Wegen zweier Bäume auf seinem Grundstück im oberbayerischen Bad Wiessee stand Uli Hoeneß am Donnerstag in München vor Gericht. Der FC-Bayern-Ehrenpräsident war von seinem Nachbar verklagt worden. Eine gütliche Einigung scheiterte. Auch der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann geriet schon in die Schlagzeilen, in seinem Fall wegen einer etwas unkonventionellen Methode der Konfliktaustragung: Er rückte vor einigen Jahren mit der Kettensäge im Nachbargrundstück in Starnberg an, weil ihm dort angeblich ein Dachbalken die Sicht beeinträchtigte. Nicht nur Ex-Fußballer haben Zoff mit ihren Nebenbewohnern.
München vor Nürnberg und Rosenheim
785 Fälle von Nachbarschaftsstreitigkeiten landeten im vergangenen Jahr vor bayerischen Amtsgerichten. Das gab das bayerische Justizministerium am Freitag bekannt. Bei 48 weiteren Verfahren gab es demnach Berufungsverfahren vor Landgerichten.
Spitzenreiter bei den Nachbarschaftsstreitigkeiten in absoluten Zahlen ist das Amtsgericht München mit 57 neuen Verfahren. Dahinter folgen Nürnberg mit 34 und Rosenheim mit 29 Verfahren.
Bayern ist nach einer repräsentativen Umfrage der Versicherung Allianz Direct das Flächenland mit den meisten Nachbarschaftsstreitigkeiten in Deutschland. Fast 58 Prozent der Befragten hatten demnach schon einmal Ärger mit dem Nachbarn.
Justizminister-Appell: Gespräch am Gartenzaun suchen ...
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) appellierte, bei Streitigkeiten zunächst in den persönlichen Dialog zu gehen. Das wirksamste Mittel, um eine Eskalation zu vermeiden, sei immer noch ein klärendes Gespräch am Gartenzaun, so Eisenreich. Zudem sei in Bayern bei klassischen Nachbarschaftsstreitigkeiten wie etwa Lärmbelästigung oder Gartenbepflanzung vor dem Gang zum Gericht eine außergerichtliche Streitschlichtung gesetzlich vorgeschrieben.
... in Gemünden am Main klappt das offenbar
Das beste Nachbarschaftsverhältnis in Bayern gibt es offenbar im unterfränkischen Gerichtsbezirk Gemünden am Main – dort landete 2025 kein einziger Fall vor Gericht. Bürgermeister Andreas Wirth (CSU) zeigte sich auf Anfrage von BR24 erfreut, dass "unser gesamter Landkreis aus der Statistik im positiven Sinne heraussticht". Das zeige, dass "bei uns" das persönliche Gespräch noch einen sehr hohen Stellenwert habe. Wenn es gelinge, "Verständnis füreinander aufzubringen und auch ohne gerichtliche Unterstützung einen Kompromiss zu finden, ist das super", so Wirth.
So ganz repräsentativ war das vergangene Jahr aber wohl nicht: "Dass im Jahr 2025 keine Nachbarschaftssache beim Amtsgericht Gemünden am Main erfasst wurde, ist eine Ausnahme", teilte die Pressestelle des Amtsgerichtes Gemünden mit. In den letzten Jahren hätten sich die erfassten Fallzahlen im ein- bis unteren zweistelligen Bereich bewegt. "Auch in diesem Jahr sind bereits einige Nachbarschaftsstreitigkeiten beim Amtsgericht Gemünden am Main eingegangen", hieß es weiter.
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