Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) bildet Superkolonien mit Hunderttausenden oder auch Millionen von Tieren: Die eingeschleppte Ameisen-Art breitet sich in Deutschland aus, etwa in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Für Bayern liegen nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) Einzelnachweise aus Hösbach im Landkreis Aschaffenburg und aus der Stadt Nürnberg vor.
"Die Arten besiedeln bislang meist stark menschlich geprägte Lebensräume wie wärmebegünstigte Siedlungsbereiche, Weg- und Straßenränder, Friedhöfe, Parkplätze und Parks oder anderweitig durch Eingriffe gestörte Flächen", sagte ein LfU-Sprecher BR24. Die Tiere unterhöhlen Bürgersteige und Spielplätze, richten Schäden an Gehwegen an oder nisten in Stromkästen.
Fundorte oft rund um Gartencenter
"Oft liegen die Fundorte in räumlicher Nähe zu Gartencentern, Baumschulen und Industriegebieten, da die Arten vor allem über den Import von Pflanzen eingeschleppt und den Transport von Erde verschleppt werden", so der LfU-Sprecher.
Eine Gesundheitsgefahr für Menschen besteht nicht. Allerdings könnte die aus dem Mittelmeerraum stammende Art heimische Arten verdrängen. Tapinoma magnum gilt laut Umweltbundesamt als "potenziell invasive Art" und wird auf der nationalen Beobachtungsliste (externer Link) geführt. Betroffene Kommunen testen bisher unterschiedliche Methoden im Kampf gegen die Plage wie 95 Grad heißes Wasser oder auch ein Ködergel. Die eine Lösung scheint es bisher nicht zu geben.
Die Stadt Kehl in Baden-Württemberg (Link zu tagesschau.de), wo die Krabbler schon für Strom- und Internetausfälle gesorgt haben, ruft inzwischen die Bevölkerung zur Mithilfe (externer Link) auf. Der dortige Umweltbeauftragte empfiehlt, Pflanzen an den Wurzelballen auf einen Ameisenbefall hin zu kontrollieren, ehe sie im Garten eingesetzt werden.
Heimische oder eingeschleppte Art - Tipps zum Erkennen
So können Sie erkennen, ob sich rund um Ihr Haus die eingeschleppte Art breitmacht – oder ob es sich um eine der etwa 90 anderen Ameisenarten (externer Link) handelt, die in Bayern bekannt ist.
Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (externer Link) hat Tipps zum Erkennen der Großen Drüsenameise zusammengestellt:
Farbe und Größe: Tapinoma magnum ist schwarz gefärbt. Die Arbeiterinnen – das sind die Ameisen, die außerhalb des Nests herumlaufen – sind zwischen zwei und fünf Millimeter groß. Auffällig ist, dass Arbeiterinnen – anders als bei heimischen Arten – verschieden groß sind.
Körperbau: Ein wichtiges Erkennungsmerkmal bei Ameisen ist der Knoten zwischen Vorder- und Hinterleib. Bei der Großen Drüsenameise ist dieser Knoten flach und vom Hinterleib verdeckt.
Verhalten: Im Sommer bildet Tapinoma magnum – anders als heimische Arten – breite, mehrspurige Ameisen-"Autobahnen". Bei Störung kommen schnell sehr viele Arbeiterinnen aus dem Boden. Rund um Nesteingänge findet sich ein auffälliger Auswurf von Erde und Sand.
Geruch: Wird die Große Drüsenameise gereizt oder zerdrückt, verströmt sie einen intensiven Geruch. Das Umweltbundesamt (externer Link) beschreibt den Geruch als zitronig, ranzig, nach Aceton.
Eine Grafik, die die Bestimmung noch erleichtern könnte, finden Sie bei NABU|naturgucker (externer Link). Allerdings räumt das LfU ein: "Die Bestimmung von Ameisen ist für Laien schwierig. Zur sicheren Bestimmung müssen in der Regel Fachleute konsultiert werden." So gibt es zum Beispiel auch Schuppenameisen, die ebenfalls einen schwarzen Körper haben und im Siedlungsbereich zu finden sind.
Gemeinde Schutterwald bei Offenburg (31.03.2025): Rund um Nesteingänge findet sich ein auffälliger Auswurf von Erde und Sand.
Wer sich unsicher ist, kann Fotos von den Ameisen machen. Locken Sie dafür die Ameisen mit Zuckersirup auf ein Blatt Papier, das Sie nah an einem Nesteingang oder einer Ameisenstraße platzieren, und legen Sie zur Größenbestimmung ein Lineal auf das Blatt. So lassen sich Fotos aus verschiedenen Perspektiven machen, um die Krabbler genauer betrachten zu können.
Tapinoma-Forschungsprojekt und Meldeplattform
Treffen die oben genannten Kriterien nicht zu, handelt es sich wahrscheinlich um eine der heimischen Arten. Übrigens steht laut LfU über die Hälfte der etwa 90 Ameisenarten in der "Roten Liste gefährdeter Ameisen Bayerns" (externer Link). Heimische Ameisen sind wichtig für das Ökosystem: Sie verbessern den Boden, regulieren Schädlinge, räumen tote Tiere und Pflanzenteile weg und dienen als Nahrung für Tiere. "Deshalb sollten Bekämpfungsversuche nicht ohne fachliche Abstimmung unternommen werden", betont das LfU.
Weitere Infos
In Bayern gibt es laut LfU kein amtliches Meldeportal für Ameisen. Es gibt aber auf der Seite des Naturkundemuseums Stuttgart ein Tapinoma-Forschungsprojekt (externer Link) mit weiteren Infos und einem Meldeportal.
Mögliche Ansprechpartner:
- Landratsämter und kreisfreie Städte: Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege
- Deutsche Ameisenschutzwarte e. V.: www.ameisenschutzwarte.de
- Gartentelefon der Bayerischen Gartenakademie: www.lwg.bayern.de
Zum Video: Massive Schäden drohen - Neue Ameisenart wandert in Bayern ein
Im Raum Aschaffenburg breitet sich die Große Drüsenameise immer weiter aus. Diese können wichtige Infrastruktur zerstören.
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