Im Gespräch mit dem BR blickt Franz von Bayern mit Sorge auf das Erstarken der politischen Ränder, auf den zunehmenden Antisemitismus und auf die politische Entwicklung in den USA.
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Franz von Bayern ist das Oberhaupt der Wittelsbacher und wichtiger Zeitzeuge.
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Herzog Franz von Bayern: "Bin absolut gegen jede Ausgrenzung"

Herzog Franz von Bayern: "Bin absolut gegen jede Ausgrenzung"

Er ist das Oberhaupt der Wittelsbacher und wichtiger Zeitzeuge. Im Gespräch mit dem BR blickt Franz von Bayern mit Sorge auf das Erstarken der politischen Ränder, auf den zunehmenden Antisemitismus und auf die politische Entwicklung in den USA.

Über dieses Thema berichtet: BR24extra am .

Kaum jemand verbindet Bayerns Vergangenheit so unmittelbar mit seiner Gegenwart wie das Oberhaupt der Wittelsbacher: Herzog Franz von Bayern ist Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. Gebe es in Bayern noch die Monarchie, wäre Herzog Franz heute König.

Wachsamer Blick auf aktuelle politische Entwicklungen

Kritisch, aber immer auch zuversichtlich: So lässt sich Franz von Bayerns Blick auf das Leben und die Gesellschaft vielleicht am besten beschreiben. Die aktuellen politische Entwicklungen beobachtet der 93-Jährige mit besonderer Wachsamkeit. Auf die Frage von BR-Chefredakteur Christian Nitsche, ob sich Geschichte wiederholen könne, antwortet er: "Wir müssen immer aufpassen."

Es gelte, früh mögliche Warnzeichen zu erkennen: "Das geht an mit der Verrohung der Sprache. Das geht an mit Rücksichtslosigkeit im privaten Leben, im öffentlichen Leben bis in die Politik und die Wirtschaft hinein." Wenn gewisse Grundlagen erodierten, werde es gefährlich: "Ganz egal, in welcher Form am Ende sich ein Unheil entwickelt."

Erinnerung an das Konzentrationslager

Dass seine Worte auch heute noch Gewicht haben, liegt auch an seiner persönlichen Geschichte. Seine Familie gehörte zu den entschiedensten Gegnern des NS-Regimes. Sein Großvater Kronprinz Rupprecht verweigerte Hitler die Gefolgschaft, sein Vater Albrecht floh mit der Familie ins Exil nach Ungarn.

1944 wurden die Wittelsbacher verhaftet und als sogenannte Sonderhäftlinge in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau verschleppt. Franz von Bayern war damals elf Jahre alt. Im Interview erinnert er sich an das abrupte Ende seiner Kindheit. Im Konzentrationslager sei für ihn klar gewesen: "Ich komme da nicht mehr lebend heraus.“ Trotzdem habe er als Kind keine Todesangst empfunden, seine Eltern hätten den Kindern Halt gegeben.

Franz von Bayern: Politik muss heute mehr erklären

Den Erfolg extremer Kräfte heute erklärt sich der 93-Jährige auch mit der Verführungskraft einfacher Botschaften. "Man muss sicher sehen, dass die Extremen rechts und links sich sehr viel leichter tun mit Schlagworten, die eigentlich nichts wert sind." In Zeiten von künstlicher Intelligenz und einer kaum noch überschaubaren Informationsflut sei es schwieriger geworden, Wahrheit und Falschinformation auseinanderzuhalten. Auch deshalb müssten Politiker heute viel mehr erklären als früher.

Zu einzelnen Parteien äußert sich Franz von Bayern bewusst nicht. Als er nach der AfD gefragt wird, formuliert er seine Position dennoch eindeutig: "Ich bin absolut gegen jede Ausgrenzung, jede Verächtlichmachung von anderen Menschen, von anderen Gruppen, gegen jeden Rassismus, selbstverständlich gegen jeden Extremismus.“ Vor allem auch der wachsende Antisemitismus beunruhige ihn: "Der macht mir Sorge. Nicht nur in Deutschland."

Sorgenvoller Blick auf die USA

Besorgt blickt der Herzog auch über den Atlantik. Jahrzehntelang habe ihn das "freiheitliche Denken" in den USA beeindruckt. Umso deutlicher fällt sein Urteil über die Entwicklung unter Präsident Donald Trump aus: "Ich bin ratlos, kann es mir auch nicht erklären und bin auch entsetzt darüber."

Neben den politischen Entwicklungen beunruhigt ihn auch der Umgang mit der Klimakrise. Dabei nimmt er ausdrücklich auch sich selbst mit in die Verantwortung: "Ich habe es auch nicht genug beachtet. Wir alle nicht." Er hoffe, "dass es noch nicht zu spät ist, dass man heute immer noch korrigieren kann."

Spätes Bekenntnis mit großer Wirkung

Er selbst hat vor drei Jahren einen Schritt getan, der über Deutschland hinaus Beachtung fand: 2023 machte der Herzog nach mehr als 40 gemeinsamen Jahren seine Beziehung zu seinem Partner Thomas Greinwald öffentlich.

Die vielen Reaktionen hätten ihn überrascht - und gleichzeitig gezeigt, "dass das wirklich noch etwas bewegt hat." Sein Wunsch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften: "Ich hoffe auf Selbstverständlichkeit, dass Toleranz nicht mehr notwendig ist."

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