Wer jetzt im Winter die Sonne sucht, den zieht es oft nach Asien. Ein beliebter Zwischenstopp etwa bei Reisen nach Thailand sind die großen Flughäfen am Persischen Golf wie in Dubai, Doha oder Abu Dhabi. Doch mit dem Krieg im Iran starten von dort kaum noch Flugzeuge. Tausende Menschen sind deshalb seit Samstag in den Golfemiraten gestrandet. Hinzukommt, dass mit der iranischen Sperrung der Meerenge von Hormus auch keine Kreuzfahrtschiffe mehr den Persischen Golf verlassen können.
Vereinigte Arabische Emirate stellen Unterkünfte und Verpflegung
Insgesamt hängen so aktuell rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern fest. Airports und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt zufolge bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten.
In einem BR24live sprechen wir mit einem Experten für Reise- und Luftverkehrsrecht über die Lage der Reisenden, die an einem Flughafen im Nahen Osten festsitzen oder in den nächsten Tagen eine Reise in die Region planen. Das Video finden sie über diesem Text.
Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen bereitgestellt. Außerdem wollen die Vereinigten Arabischen Emirate "alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere" übernehmen, teilte die Behörde mit.
Bundesregierung rechnet nicht mit baldiger Entspannung der Lage
Auch Reiseanbieter kümmern sich eigenen Angaben zufolge um ihre Gäste, vor allem vor Ort durch Reiseleiter. Der Veranstalter "Dertour" etwa hat zudem eine Krisenhotline eingerichtet - für festsitzende Reisende in Nahost wie auch für von Flugabsagen Betroffene weltweit. "Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort", heißt es auf der Website.
Wie lange dieser Ausnahmezustand anhält, lässt sich momentan nicht seriös einschätzen. "Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Caren Miosga". Nach Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.
Außenminister Wadephul: Reisende tragen eigene Verantwortung
Von der Bundesregierung scheinen die Gestrandeten bis auf Weiteres keine Hilfe erwarten zu können. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte gestern erklärt, dass man die deutschen Urlauber nicht ausfliegen könne, es seien zu viele und der Luftraum gesperrt. Außenminister Wadephul ergänzte in der ARD, dass sein Ministerium schon "seit sechs Wochen" vor Reisen in die Region gewarnt habe. Eine amtliche Reisewarnung liegt jedoch erst seit vergangenem Samstag vor - also dem Tag des Angriffs auf den Iran.
Wadephul unterstrich zugleich, Reisende trügen auch eine eigene Verantwortung für ihre Sicherheit: "Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte." Stattdessen setze die Bundesregierung auf Informationsangebote und konsularische Unterstützung. "Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein."
Grünen-Politiker Nouripour: Hilfe ist "staatliche Aufgabe"
Die Grünen werfen dagegen der Bundesregierung vor, sich nicht ausreichend um deutsche Staatsangehörige zu kümmern. Der frühere Parteichef Omid Nouripour verwies darauf, dass die Bundesregierung die Pflicht habe, deutschen Staatsbürgern auch in einer solchen Lage zu helfen. "Das ist staatliche Aufgabe."
Er forderte das Auswärtige Amt auf, Ausreisen auf dem Landweg zu organisieren, zu noch geöffneten Flughäfen in der Region. Es könne nicht sein, dass sich deutsche Touristen jetzt mit russischen Touristen in Dubai darum prügeln, wer welches Auto mieten kann, damit man mit welchem Visum auch immer über den Landweg nach Riad in Saudi-Arabien kommen kann, kritisierte Nouripour in der ARD.
Reiseverband rät von Ausreise auf eigene Faust ab
Der Deutsche Reiseverband (DRV) betonte, "Veranstaltergäste sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden folgen sowie dringlichst in ihrem gebuchten Hotel bleiben und sich nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben."
Das Auswärtigen Amt hat derweil erneut darauf hingewiesen, sich in die Krisenvorsorgeliste "Elefand" einzutragen. Mit den dort hinterlegten Daten könne eine Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten. "Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind", so eine Sprecherin. Bis zum Sonntag hat sich den Angaben zufolge eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion in der Krisenvorsorgeliste registriert.
Mit Informationen von dpa.
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