Die geriatrische Reha-Klinik im oberbayerischen Bruckmühl steht nach BR-Recherchen schwer in der Kritik. Patienten und Angehörige hatten sich über die dortigen Zustände beschwert. Jetzt ist klar: Die Rehaklinik darf vorerst weiter betrieben werden. Der Landkreis Rosenheim hatte die Klinik Ende August unangekündigt überprüft und anschließend ein Verfahren für den Entzug der Konzession eingeleitet. Dieses Verfahren lässt das Landratsamt nun vorerst ruhen und erlaubt den Betrieb erst einmal weiter – aber nur mit 30 Betten und unter Auflagen. Das kündigte das Landratsamt am Dienstag in einer Pressemitteilung an.
- Zum Artikel: Zustände in Reha-Klinik Bruckmühl: Fehler im System?
Landratsamt: Erneute Überprüfung habe Besserung gezeigt
Grund dafür sei eine erneute Überprüfung der Klinik am 6. Oktober durch das Gesundheitsamt Rosenheim und den Medizinischen Dienst Bayern. Dabei habe sich gezeigt, dass Mängel bei der Dokumentation teilweise behoben worden seien. Es bestehe aber weiter deutlicher Verbesserungsbedarf, heißt es in der Mitteilung. Das neu eingeführte Dokumentationssystem befinde sich derzeit noch im Aufbau.
Klinik arbeitet unter Auflagen – volle Belegung frühestens 2027
Die Klinik muss nun unter Auflagen arbeiten. Bis 23. November soll sie nachweisen, dass das neue Dokumentationssystem funktioniert und das Personal geschult wurde. Weitere Auflagen betreffen den Umgang mit Medikamenten sowie die Versorgung und Dokumentation von Wunden.
Eine höhere Belegung kann frühestens ab 1. Januar 2027 beantragt werden. Voraussetzung ist, dass alle Auflagen erfüllt sind. Die Geschäftsführung hat eine Woche Zeit, sich zu den Vorgaben zu äußern.
Gesundheitsamtsleiter: sofortige Schließung nicht gerechtfertigt
Der Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, betont: "Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat für uns oberste Priorität." Bei der jüngsten Begehung sei keine unmittelbare Gefährdung des Patientenwohls festgestellt worden. Eine sofortige Schließung sei deshalb nicht gerechtfertigt. Eine höhere Belegung sei aber aktuell nicht vertretbar. Die Begehung hat laut Hierl aber gezeigt, dass von Seiten der Geschäftsführung und des Führungsteams weiterhin eine glaubhafte hohe Motivation besteht, alle aufgezeigten Mängel zeitnah abzustellen.
BR-Recherchen deckten Hinweise auf Missstände auf
Recherchen des BR hatten Ende August Hinweise auf massive Missstände in der geriatrischen Rehaklinik in Bruckmühl aufgedeckt. Patienten und ihre Angehörigen sowie ehemalige Mitarbeiter hatten Probleme in der Einrichtung zwischen 2024 und Juli 2026 kritisiert. Dabei ging es vor allem um Mängel bei der Wundversorgung, fehlende, teils falsche Medikamentengabe und zu wenig Personal.
Die Berichte nahm das Landratsamt zum Anlass, die Situation in der Klinik zu kontrollieren. Bei einer unangekündigten Überprüfung durch das Landratsamt Ende August seien Mängel im Dokumentationsmanagement festgestellt worden, die das Landratsamt Rosenheim als erheblich einordnete. Es habe nicht lückenlos nachgewiesen werden können, ob die pflegerische und medizinische Versorgung adäquat erbracht worden sei.
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