In diesen Tagen wollen die Erlöserschwestern über ihre Zukunft beraten. Schwestern aus Afrika und den USA sollen für eine wichtige interne Tagung nach Unterfranken gereist sein. Doch zur selben Zeit hat der Vatikan Prüfer zu dem Würzburger Orden geschickt – für eine sogenannte Apostolische Visitation. Die Gutachter sollen mögliche Missstände bei den Erlöserschwestern aufklären. Falls sie Handlungsbedarf sehen, sollen sie Vorschläge zur Besserung machen. So schildern es mehrere Personen aus dem Umfeld des katholischen Ordens dem BR. Der Orden ist dem Vatikan unterstellt.
Gutachter untersuchen Erlöserschwestern
Erste Hinweise zu der außerordentlichen vatikanischen Prüfung bekam der BR vergangene Woche. Am Montagabend berichtete auch das Online-Portal "katholisch.de" über den Vorgang (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt).
Solche außerordentlichen Prüfungen, in der Kirchensprache "Visitationen" genannt, sind ungewöhnlich. Sie dienen der Aufklärung möglicher Konflikte. Auf Anfrage des BR bestätigt Schwester Monika Edinger, als Generaloberin die Leiterin der Erlöserschwestern, die laufende Untersuchung. Zu den Hintergründen möchte sie sich nicht äußern, "um den Visitatoren eine ungestörte Erfüllung ihrer wichtigen Aufgabe zu ermöglichen".
Generaloberin verspricht Transparenz
Nach BR-Informationen handelt es sich bei den Gutachtern um einen Kirchenrechtler sowie eine Ordensfrau. In einer schriftlichen Antwort begrüßt die Generaloberin den seltenen Vorgang: "Wir unterstützen die Visitatoren bei ihrer Aufgabe mit Offenheit und Transparenz und blicken mit Zuversicht auf die Ergebnisse der Visitation in der Zukunft."
Der Münsteraner Kirchenrechtsprofessor Thomas Schüller sagte dem BR, eine Apostolische Visitation erfolge dann, wenn gravierende Vorwürfe an den Vatikan, konkret an die für Orden zuständige Behörde, gemeldet würden. Eine solche Prüfung sei "kein Freundschaftsbesuch", so Schüller.
Kirchenkreise schilderten dem BR, dass die Untersuchung innerhalb des Ordens für Unruhe sorge. Offen ist, wer in Rom vorstellig wurde und um was es dabei geht. Dazu kursieren im Umfeld des Ordens verschiedene Spekulationen. Belegen lassen sie sich gegenwärtig nicht. Die zuständige Vatikanbehörde hat auf eine Anfrage des BR bislang noch nicht geantwortet.
Erlöserschwestern verkauften mehrere Immobilien
Die Erlöserschwestern betreiben verschiedene soziale Einrichtungen in Unterfranken. Neben Deutschland sind sie auch in den USA und Tansania tätig. Ihr Stammsitz befindet sich in der Würzburger Innenstadt. Einst lebten mehrere hundert Schwestern in dem Gebäudekomplex. Allerdings ist der Orden deutlich geschrumpft.
Ihren Stammsitz haben die Schwestern vor ein paar Jahren saniert und teilweise vermietet. Vor zwei Jahren dachten sie darüber nach, das Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt zu schließen – vor allem aus finanziellen Gründen. Zuletzt hat die Kongregation verschiedene Liegenschaften verkauft: 2017 etwa ein Kloster im unterfränkischen Lülsfeld, in das dann die umstrittene Gemeinschaft "Go & Change" zog. Auch eine Anlage im Würzburger Steinbachtal wurde vor wenigen Wochen veräußert. Die Trägerschaft für mehrere Kindergärten geben sie gerade ab.
Ob Fragen zur finanziellen Situation eine Rolle bei der jetzt laufenden Visitation spielen, ist derzeit offen. Dazu äußert sich die Ordensleitung auf Nachfrage nicht.
Wichtiges Gremium tagt derzeit im Orden
Für die Erlöserschwestern kommt die Prüfung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Gegenwärtig tagt das sogenannte Generalkapitel. Das Gremium gilt als höchste Instanz des Ordens, es wählt die Generaloberin, also die Chefin der Schwestern.
Nach Angaben der Generaloberin Monika Edinger findet das Generalkapitel trotz der Prüfung wie geplant statt – mit Erlaubnis aus Rom. Ob sie sich dort noch einmal zur Wahl stellen möchte? Darauf antwortet Edinger nicht. Edinger war im Jahr 2013 als Generaloberin gewählt worden.
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