Keine Zuckersteuer für Cola Zero und andere Getränke mit Süßstoff. Das hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) klargestellt. Während Deutschland Süßstoffe von einer möglichen Zuckersteuer ausnehmen will, besteuern andere Länder auch süßstoffhaltige Getränke. Zu Recht? Und ist die Alternative gesünder als Zucker?
Ist Süßstoff weniger schädlich für den Körper?
Süß genießen - ohne Zucker. Das versprechen Süßstoffe. Sie stecken heute in vielen Produkten, von Light-Getränken über Kaugummis bis hin zu Joghurts. Sie sollen den gewohnten süßen Geschmack liefern, dabei weniger oder kaum Kalorien enthalten und so eine gesündere Ernährung unterstützen. Doch wie gesund sind sie wirklich?
Laut dem Ernährungsmediziner und Stoffwechselexperten Dr. Tim Hollstein sind Süßstoffe gesundheitlich meist die bessere Wahl als Zucker. "Sie liefern keine relevanten Kalorien und erhöhen den Blutzucker nicht wie ein zuckerhaltiges Getränk." Einzelne Studien zeigen Veränderungen im Darmmikrobiom oder in der Glukosereaktion. "Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und belegen weder eine dauerhafte Darmschädigung noch eine Hirnschädigung", betont Dr. Tim Hollstein. Für zugelassene Süßstoffe gibt es bei üblichen Verzehrmengen derzeit keinen belastbaren Nachweis einer generellen Gesundheitsschädigung.
Süßstoff ist krebserregend – ein Mythos?
Süßstoffe gelten als beliebte Alternative zu Zucker. Dennoch hält sich das Gerücht, sie könnten Krebs verursachen. "Für zugelassene Süßstoffe ist bei üblicher Aufnahme kein kausales Krebsrisiko nachgewiesen", erklärt der Ernährungsmediziner Dr. Hollstein.
Besonders häufig wird der Süßstoff Aspartam diskutiert. Zwar stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) (externer Link) ihn 2023 als "möglicherweise krebserregend" ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass normale Verzehrmengen tatsächlich Krebs verursachen. "In derselben Kategorie befinden sich auch Extrakte aus Aloe-Vera-Blättern und hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie beim Mobilfunk auftreten", betont Dr. Tim Hollstein.
Ist die "Süßprägung" von Kindern ein Problem bei Süßstoff?
Wer regelmäßig sehr süße Lebensmittel oder Getränke konsumiert, gewöhnt sich an den Geschmack. Bei der sogenannten Süßprägung werden weniger süße Lebensmittel oft als weniger attraktiv wahrgenommen.
Die Verbraucherzentrale Bayern sieht darin besonders für Kinder ein wichtiges Thema. "Ob die Süße vom Zucker oder vom Süßstoff kommt, macht für die Geschmackserfahrung zunächst einmal wenig Unterschied: Süß bleibt süß." Deshalb empfiehlt sie, Zucker nicht einfach durch Süßstoffe zu ersetzen. Dr. Tim Hollstein sieht die Studienlage differenzierter. "Babys scheinen erstmal generell eine Vorliebe für Süßes zu haben. Im späteren Leben werden dann vor allem Gewohnheiten erlernt, die die Süßpräferenz beeinflussen. Inwieweit Süßstoffe da eine Rolle spielen, ist noch nicht klar."
Unabhängig davon gilt: Wasser und ungesüßte Getränke sollten für Kinder die erste Wahl sein.
Ist Süßstoff gleich Süßstoff?
Aspartam, Acesulfam K, Cyclamat, Saccharin und Sucralose sind die am häufigsten verwendeten Süßstoffe. Da sie sich in ihrer Wirkung und Verarbeitung im Körper unterscheiden, lässt sich die Gesundheit von Süßstoffen nicht pauschal bewerten. Bei Sucralose gibt es beispielsweise offene Fragen zur starken Erhitzung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (externer Link) empfiehlt daher vorsorglich, sucralosehaltige Lebensmittel nicht über 120 Grad Celsius zu erhitzen.
Auch bei Light- und Zero-Getränken gibt es Unterschiede. "Light" bedeutet, dass ein Produkt mindestens 30 Prozent weniger eines bestimmten Nährstoffs enthält. "Zero" ist dagegen vor allem eine Produktbezeichnung. Unterschiede liegen meist eher in den verwendeten Süßstoffen und Aromen als im Namen selbst, erklärt Dr. Tim Hollstein.
Zuckersteuer für süßstoffhaltige Lebensmittel - ist das berechtigt?
Während sich Großbritannien und Irland bei ihrer Zuckersteuer vor allem am Zuckergehalt orientieren, beziehen Länder wie Frankreich und Polen auch süßstoffhaltige Getränke mit ein.
Dr. Tim Hollstein bewertet das kritisch. "Für die Annahme, dass eine zusätzliche Besteuerung von Zero-Getränken die Gesundheit stärker verbessert, gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis." Eine steuerliche Gleichbehandlung von Zero- und zuckerhaltigen Limonaden würde aus seiner Sicht den gesundheitlich sinnvollen Wechsel zur zuckerfreien Variante unattraktiver machen.
Die Verbraucherzentrale Bayern sieht die Frage etwas anders. Eine solche Abgabe kann sinnvoll sein, wenn die allgemeine Gewöhnung an sehr süße Geschmäcker verringert werden soll. "Das Ziel sollte sein, Getränke insgesamt weniger süß zu machen. Eine Abgabe kann dafür Anreize schaffen und Hersteller dazu bewegen, neue Rezepturen zu entwickeln."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
