Für die Hopfenpflanzer in der Hallertau geht es längst nicht mehr nur um die diesjährige Ernte. Der Klimawandel bedroht ihre Existenz. Dass Hopfenbauer Matthias Geltermeier dennoch zuversichtlich in die Ernte startet, hat viel mit der Arbeit des Hopfenforschungszentrums Hüll zu tun.
- Zum Artikel: "Wir schauen der Hopfenernte beim Vertrocknen zu"
Zuerst erntet der Schweitenkirchener die Sorte Hallertauer Mittelfrüh. Gezüchtet wurde die Sorte im Hopfenforschungszentrum. Und auch die Empfehlung für den Erntezeitpunkt hat Hopfenbauer Geltermeier aus dem Forschungszentrum bei Wolnzach in Oberbayern. Er zieht großen Nutzen aus der Arbeit der Experten und ist begeistert von ihrer Arbeit.
Hopfenforschung in Hüll: Warum das Zentrum so wichtig ist
Die Bedeutung des Forschungszentrums für die Branche ist groß: Rund 85 Prozent des in Deutschland angebauten Hopfens stammen von Sorten aus Hüll. Für viele Hopfenpflanzer ist die Arbeit der Forscher deshalb ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Entwicklung neuer klima- und krankheitsresistenter Sorten.
Existenzielle Bedrohungen kennt die Hallertau bereits. Vor rund 100 Jahren gefährdete die damals noch unbekannte Pilzkrankheit "Falscher Mehltau" den Hopfenanbau. Ihre Erforschung und Bekämpfung führte 1926 zur Gründung des Hopfenforschungszentrums Hüll auf Initiative der Brauer. Die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen und die Züchtung neuer Hopfensorten sind bis heute die Hauptaufgabe des Zentrums.
"Züchtung ist ein permanenter Wettlauf mit der Natur", sagt der Geschäftsführer des Hopfenforschungszentrums Walter König. Heute ist es vor allem der Klimawandel, der die Forscher beschäftigt.
Klimawandel: Neue Hopfensorten für Trockenheit und Hitze
Gesucht werden Pflanzen, die perfekt an die Trockenheit und Hitze des Klimawandels angepasst sind. Dafür werden Merkmale der Pflanzen verändert, zum Beispiel die Wurzeln. So wird der Wurzelstock der neuen Hopfensorten vergrößert, damit sie auch mehrere Wochen ohne Regen besser überstehen können.
"Wir züchten außerdem in Richtung eines sehr geringen Dolden-Reben-Verhältnisses. Das heißt, wir wollen wenig Pflanzmaterial, also wenig Blätter, wenig Stengel, aber viel Dolden, weil die am Schluss ja den Brauwert geben", sagt der gelernte Brauer König.
Weniger Blätter bedeutet weniger Verdunstung.
Rund 7.000 unterschiedliche Hopfenpflanzen wachsen im sogenannten "Kindergarten" – einem großen Gewächshaus des Forschungszentrums. Einige wenige Hopfensorten werden dann bis zur Marktreife gebracht – das dauert etwa 15 Jahre.
Wasserversorgung für den Hopfen: Forscher suchen neue Lösungen
Neue Sorten allein werden jedoch nicht reichen. Deshalb suchen Forscher in Hüll auch nach Wegen, mehr Wasser in der Region zu halten. Daran arbeitet eine Gruppe von Hydrogeologen der TU München. Sie sind Experten für das Grundwasser. Aus einem Regenrückhaltebecken in Hüll soll bei Starkregen zukünftig Wasser aufbereitet, gereinigt und dann, wenn die Qualität stimmt, in 26 Meter Tiefe über einen Brunnen wieder ins Grundwasser gepumpt werden.
Thomas Baumann, Hydrogeologe der TU München, will mit seiner Arbeit dazu beitragen, dass die Grundwasserstände wieder ansteigen. Durch ein Netz dieser Anlagen in der Hallertau könnte nach Ansicht der Forscher der Hopfen von höherem Grundwasser profitieren – und natürlich auch alle anderen Kulturen.
Neue Hopfensorten: Davon profitieren auch die Brauereien
Von der Forschung profitieren auch die Brauereien. In der Brauerei Müllerbräu in Pfaffenhofen arbeitet man mit dem Hopfenforschungszentrum in Hüll zusammen. Braumeister Alexander Büch braut bereits mit einem neuen Hopfen mit dem Namen "Tango". Diesen bauen sie in ihrem eigenen Hopfengarten an, den der Hopfenbauer Matthias Geltermeier für die Brauerei pflegt und betreut.
Der neue Hopfen "Tango" sei bereits klima- und krankheitsresistenter, sagt der Braumeister. Das sorge für Sicherheit in der Produktion der Biere. Getragen wird das Hopfenforschungszentrum Hüll von der Gesellschaft für Hopfenforschung und dem Freistaat Bayern. Ohne die dort entwickelten Sorten, sagen die Forscher, wären Deutschlands Hopfenpflanzer heute deutlich weniger wettbewerbsfähig.
Im Video: Hopfenernte und Forschung
In der Hallertau beginnt derzeit die Hopfenernte - und viele Landwirte rechnen wegen den Folgen des Klimawandels mit Einbußen.
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