Egal ob Graugans, Kanadagans oder Nilgans: Wildgänse sorgen oft für Ärger. Sie fressen Felder ab und verschmutzen mit ihrem Kot Ufer und Gewässer. Die Nilgans breitet sich in Bayern derzeit noch schneller aus als die anderen Wildgans-Arten. Das sieht man an den Abschusszahlen: Im Jagdjahr 2015/16 haben die Jäger in Bayern 954 Nilgänse geschossen, 2024/25 bereits 5.131 Nilgänse.
Nilgänse bedrängen Stockenten
Nilgänse verhalten sich besonders aggressiv. Sie greifen gerade in der Brutzeit oft Stockenten an. Mit dem Ergebnis, dass die Stockenten manchmal ihre Brut aufgeben oder gar nicht erst brüten. Außerdem besetzen sie zum Beispiel die Nistplätze von Schleiereulen und Wanderfalken. Wie andere Wildgänse fressen sie Gras, Getreide, Mais, Raps und Gemüse, zusätzlich auch gern kleine Würmer und Heuschrecken.
Natürliche Feinde haben sie kaum, deswegen liegt es an den Jägern, die Nilgänse zu dezimieren. Martin Eggert von den Bayerischen Staatsforsten in Weißenhorn im Landkreis Neu-Ulm hat beobachtet, dass in seinem Revier die Jagdstrecken der Nilgänse in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben, während die Anzahl der geschossenen Stockenten zurückgegangen ist.
Geräucherte Brust oder im Chili con Carne
Ausgewachsene Nilgänse wiegen rund zwei Kilo, sie sind deutlich leichter als Kanada- und Graugänse. Doch wohin mit den toten Tieren? Eggert hat schon einige gegessen: mal gebraten, mal geräuchert oder als Hackfleisch im Chili con Carne. Der Forstbetrieb in Weißenhorn hat einen Wildbret-Verkauf. Allerdings: Während Wildschwein und Reh küchenfertig vermarktet werden, gib es Wildgeflügel zwar ausgenommen, aber mit den Federn. Man muss die Nilgänse also selbst rupfen.
Rupfen, Dämpfen, Grillen: Nilgans wird zum Gänsebraten
Michael Blum, der Wirt von der Alten Roggenschenke in Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm, hat probiert, ob sich Nilgänse als Martinsgans eignen. Er hat zwei Nilgänse gebrüht, mit der Hand gerupft und dann knapp zwei Stunden im Kombidämpfer gegart. Nach dem Dämpfen legt er sie noch ein paar Minuten unter den Grill. Zur Gans gibt es Semmelknödel und Blaukraut.
Die Nilgans kann von der Größe her mit einer Hausgans nicht mithalten. Die Keulen und die Brust sind viel kleiner und darüber hinaus ist nicht viel dran. Gerade richtig für zwei Personen. Das Fleisch ist so dunkel wie anderes Wildfleisch und sehr mager.
Michael Blum und seine Frau Ramona sind sich einig: Die Wirtsleute finden das Fleisch sehr zart und die Menge gerade richtig. Blum kann sich vorstellen, bei bestimmten Veranstaltungen im Winter künftig eine halbe gebratene Nilgans anzubieten. Die Sache hat allerdings einen Haken: Der Wirt hat eigentlich keine Zeit zum Nilgänse rupfen.
Nilgans in der Rupfmaschine?
Der Jagdverein Gunzenhausen hat eine Rupfmaschine. Die hat ihm die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Das Ziel: Die Jäger sollen zum Beispiel am Altmühlsee mehr Wildgänse schießen und vermarkten. Doch die Rupfmaschine wird nach Auskunft des Jagdvereins kaum genutzt. Denn man brauche mindestens 15 Wildgänse auf einmal, damit man mit der Rupfmaschine schneller sei als von Hand, weil das Bereitstellen und Reinigen der Maschine recht aufwändig sei.
Und es gibt noch eine Herausforderung: Wildvögel, die man mit einer herkömmlichen Nassrupfmaschine rupfen will, dürfen nicht kalt werden. Man muss sie möglichst noch warm brühen und dann in die Maschine geben, so der Rat eines Rupfmaschinen-Verkäufers. Kühlt der Vogel aus und wird danach erst gebrüht, leide die Fleischqualität.
Zum Video: Invasive Nilgans überall in Bayern verbreitet
Invasive Nilgans
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