Später Nachmittag in Augsburg, 30 Grad im Schatten. Dominik Böhm, Krankenpfleger und ehrenamtlicher Helfer bei den Johannitern, und Wundexperte Marc Kannengießer starten mit dem Wundmobil der Johanniter in Augsburg. Die Ärztin Ullrike Ripper begleitet das Team. Viermal pro Woche fährt das umgebaute Fahrzeug fünf Haltestellen an. Dort versorgen die Ehrenamtlichen wohnungslose und suchtkranke Menschen kostenlos. Sie behandeln akute und chronische Wunden – unter Bedingungen, die durch die Hitze schwieriger werden. Hohe Temperaturen können Infektionen begünstigen und die Wundheilung hemmen. Für das Team bedeutet das: Jeder Einsatz kann anders aussehen.
Offene Wunde unter der Prothese
Am Königsplatz warten bereits die ersten Klienten. Eine Frau im Rollstuhl hat eine Prothese und eine offene Stelle am Beinstumpf. Unter der Prothese hat sich Wasser gestaut. Die Helfer versorgen die betroffene Stelle. Nach jeder Behandlung desinfizieren sie das Wageninnere. Doch für die nächste Wundversorgung bleibt zunächst keine Zeit.
Drogennotfall statt Wundbehandlung
Zwei junge Frauen liegen bewusstlos im Gras. Die Helfer laufen zu ihnen. Schnell wird klar, dass Drogen im Spiel sind. Eine der Frauen atmet kaum noch. Das Team fordert einen Rettungswagen an. Marc Kannengießer weist die Rettungskräfte vor Ort ein. Sobald die übernommen haben, kehren Böhm und Kannengießer zu ihrem eigentlichen Einsatz zurück.
Schwierige Versorgung am Knie
Der nächste Patient hat eine klaffende Wunde am Knie und eine starke Entzündung im Bein. Der Mann ist alkoholisiert. Um die Verletzung genauer beurteilen zu können, muss er seinen Stiefel ausziehen. "Da würde ich gern drunterschauen. Sonst kann ich heute Nacht nicht schlafen", sagt Ullrike Ripper lächelnd und kann so den Mann dazu bewegen, ihrer Bitte nachzukommen. Ein geübter Blick: Danach kann der Wundexperte die Verletzung behandeln und einen stabilen, für die Hitze geeigneten Verband anlegen.
Fünf Wundbehandlungen und zwei Notfalleinsätze
Am Ende des Nachmittags haben Böhm und Kannengießer fünf Wundbehandlungen durchgeführt sowie zwei Einsätze als Ersthelfer. Das Team zieht eine positive Bilanz. Besonders erleichtert sind die Helfer darüber, dass sie an diesem Tag keine Maden in einer Wunde vorfinden – solche Fälle kommen bei der Arbeit auf der Straße vor. Für die Ehrenamtlichen bleibt der Einsatz eine Herzenssache. Auch bei großer Hitze sind sie für Menschen da, die ihre Hilfe dringend brauchen. Am nächsten Tag fährt das Wundmobil wieder los.
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