Hopfenbauer Hans Ostler steht auf seinem Acker in Oberulrain bei Neustadt an der Donau. Geht es nach ihm, sollen auf 3,5 Hektar bald keine Kartoffeln mehr wachsen, sondern Donauwasser gespeichert werden: Eine Viertelmillion Kubikmeter soll das geplante Speicherbecken fassen.
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Über 50 Prozent Ernteausfall durch Trockenheit
Mit Hilfe des Donauwassers will Ostler künftig seinen gesamten Hopfen per Tröpfchenbewässerung vor dem Austrocknen schützen. Anders als in diesem Jahr: Seit Juni war es für den Hopfen zu heiß und zu trocken. Die Dolden sind winzig. Hans Ostler rechnet in manchen Hopfengärten mit einem Ernteausfall von über 50 Prozent.
Ziel: Ausreichend Wasser für die gesamte Hallertau
Ähnlich groß war die Trockenheit 2022 und 2018. Weil der Klimawandel die gesamte Hallertau betrifft, haben sich vor zwei Jahren 470 Hopfenpflanzer zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Tröpfchenbewässerung für alle Hopfengärten der Hallertau. Hinter dem Bewässerungsverband Hallertau stehen auch die fünf betroffenen Landkreise Pfaffenhofen, Kelheim, Freising, Landshut, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen und 52 Gemeinden. Die Projektfläche umfasst 12.000 Hektar.
Flusswasser bei hohen Pegelständen zwischenspeichern
Möglich machen soll die Bewässerung ein ausgeklügeltes System aus Entnahmestationen, Speicherbecken, Pumpstationen und Rohrleitungen. Kernstück sind dabei eine zweistellige Zahl an Becken, in die im Frühjahr – nach ausgiebigem Regen – Wasser aus Donau, Isar und Amper eingeleitet und gespeichert werden soll. In den heißen Monaten von Juni bis August, wenn der Hopfen Wasser braucht, können die Landwirte es nutzen.
In den Statuten des Bewässerungsverbands Hallertau ist festgeschrieben, dass den Flüssen "bei Niedrigwasser, wie derzeit, kein Liter entnommen" werden darf, betont Vorstand Johannes Stampfl. Zum Schutz vor Verdunstung könnten möglicherweise PV-Anlagen auf den Becken installiert werden.
Hohe Kosten für die Hopfenpflanzer
Das Projekt ist kostspielig: Jeder bewässerte Hektar wird wohl mit 25.000 bis 35.000 Euro zu Buche schlagen. Landwirt Ostler, der auch im Vorstand des Bewässerungsverbands ist, hält das für eine hohe, aber gute Investition: "Bei hohen Ernteausfällen fehlen schnell 8.000 Euro pro Hektar. Schon nach vier trockenen Jahren ist die Investition wieder drin!"
Ob und in welcher Höhe der Freistaat die Hopfenpflanzer unterstützt, ist noch nicht ausgemacht. Die Planungskosten in Höhe von 19 Millionen Euro übernimmt das Umweltministerium zur Hälfte.
Pilotprojekt im Nordwesten der Hallertau
Am weitesten ist das Bewässerungsprojekt im Norden der Hallertau, rund um Neustadt an der Donau. Während andernorts noch geplant wird, läuft hier bereits das Genehmigungsverfahren. Im Frühjahr 2027 erwartet der Verband grünes Licht für die Bauphase. Das Pilotgebiet umfasst gut tausend Hektar, auf denen Hans Ostler und rund 40 weitere Hopfenpflanzer ihre Hopfengärten haben. Wenn alles wie geplant läuft, wollen sie 2029 ihren Hopfen mit Donauwasser aus sechs Speicherbecken vor der Trockenheit bewahren.
Bewässerung soll Kulturlandschaft erhalten
Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) steht hinter dem Projekt, weil für ihn "die Hopfenpflanzer die Heimat prägen und wichtige Steuerzahler sind". Verbandschef Stampfl sieht ohne das Bewässerungskonzept die Zukunft des Hopfenanbaus bedroht. Die gesamte Hallertau leide "in immer kürzeren Abständen unter Hitze und Trockenheit".
Oberflächenwasser statt Grundwasser
Schon heute werden laut Verband 20 Prozent der Hopfenanbaufläche in der Hallertau bewässert – in der Regel mit Grundwasser. Auch Hans Ostler bewässert fünf von insgesamt 70 Hektar Hopfen über einen Brunnen. Das soll sich mit dem Bewässerungsprojekt ändern. Oberflächenwasser statt Grundwasser, lautet die Devise des Verbands.
Kritik vom Bund Naturschutz
Kritik am Bewässerungsprojekt kommt vom Bund Naturschutz. Landwirtschaftsreferentin Rita Rott bezeichnet es als "beinahe grotesk, wenn wir Bewässerungssysteme nutzen wollen, um Wasser aus den Flüssen in der Landschaft zu verteilen". Schließlich sei aktuell die "Landschaft darauf ausgelegt, dass das Wasser schnellstmöglich in den Flüssen landet und abgeleitet wird. Das Gegenteil wäre der Idealfall." Das Gebot der Stunde sei "Bodenaufbau statt Flucht in die großtechnische Bewässerung".
Dem widerspricht Hans Ostler. Er verweist darauf, dass er seit vielen Jahren Humusaufbau betreibe und dafür extra eine Zusatzausbildung absolviert habe. Allerdings würde die Trockenheit auch das zunichte machen. Die Hopfenpflanzer in der Hallertau sind sich sicher: Ohne Bewässerung geht es langfristig nicht – zumindest nicht wirtschaftlich.
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