Bis zu 700 Stand-Up-Paddler pro Tag sind am Illasbergsee bereits gezählt worden, dabei sind SUPs dort aus Naturschutzgründen verboten.
Bis zu 700 Stand-Up-Paddler pro Tag sind am Illasbergsee bereits gezählt worden, dabei sind SUPs dort aus Naturschutzgründen verboten.
Bild
Bis zu 700 Stand-Up-Paddler pro Tag sind am Illasbergsee bereits gezählt worden, dabei sind SUPs dort aus Naturschutzgründen verboten.
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Bis zu 700 Stand-Up-Paddler pro Tag sind am Illasbergsee bereits gezählt worden, dabei sind SUPs dort aus Naturschutzgründen verboten.

Videobeitrag
>

"Katastrophe": SUP-Hype an Allgäuer See ärgert Naturschützer

"Katastrophe": SUP-Hype an Allgäuer See ärgert Naturschützer

Der Forggensee im Allgäu ist El Dorado für Wassersportler – und gleichzeitig wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. In geschützten Bereichen herrscht deshalb ein Verbot für Stand-Up-Paddler. Trotzdem ist der Andrang groß.

Über dieses Thema berichtet: Schwaben + Altbayern am .

Raphael Jorde ist auf der Jagd nach Stand-Up-Paddlern (SUPlern). Mit dem Motorboot steuern er und sein Kollege Ingo Baier von der Wasserschutzpolizei Wassersportler auf SUPs an, die auf dem Forggensee in verbotene Bereiche wie die streng geschützte Vogelinsel paddeln – und davon gibt es viele.

SUP-Verbot missachten: Strafen bis zu 5.000 Euro

Auch am Illasbergsee, einer Bucht am Nordufer des Forggensees bei Halblech im Ostallgäu, herrscht ein SUP-Verbot. Seit kurzem weisen in dem Landschaftsschutzgebiet Schilder darauf hin: ein stilisierter SUPler in einem roten, durchgestrichenen Kreis. Eine kurze Umfrage zeigt aber: Viele der Besucher wissen nichts von dem Verbot. Die Schilder übersehen sie offenbar.

"Der normale SUP-Fahrer ist ja schlichtweg ein Urlauber, der auf das Wasser geht, Neugier mitbringt und sich im Vorfeld nicht über geltendes Recht wie Wasserrecht oder das bayerische Wassergesetz informiert", schildert Polizist Raphael Jorde seine Erfahrungen. Entsprechend belässt er es oft bei einer Verwarnung, wenn er SUPler in geschützten Bereichen erwischt. Dabei drohen ihnen hohe Strafen: laut dem zuständigen Landratsamt Ostallgäu bis zu 5.000 Euro.

Naturschützer bezeichnet Situation als "Katastrophe"

Dass Wassersportler mit ihren SUPs im Illasbergsee und in anderen geschützten Bereichen des Forggensees fahren, ärgert Naturschützer wie Manfred Mair. Der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Füssen drängt seit Jahren darauf, die Badeplatzsatzung durchzusetzen. Denn in den Schilf- und Uferbereichen befinden sich sensible Laich- und Brutgebiete. Mit Blick auf den großen Andrang schon am Morgen bezeichnet er die Situation als "Katastrophe".

SUPs bedrohen Fische

Der Illasbergsee sei wichtiger Lebensraum für Vögel und Fische: "Wir haben im Illasbergsee Schwimminseln, Moorboden, Kiesboden, wir haben Wurzelstöcke, was für die verschiedensten Fischarten ideal ist zum Ablaichen." Die Paddler auf SUPs bedeuten laut Mair Stress für die Seebewohner: "Alles, was von oben kommt, interpretiert der Fisch immer als Fressfeind. Die Fische haben keine Ruhe mehr, sie kommen nicht in die Flachwasserzonen, um sich da zu ernähren." Außerdem würden Gäste mit ihren SUPs an Uferstreifen anlanden, die wertvolle Brutplätze für Wasservögel seien.

Landratsamt plant weitere Maßnahmen

Das Landratsamt hat die Verbotsschilder aufstellen lassen. Zwar sehe es Anzeichen, dass die Zahl der SUPs seitdem zurückgegangen sei, trotzdem erkennt es offenbar auch weiterhin Handlungsbedarf. Zusammen mit dem Kreisfischereiverband, dem Wasserwirtschaftsamt und anderen Akteuren plant das Landratsamt weitere Maßnahmen, um den Hype am Illasbergsee einzudämmen.

So sollen Bojen in Zukunft den Schwimmbereich und Uferbereiche markieren und so SUPler davon abhalten, dort anzulanden. Wann genau sie kommen, das sei noch unklar. Eine Tafel mit Informationen dazu, wie man sich in der Natur achtsam verhält, soll unter anderem am Illasbergsee aufgestellt werden – inklusive Informationen zum SUP-Verbot.

Die Polizei allein wird das Problem wohl nicht in den Griff kriegen. "Das ist wie bei Verkehrskontrollen: Man erwischt halt nur einen bestimmten Prozentsatz. Aber ich denke, das Sehen und Gesehenwerden, das zeigt dann schon Wirkung", sagt Polizist Ingo Baier.

Im Video: Paddler im Naturschutzgebiet

Paddler im Naturschutzgebiet
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Paddler im Naturschutzgebiet

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!