Die Fehlinvestitionen des Verius-Fonds betreffen auch bayerische Versicherte. Allerdings sind die Folgen sehr überschaubar, so BR-Gesundheitsexperte Nikolaus Nützel. Er erklärt: "Es geht um etwa 170 Millionen Euro. Das ist viel Geld, aber die gesetzlichen Krankenkassen bewegen 350 Milliarden Euro im Jahr. Und bayerische Krankenkassen sind sehr wenig davon betroffen."
Beispielsweise die Siemens-Betriebskrankenkasse mit Sitz in München bestätigt Investitionen in Immobilienfonds der Verius Capital AG. Wie hoch der Verlust ist, geben die Verantwortlichen nicht preis, wie die Kasse auf Anfrage mitteilt. Sie schreibt: "Zum Stichtag 30. Juni 2026 betrug das Investitionsvolumen in den Verius-Fonds weniger als fünf Prozent unseres Gesamtportfolios.“ Die Verluste habe die Siemens-Kasse durch Gewinne in anderen Anlagen ausgeglichen – ihre finanzielle Stabilität sei nicht gefährdet. Die Versicherten müssten also nicht mit Zusatzbeiträgen oder geringeren Leistungen rechnen.
AOK und Techniker Krankenkasse nicht betroffen
Die AOK Bayern teilt dem BR hingegen mit, sie habe keine entsprechenden Investitionen getätigt. Auch die Techniker Krankenkasse erklärt, sie investiere aufgrund der erhöhten Risiken grundsätzlich nicht in Immobilien-Projektfinanzierungen.
Axel Heise, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, kritisiert die Investitionen in die Verius-Fonds: "Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat einen weiten Bogen um diese Verius-Immobilienfonds gemacht. Auch bei sämtlichen anderen Anlagen der KVB gab es in den vergangenen Jahren keine Abschreibungen."
Kritik aus der Politik
Trotz der überschaubaren Folgen für Versicherungen in Bayern, mahnen Politiker, man solle den Vorfall ernst nehmen - so der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Bernhard Seidenath. Trotz allem sei viel Geld verloren gegangen. Außerdem erschüttere es wieder einmal das Vertrauen der Versichertengemeinschaft in die Sozialversicherungssysteme. Zuletzt hatte unter anderem die Bayerische Versorgungskammer mit Milliarden-Investitionen in Risikogeschäfte Schlagzeilen gemacht. Um große Fehlinvestitionen zu vermeiden, überwacht das Landesprüfungsamt für Sozialversicherung in Bayern die Krankenkassen.
Bundesweit Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen betroffen
Bundesweit betrachtet, ist laut WDR, NDR und SZ vor allem die Kaufmännische Krankenkasse KKH betroffen. Sie soll 47,4 Millionen Euro in eine risikoreiche Anlage gesteckt haben. Außerdem hätten die Pronova BKK zehn Millionen und die BKK Gildemeister Seidensticker 7,9 Millionen Euro verloren. Nicht nur Krankenkassen, auch Kassenärztliche Vereinigungen sollen große Verluste gemacht haben – die KV Baden-Württemberg etwa 50, die KV Hessen 30 Millionen Euro.
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