Das italienische Bahnunternehmen Italo will ab 2028 in Deutschland Fernverkehrsfahrten anbieten, unter anderem auf den Strecken München–Frankfurt–Köln–Dortmund und München–Berlin–Hamburg. Italo-Chef Gianbattista La Rocca wirbt mit mehr Pünktlichkeit, besserem Internet und günstigeren Tickets. Für die Deutsche Bahn ist Italo wohl eher unerwünschte Konkurrenz – und es werden Warnungen laut, dass einige bayerische Städte ihre ICE-Anbindung verlieren könnten.
Mehr Wettbewerb könnte Preise senken
Marco Kragulji vom Fahrgastverband ProBahn Bayern sieht den Italo-Einstieg erst einmal positiv. Mehr Wettbewerb heißt mehr Konkurrenz, also muss jedes Bahnunternehmen besser werden: "Die Preise können dadurch für die Fahrgäste natürlich auch sinken und sinkende Preise sind für Fahrgäste genau das, was sie sich erhoffen."
ICE-Halt in Bamberg und Augsburg könnte wegfallen
In der Theorie hört sich das Vorhaben des privaten italienischen Bahnkonzerns also vielversprechend an. Es gibt aber einen Haken: Nach einer Analyse der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) würden bei mindestens 16 Städten in Deutschland die ICE-Halte wegfallen. Darunter zum Beispiel Bamberg und Augsburg. Und es könnte noch schlimmer kommen, warnt der Vorsitzende der EVG, Martin Burkert: "Wenn der Wettbewerb hart kommt, dann sind 100 Bahnhöfe betroffen."
Der Pro-Bahn-Sprecher für Schwaben, Errol Yazgac, schließt sich der Analyse der EVG an. Aus seiner Sicht wären Städte wie Augsburg, Ingolstadt und Bamberg betroffen, die ohnehin schon weniger Fernverkehrshalte hätten.
Kleinere Städte sind weniger lukrativ
Der Gedanke dahinter: Wenn Italo auf den lukrativen Sprinterstrecken Fahrgäste von der Deutschen Bahn abziehe, hätte die Bahn weniger Einnahmen. Pro-Bahn-Sprecher Yazgac erläutert: "Wenn der neue Anbieter Italo sich die Sahnehäubchen rausgreift und die attraktiven Strecken der Bahn abjagen kann, hat die Bahn auf ihren gut ausgelasteten Verbindungen weniger Einnahmen und kann die schwächer ausgelasteten Verbindungen nicht mehr quersubventionieren und müsste damit Angebotskürzungen vornehmen." Denn Privatunternehmen gingen immer nach Gewinn. Kleinere Städte seien eben nicht so lukrativ.
Die Deutsche Bahn könne, so die EVG, solche kleineren Städte nur anfahren, weil sie sie mit den gewinnbringenderen Strecken – wie etwa München-Berlin – querfinanziert. Genau auf diese Strecken möchte Italo einsteigen – und zwar ausschließlich, wie der Vorsitzende der EVG Burkert kritisiert: "Man darf sich halt nicht die Rosinen rauspicken und nur die Strecken fahren wollen, die wirklich Geld bringen".
Noch einige Hürden bis zum Start
Bis es so weit ist, gibt es einiges zu klären: Italo möchte langfristige Trassenverträge, also die Zusicherung, die Strecken und Bahnhöfe über mehrere Jahre hinweg befahren zu können. Die Deutsche Bahn, genauer gesagt InfraGO, vergibt solche Rechte im Moment aber regelmäßiger.
Und auch bei den Fahrgastrechten gibt es noch ein paar Hindernisse, erklärt Kragulij vom Fahrgastverband ProBahn Bayern: "Nehmen wir an, man kommt von Rosenheim und fährt von München dann nach Stuttgart, dann brauche ich für die Teilstrecke von Rosenheim nach München ein zweites Ticket. Wenn aber der zubringende Zug eine Verspätung hat, habe ich keine Fahrgastrechte, die mich als Fahrgast dann absichern, weil ich zwei unterschiedliche Verträge abgeschlossen habe."
Dafür müssten wiederum andere Kooperationsverträge geschlossen werden. Noch ist es aber nicht so weit. Denn sollte Italo die Zusage nicht bekommen, könnte es sein, dass sich das Unternehmen die ganze Sache nochmal grundsätzlich überlegt.
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