"Die Glaubwürdigkeit spielt eine große Rolle", sagte Klaus Holetschek am "Sonntags-Stammtisch" im BR Fernsehen. "Gerade in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Politik schwindet und radikale Kräfte wachsen." Deshalb, so der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, sei es "unausweichlich und auch richtig", dass Jens Spahn als Unionsfraktionsvorsitzender im Bundestag zurückgetreten ist.
Entscheidung über Nachfolge werde "relativ schnell fallen"
Gleichzeitig lobte Holetschek, Spahn sei ein hochengagierter Mensch, der auch Leistung gebracht habe. "Das darf man nicht ganz ausblenden."
Die Entscheidung über Spahns Nachfolge werde nun "relativ schnell fallen", ist sich Holetschek sicher. Die Parteivorsitzenden der CDU und CSU würden darüber beraten. Als mögliche Nachfolger für den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag werden unter anderem Generalsekretär Carsten Linnemann und Kanzleramtschef Thorsten Frei gehandelt.
Möglicher Personalwechsel im Kanzleramt
Politikwissenschaftlerin Ursula Münch betonte am "Sonntags-Stammtisch", dass es nun die Möglichkeit gebe, Frei aus dem Kanzleramt herauszunehmen. Denn mit seiner Organisation seien viele "nicht hundertprozentig zufrieden" gewesen. Gleichzeitig habe Frei Erfahrung in der Fraktionsarbeit: Von 2021 bis 2025 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Kanzler Friedrich Merz strebt eine Entscheidung über Spahns Nachfolge vor seiner ab Ende Juli geplanten Urlaubszeit an.
Rücktritt nach Sohn durch Leihmutterschaft
Spahn hatte seinen Rücktritt am Samstag bekannt gegeben. Grund war, dass Spahn und sein Ehemann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren. In Deutschland ist Leihmutterschaft durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Spahn hatte sich in der Vergangenheit mehrfach gegen die Leihmutterschaft positioniert: 2015 sagte er etwa, er könne sich "nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden".
Auch in seiner Zeit als Gesundheitsminister von 2018 bis 2021 befürwortete er keine Gesetzesänderung. Zuletzt sprach sich die CDU im Februar 2026 in einem Parteitagsbeschluss für ein "uneingeschränktes Verbot" aus. Auch Spahn trug den Beschluss mit. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich privat längst dazu entschieden, per Leihmutterschaft ein Kind zu bekommen.
Lesch: Spahn hat "Riesenfehler" gemacht
Der Astrophysiker Harald Lesch nannte Spahns Verhalten am "Sonntags-Stammtisch" "parteischädigend" und urteilte: "Er hat einfach einen Riesenfehler gemacht." Lesch erinnerte auch an frühere Diskussionen um Spahn, der in der CDU "nicht ganz unumstritten" gewesen sei, etwa aufgrund der Masken-Affäre.
Lesch sah Spahns Entscheidung für eine Leihmutterschaft in einem größeren Kontext. Denn sie stehe für eine Welt, die neue Möglichkeiten biete und uns vor die Fragen stelle: "Sollen wir nicht lieber der Natur den Weg lassen? Oder greifen wir technologisch auch in solche elementare Lebensprozesse ein?" Das sei eine "schwierige Angelegenheit". Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU könne mit dem Thema Leihmutterschaft deshalb nicht so umgehen, als sei es etwas Persönliches.
Holetschek bekräftigt Verbot von Leihmutterschaft
Klaus Holetschek betonte am Sonntag, er sei gläubiger Christ und die Leihmutterschaft tangiere Dinge, die "auf das C der Partei" miteinzahlen würden. Holetschek sieht in der Leihmutterschaft die "Gefahr der Kommerzialisierung" von Leben. "Das hat schon viele auch in Wallung gebracht bei uns in der Partei." Er fürchtet, dass die Leihmutterschaft die Würde des Lebens beschädigen könnte: "Deswegen ist es richtig, dass die Leihmutterschaft verboten ist", bekräftigt er.
Holetschek plädiert zudem dafür, das Kind von Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke nicht zu vergessen. Bei allem, was politisch richtig gesagt wurde und auch wahr sei, sollte man die Debatte "mit einer gewissen Sensibilität" führen. Auch Christian Neureuther sagte am "Sonntags-Stammtisch", er hoffe, dass das Kind nicht ein Leben lang im Rampenlicht der Medien aufwachsen müsse.
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