(Archivbild): Die Forschungsanlage ASDEX Upgrade am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching bei München.
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Wenn Bayern die Sonne zündet: Der große Plan für Kernfusion

Wenn Bayern die Sonne zündet: Der große Plan für Kernfusion

In Garching soll ein Forschungsreaktor für Kernfusion mit einer modernen Magnetspulen-Technologie entstehen. Bayern investiert 400 Millionen Euro und hat am Donnerstag mit Wirtschaft und Wissenschaft eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen. So funktioniert, einfach ausgedrückt, Kernfusion. Was die Sonne ganz natürlich schafft, wird auf der Erde aufwendig nachgeahmt. Künftig auch in Bayern. Und zwar mit gleich zwei Kernfusionsprojekten: einem Forschungsreaktor in Garching – und perspektivisch einem kommerziellen Kraftwerk in Gundremmingen.

Bayern schmiedet Allianz für Fusionsenergie

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht vom "Fusions-Doppelpass" – und verweist auf den steigenden Energiebedarf durch E-Mobilität, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Weltweit werde massiv in neue Energiequellen investiert. Die USA beispielsweise nutzten "mit einer unglaublichen Massivität jede Chance, Energie zu gewinnen".

Mit einem Memorandum of Understanding, also einer offiziellen Absichtserklärung, haben deshalb nun der Freistaat Bayern, das Münchner Start-up Proxima Fusion, der Energiekonzern RWE und das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ihre Zusammenarbeit besiegelt.

Söder: "Modernstes Kapitel der Energiegewinnung"

Der Forschungsreaktor in Garching soll bis Mitte der 2030er Jahre entstehen. Ziel: ein Netto-Energiegewinn, also erstmals mehr Energie erzeugen, als für die Fusion aufgewendet werden muss. Technisch setzt das Projekt auf eine neue Magnettechnologie. Komplex geformte Magnetspulen sollen das Millionen Grad heiße Plasma stabil einschließen - entwickelt vom Münchner Start-up Proxima Fusion. Sie sollen sich unterscheiden von anderen Kernfusions-Magneten weltweit. Proxima Fusion-Gründer Francesco Sciortino spricht von der "wichtigsten und stärksten" Technologie ihrer Art weltweit. "Wenn wir diese Magnete produzieren können, dann wir können so schnell wie möglich dieses Alpha-Projekt bauen." Söder nennt das junge Unternehmen einen Hoffnungsträger für "eines der modernsten Kapitel der Energiegewinnung".

Denn die meisten internationalen Kernfusionsprojekte setzen auf andere Magnettechnologien. Darunter zum Beispiel ITER in Frankreich, der derzeit größte Fusionsforschungsreaktor der Welt - ein internationales Großprojekt.

Zwei Milliarden für neuen Fusionsforschungsreaktor

Zwar existiert mit dem Kernfusionsreaktor "Wendelstein 7-X" bereits eine ähnliche Magnetspulen-Technologie in Mecklenburg-Vorpommern. Die Anlage in Greifswald dient laut Max-Planck-Institut jedoch der Grundlagenforschung und ist nicht darauf ausgelegt, mit derart leistungsfähigen Magneten entsprechend viel Energie zu produzieren.

Rund zwei Milliarden Euro kostet allein der Forschungsreaktor "Alpha", der in Garching entstehen soll. Ein "finanzieller Kraftakt", sagt Söder bei der Unterzeichnung des "Memorandum of Understanding" im Prinz-Carl-Palais in München. 400 Millionen Euro übernimmt der Freistaat, weitere 400 Millionen Proxima Fusion, der Bund soll den Rest tragen.

"Bayerns Antwort auf den Atomausstieg"

Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bezeichnet das Projekt als "Bayerns Antwort auf den Atomausstieg". Bereits 2023 hatte die Staatsregierung die "Mission Kernfusion" gestartet und 100 Millionen Euro für Forschung bereitgestellt. 2025 folgte eine Expertenkommission, nun sollen die Reaktoren gebaut werden. Laut Blume hat Garching hierbei einen Standortvorteil: durch die Nähe zum dortigen Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, eines der weltweit führenden Zentren der Fusionsforschung.

Der geplante Forschungsreaktor gilt als Zwischenschritt. In Gundremmingen könnte später ein industrielles Fusionskraftwerk entstehen – möglicherweise das erste seiner Art weltweit, so Söder. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verweist auf mögliche neue Arbeitsplätze.

Kritik von Grünen

Die Grünen im Landtag sprechen derweil von "Steuerverschwendung". Kernfusion sei keine kurzfristige Lösung für die Energiewende. Besser wäre es, in Batteriespeicher und Wasserstoffkraftwerke zu investieren.

Im Video: Kernfusion - Startschuss für Zwei-Milliarden-Forschungsreaktor in Bayern

Im Video: Kernfusion - Startschuss für Zwei-Milliarden-Forschungsreaktor in Bayern
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Im Video: Kernfusion - Startschuss für Zwei-Milliarden-Forschungsreaktor in Bayern

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