Junge Ärztin untersucht Patienten
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Hausärztetag: So soll es mit dem Arzttermin schneller gehen
Bildrechte: picture alliance / Westend61 | Daniel Waschnig Photography
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Hausärztetag: So soll es mit dem Arzttermin schneller gehen

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Hausärztetag: So soll es mit dem Arzttermin schneller gehen

Hausärztetag: So soll es mit dem Arzttermin schneller gehen

Es werden wieder mehr junge Menschen Allgemeinarzt, eine gute Nachricht vom Bayerischen Hausärztetag in Regensburg. Dort geht es auch darum, wie Patienten schneller Arzttermine bekommen können, auch bei Fachärzten.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus der Oberpfalz am .

Mit Beschwerden zuerst zum Hausarzt: Ärztin Margit Kollmer hält viel von diesem Modell der "Hausarztzentrierten Versorgung". Sie betreibt eine Hausarztpraxis in Velden im Landkreis Landshut. In den meisten Fällen kann sie abschließend helfen, ansonsten vermittelt sie einen Termin beim Facharzt. "Da haben halt wir als hausärztliche Praxis regional eine gute Struktur. Wir wissen, welche fachärztlichen Kollegen wir in der Gegend haben, wir sind vernetzt. Wir können dann schon im Einzelfall Termine erreichen."

Pilotprojekt HÄPPI wird gut angenommen

Ein neues Konzept geht noch einen Schritt weiter. Hier versorgt ein ganzes Praxis-Team die Patienten, nicht nur der Arzt oder die Ärztin, sondern auch speziell geschultes Personal. "Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell" heißt dieses Versorgungskonzept, kurz HÄPPI. So sollen Hausarztpraxen mehr Termine anbieten können.

"Ich kann jederzeit in jeder Behandlung als Arzt einbezogen werden, wenn es notwendig ist", betont Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands. "Wenn es aber nicht notwendig ist, dann muss ich das eben nicht machen. Es bedeutet, ich kann mir wirklich die Zeit nehmen für die komplizierten Fälle, für die akuten Notfälle, für die Patienten, die wirklich die ärztliche Kompetenz brauchen."

Wissenschaftler, die das vom Freistaat Bayern geförderte Projekt begleiten, haben beim Bayerischen Hausärztetag in Regensburg erste Ergebnisse vorgestellt. Tatsächlich behandeln die Pilotpraxen laut Ritter im Schnitt 15 Prozent mehr Patienten und die äußern sich laut der Studie auch sehr zufrieden.

Mehr Nachwuchs im Bereich Allgemeinmedizin

Ritter sieht das Projekt auch als Antwort auf die Frage, ob die Hausärzte überhaupt mehr Patienten versorgen könnten, wenn man ihre Rolle als Primärversorger weiter stärken würde. "Uns wird von Politik und Krankenkassen manchmal als Argument entgegen gebracht: 'Wenn wir jetzt ein Primärversorgungssystem implementieren, schafft ihr das dann überhaupt?' Und ja, wir schaffen es. Das zeigt HÄPPI", so Ritter.

Außerdem werden laut dem Verbandsvorsitzenden wieder mehr junge Leute Allgemeinarzt. "Also unsere Nachwuchsarbeit hat wirklich Früchte getragen", berichtet Ritter. "Die Anzahl der Facharztprüfungen für den Facharzt für Allgemeinmedizin hat sich in den letzten Jahren vervierfacht."

Appell an die Politik

Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands mahnt angesichts der anstehenden Krankenkassenreform, nicht bei den Arzthonoraren zu sparen. 97 Prozent der Patienten werden laut Ritter ambulant versorgt. "Sie müssen sich vorstellen, dass die Krankenhäuser ungefähr drei Prozent des Patientenaufkommens behandeln“, erklärt er. Dennoch fließe der größte Teil der Krankenkassen-Ausgaben in den stationären Bereich. "Also wenn wir ein Primärversorgungssystem haben wollen, dann ist es richtig, dass man den stationären Sektor runterfährt, weil der wahnsinnig viel Geld verschlingt." Dort würden viele Leistungen erbracht, "die vielleicht nicht unbedingt notwendig sind".

Hausärztin Margit Kollmer aus Velden, die als Delegierte für Niederbayern am Hausärztetag teilnimmt, ist überzeugt: "Wir hätten gute Ideen und funktionierende Konzepte." Sie wünscht sich deshalb von der Politik, "dass man diese zusätzlichen Kompetenzen mit einbezieht und nicht das Rad immer neu erfindet. Dass man uns fragt, wie man Versorgung sicherstellen kann."

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