Stich gelassen

Für die Mutter von Len war der Angriff ein Schock. Der Rettungsdienst habe sie angerufen und davon gesprochen, dass ihr Sohn eine Verletzung mit einem Hammer erlitten habe. Sie dachte erst, da sei im Werkraum etwas passiert.

Erst als sie bei der Fahrt ins Krankenhaus überall Polizei "und den Hubschrauber in der Luft" sah, da habe sie gedacht: "Jetzt ist was Schlimmes passiert". Ihr Sohn sei noch ruhiger als früher, berichtet sie kurz nach der Tat. Aber sie findet es großartig, dass er seinen Freund nicht im Stich gelassen hat.

Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord aus

Die beiden Opfer trugen leichte bzw. mittelschwere Verletzungen davon. Die Generalstaatsanwaltschaft München wertet dies als versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung, jeweils in zwei Fällen. Die Jugendkammer des Landgericht Augsburgs wird nun entscheiden, ob sie die Anklage zulässt und es zu einem Prozess kommt. Für den Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Er ist nach wie vor in Untersuchungshaft.

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