Lukas Birle ist Hühnerfan seit Kindertagen. Heute baut der junge Unternehmer aus Ursberg mobile Hühnerställe, sogenannte "Chicken Trailer", die regelmäßig auf eine neue Wiese umgesetzt werden können. Für die Produktion seiner Ställe hat Birle eine insolvente Firma in der Nachbarschaft übernommen: den Traditionsbetrieb Fluhr in Fischach, der seit fast 100 Jahren Produktaufsteller und Postkartenständer herstellt. Die vorhandenen Maschinen, das Know-how und die erfahrenen Fachkräfte nutzt er seit Jahresanfang nun für seine Hühnerställe und führt so den Standort weiter. Von den 39 Arbeitsplätzen konnten 31 erhalten werden.
Birle sieht in der Übernahme einen wichtigen Schritt für sein Unternehmen: "Für uns ist der positive Zug, dass wir unsere Fertigungstiefe erhöhen können, eigene Produkte in Zukunft selber fertigen können. In der Vergangenheit waren wir hier abhängig von Zulieferern und hier möchten wir einfach in Zukunft die Produkte selber machen, unser eigener Zulieferer werden." Deshalb sei er glücklich über die "Truppe", die er übernehmen durfte. "So kann es weitergehen."
Firmeninsolvenzen in Bayern nehmen zu
Der Fall aus Schwaben steht vor einem Hintergrund, der vielen Unternehmen Sorgen macht: In Bayern steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen. Für das erste Halbjahr schätzt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit rund 1.780 Unternehmenspleiten. Das seien 6,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Betroffen seien große wie kleine Unternehmen aus vielen Branchen: vom Bau über Gastronomie und Industrie bis zu Fuhrbetrieben. Häufig fehlten Aufträge, gleichzeitig belasteten stark gestiegene Energie- und Rohstoffpreise die Betriebe. "Es ist deutlich, wir merken das auch, also durch die Anzahl der Aufträge, die wir bekommen vom Insolvenzgericht", stellt Insolvenzverwalter Matthias Räupke der Kanzlei Schneider, Geiwitz und Partner fest. Aus Sicht der IHK Schwaben spiegelt der Anstieg die weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wider. Viele Unternehmen ständen unter Druck durch schwache Nachfrage, hohe Energie-, Arbeits- und Standortkosten, zeitweise höhere Finanzierungskosten sowie eine insgesamt verhaltene Investitionstätigkeit.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern weise Bayern mit rund 60 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen eine der niedrigeren Insolvenzquoten in Deutschland auf. Auch das Plus von 6,6 Prozent läge unter dem Bundesdurchschnitt von 7,8 Prozent.
Krise als Chance
Insolvenzverwalter Räupke rät Unternehmen, bei Anzeichen einer Schieflage nicht den Kopf in den Sand zu stecken und unangenehme Entscheidungen nicht aufzuschieben. Wer Verluste dauerhaft nur über neue Kredite finanziere, ohne das Geschäftsmodell anzupassen, verschärfe die Krise meist.
Das Beispiel von Lukas Birle zeige, wie eine Insolvenz auch zum Neustart werden könne. In Fischach bedeutet das: gerettete Arbeitsplätze, ein fortgeführter Traditionsbetrieb und Hühnerställe, die inzwischen europaweit, etwa bis nach Norwegen und Tschechien verkauft werden.
Im Video: Hühnerstall-Firma übernimmt insolventes Traditionsunternehmen
Hühnerstall-Firma übernimmt insolventes Traditionsunternehmen
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

