Männliche Wissenschaftler sind oft sehr bekannt – etwa Wilhelm Conrad Röntgen, der in Würzburg im Jahr 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckt hat. Doch auch viele Frauen haben die Wissenschaft geprägt. Ihre Arbeit wurde allerdings oft ignoriert, verzerrt oder Männern zugeschrieben, so die Uni Würzburg. Eine Wanderausstellung im Forum des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz in Würzburg will diese Frauen sichtbar machen. Sie ist bis zum 26. Oktober zu sehen. Am Donnerstagabend wird die Ausstellung offiziell eröffnet.
KI-generierte Porträts
Die Wanderausstellung zeigt Porträts von Wissenschaftlerinnen oder Pionierinnen auf ihrem Gebiet. Darunter sind beispielsweise Ärztinnen, eine Pilotin, eine Archäologin, eine Physikerin oder eine Rechtswissenschaftlerin. Die Bilder sind mit künstlicher Intelligenz erstellt – weil von vielen Frauen keine oder keine repräsentativen Darstellungen überliefert sind.
Erstellt hat sie die Kommunikationsdesignerin und Wissenschaftsfotografin Gesine Born – "auf Grundlage historischer Quellen, biografischer Informationen und, wo möglich, im Austausch mit Angehörigen der porträtierten Frauen", so die Uni Würzburg. Die Bilder sind zum Teil "visuelle Annäherungen an Persönlichkeiten, die zu ihren Lebzeiten nie durch ein gemaltes oder fotografisches Porträt gewürdigt wurden. Sie laden dazu ein, über historische Leerstellen und Formen der Anerkennung nachzudenken", heißt es weiter.
"Versäumtes Bild" von NASA-Pilotin
In einem Youtube-Video (externer Link) sieht man, wie die Designerin und Fotografin dabei vorgegangen ist. Von der Pilotin Geraldyn "Jerrie" M. Cobb gibt es zum Beispiel ein offizielles Porträt der NASA. Born hat die KI mit folgendem Prompt arbeiten lassen: "Official NASA Portrait from the mercury mission from 1961 showing female astronaut Jerrie M. Cobb, wearing a silver spacesuit". Die künstliche Intelligenz hat eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht. Die Designerin hat sich für eine Aufnahme entschieden, auf der Cobb lächelt und einen Astronauten-Helm trägt.
"Das versäumte Bild zeigt Geraldyn Cobb als aktive Astronautin der Mercury-Mission der NASA. Im Hintergrund deutet sich ein Raketenstart an und verweist auf die Raumfahrt, die ihr trotz ihrer Qualifikation verschlossen blieb", heißt es auf der Homepage der Ausstellung. Bei der Mercury-Mission handelt es sich um das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA.
KI-Bild zeigt Würzburger Wissenschaftlerin
Eine Besonderheit der Wanderausstellung ist, dass sie mit jedem Ausstellungsort wächst: Jede Institution hat in ihrer eigenen Geschichte nach besonderen Frauen recherchiert, deren Leistung bis jetzt kaum gewürdigt wurde. Auf Basis dieser Recherche hat Gesine Born ein neues "versäumtes Bild" erstellt, so die Uni Würzburg.
Das Würzburger Universitätsarchiv und das Büro der Frauenbeauftragten haben dafür Barbara Thein (1775-1842) ausgewählt. "Sie war die erste Frau, die an der Universität Würzburg nachweisbar wissenschaftlich gearbeitet hat – in einer Zeit, in der Frauen von Universitäten, Wissenschaft und Bildung bis auf sehr wenige Ausnahmen streng ausgeschlossen waren", heißt es weiter. Thein war nicht offiziell an der Uni eingeschrieben. Sie hat im sogenannten Naturalienkabinett gearbeitet – und beispielsweise Tiere präpariert oder Präparate repariert. Laut Uni hat sie dabei eigene Methoden entwickelt, beispielsweise mit Weingeist. Bezahlt wurde sie nicht von der Uni – sondern von ihrem Chef, der das Geld dafür von seinem Gehalt abzweigte.
Künstlerin berichtet von Arbeit
Bei der Ausstellungseröffnung in Würzburg ist Gesine Born vor Ort und berichtet von ihrer Arbeit. Über QR-Codes in der Ausstellung bekommen die Besucherinnen und Besucher mehr Infos zu den Lebensgeschichten der Frauen – und der Entstehung der Porträts. Nach Würzburg ist die Wanderausstellung in Heilbronn und Hannover zu sehen.
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