Öltanker im Persischen Golf
Öltanker im Persischen Golf
Bild
Öltanker im Persischen Golf in der Nähe von Bandar-e Asaluyah
Bildrechte: picture alliance / Middle East Images | Sam
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Middle East Images | Sam
Audiobeitrag

Öltanker im Persischen Golf in der Nähe von Bandar-e Asaluyah

Audiobeitrag
>

Iran sperrt Straße von Hormus: Folgen für Öl- und Spritpreise

Iran sperrt Straße von Hormus: Folgen für Öl- und Spritpreise

Die Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den USA treibt die Ölpreise auf den höchsten Stand seit Monaten. Hintergrund ist die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran. Welche Folgen hat das für die bayerische Wirtschaft?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Täglich transportieren Tankschiffe rund 17 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus – etwa ein Fünftel der weltweiten Produktion. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) spricht von einer "Schlagader des weltweiten Handels". Diese Ader ist durch die Sperrung durch den Iran nun verstopft. Nach der Sperrung der Schiffsroute kommt das Öl der Region nicht mehr, oder nur auf Umwegen, auf den Weltmarkt. Viele Tanker müssen in den Häfen bleiben. Vor den Häfen der Vereinigten Arabischen Emirate stauen sich Tankschiffe, Satellitenbilder zeigen wartende Frachter.

Bildrechte: dpa, BR
Bildbeitrag

Die Straße von Hormus zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran.

Spritpreise in Bayern steigen

Die Auswirkungen sind bereits an bayerischen Tankstellen spürbar. Am Montag lag der Durchschnittspreis für Super bei 1,87 Euro pro Liter, Diesel kostete im Schnitt 1,79 Euro.

"Stand heute ist klar, dass unsere Ölpreise und mittelbar auch unsere Gaspreise steigen werden - in welchem Ausmaß ist nicht abschätzbar", sagt vbw-Hautgeschäftsführer Bertram Brossardt. Entscheidend sei, wie lange die Krise andauere.

Höhere Benzinpreise, aber Versorgung mit Öl und Gas wohl gesichert

Auch auf Bundesebene wächst die Sorge vor wirtschaftlichen Folgen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt vor zusätzlicher Unsicherheit und sichtbaren Preisaufschlägen auf den Märkten.

Zugleich betont sie: Die Öl- und Gasversorgung Deutschlands sei nicht unmittelbar gefährdet. Deutschland bezieht Erdgas vor allem per Pipeline aus Norwegen und Belgien sowie als Flüssiggas aus den USA und Kanada. Wichtigste Öllieferanten sind Kasachstan, Norwegen und die USA.

Bayern importiert nur wenig Öl und Gas aus der Region

Auch die vbw betont, die Bundesrepublik habe ihre Bezugsquellen für Energie in den vergangenen Jahren diversifiziert. "Der Schock wird nicht ganz so groß sein, wie er vor 20 oder 30 Jahren gewesen wäre", so Brossardt.

Auch Bayern importiert nur vergleichsweise wenig Öl und Gas direkt aus der Golfregion. Laut vbw importiert Bayern Erdöl und Erdgas vor allem aus Kasachstan, Libyen und den USA. Dennoch bleibt auch Bayern von den weltweiten Preissteigerungen nicht verschont.

Im Video: Krieg in Nahost - Folgen für deutsche Wirtschaft

Krieg in Nahost - Folgen für deutsche Wirtschaft
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
Videobeitrag

Krieg in Nahost - Folgen für deutsche Wirtschaft

Risiken für Logistik und Luftverkehr

Neben steigenden Energiepreisen bereiten der Wirtschaft vor allem mögliche Störungen der Lieferketten Sorgen. So werden über die Straße von Hormus beispielsweise Grundstoffe für die deutsche Chemieindustrie transportiert. Über die Golfstaaten laufen wichtige Handelsströme – sowohl zur See als auch in der Luft. Fällt diese Logistikdrehscheibe teilweise aus, könnten Waren auf den Routen zwischen Europa und Asien verspätet oder gar nicht ankommen.

Ein zentrales Drehkreuz ist der Hafen von Dubai, einer der größten Containerhäfen weltweit. Dort wurden im Jahr 2024 15,5 Millionen Container umgeschlagen, doppelt so viele wie in Hamburg. Mit der Sperrung der Seestraße und nach Drohnenangriffen ist diese Logistikdrehscheibe nun aber weitgehend lahmgelegt.

Lieferketten für Bayern in Gefahr

Ähnliches gilt für den Luftverkehr. In der Region gibt es große Flughäfen wie in Dubai, Doha oder Abu Dhabi. Doch mit dem Krieg im Iran starten von dort kaum noch Flugzeuge. Große Airlines wie Emirates, Qatar Aiways und Etihad transportieren zeitkritische Fracht – etwa Medikamente oder Halbleiter – über ihre Drehkreuze am Golf. Kommt es dort zu Einschränkungen, fehlen kurzfristig Kapazitäten.

"Erhebliche Sorgen haben wir unabhängig vom Energiepreis bei der Logistik", sagt Brossardt. Viele Lieferketten gerieten durcheinander. Für die bayerische Wirtschaft bleibe zu hoffen, "dass es ein möglichst kurzfristiger Effekt bleibt".

Karte zur militärischen Lage im Nahen Osten

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!