Der große gelbe Lkw surrt leise. Ein sogenannter 40-Tonner – also eine Zugmaschine mit Anhänger und zwei Wechselbrücken darauf. Diese beiden Container sind vollgestopft mit Warensendungen, hunderte Pakete. Der E-Lkw pendelt in zwei Schichten jeden Tag zwischen den Paketzentren in Aschheim bei München, Augsburg, Günzburg oder Regensburg und den Zustellpunkten in der Region. Mit 500 Kilometern Reichweite kein Problem.
Leise surrt der E-Lkw
Am Steuer in der Tagschicht sitzt Konrad Willnhammer. Seit mehr als einem halben Jahr fährt er den neuen elektrischen Wechselbrückenzug. Nach vielen Berufsjahren mit Dieselfahrzeugen war er natürlich gespannt, wie sich ein elektrischer 40 Tonner im täglichen Pendelverkehr bewährt. "Der fährt sich komplett anders wie ein Diesel", erzählt er am Steuer mit großem Digital-Display. "Man hört fast nichts mehr, man riecht nichts, man hört nur mal das Fahrwerk rumpeln und so ein leichtes Summen vom Motor." Dem Lkw mit Dieselmotor trauert er nicht nach.
Aufladen in 90 Minuten
Nach dem Abladen der Container geht es zum Aufladen der Batterie. Die DHL hat vor rund sechs Monaten an ihrem Standort in Aschheim die ersten Hochleistungsladesäulen für ihre E-Lkw in Betrieb genommen. Mit bis zu 400 kW Ladeleistung – damit sollten die Lkw in 90 Minuten wieder eine volle Batterie haben. Jetzt nach einem halben Jahr täglicher Praxis, zieht Michael Niedermair, verantwortlich für die Verkehrsinfrastruktur am Standort, eine positive erste Bilanz. "Wie bei vielen neuen Technologien hatten wir am Anfang ein paar Kinderkrankheiten. Inzwischen funktionieren Ladesäulen und Lkw problemlos."
Ausbau der E-Lkw-Flotte
Die Anlage am größten Paketzentrum Deutschlands ist ein Pilotprojekt. In den nächsten zwei Jahren will das Unternehmen insgesamt 170 solche Ladepunkte an allen Standorten in der Bundesrepublik installieren. Für die eigene E-Lkw-Flotte und auch für externe Fuhrunternehmer. Auch die sollen einen Anreiz haben, auf elektrische Schwerlaster umzurüsten. Bei Millionen gefahrenen Kilometern, bedeute das ein erhebliche Einsparung beim CO2-Ausstoß. "Aktuell ist geplant, dass wir auch unseren Transportunternehmern unsere Ladepunkte anbieten", sagt Niedermair. Die DHL habe als Unternehmensziel CO²-Neutralität festgeschrieben, da zähle jeder Kilometer, der mit Erneuerbaren gefahren wird.
Klimaziele und Kostendruck
Für die Zustellung der Pakete bis an die Haustüren fahren bundesweit bereits 38.000 gelbe E-Transporter. Das sei inzwischen mehr als die Hälfte der Zustellflotte, gibt die DHL an. Das Unternehmen will seine Emissionen bis 2050 netto auf null setzen. Umweltschutz ist der eine Grund für die Investitionen in E-Fahrzeuge und ihre Ladelogistik. Der andere dürfte rein wirtschaftlich gedacht sein: Da der Dieselpreis hoch bleiben könnte und Emissionsabgaben eher steigen dürften, rechnen sich die Investitionen in E-Mobilität langfristig aus heutiger Sicht. Für den Transport der Pakete fahren die großen gelben Lkw Tag und Nacht. Rund 100 Tonnen CO² pro Jahr kann nach ersten groben Rechnungen ein E-Lkw im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug einsparen. Die DHL will ihre E-Lkw-Flotte jedenfalls weiter ausbauen
Rekord: Eine Million Päckchen am Tag
In Aschheim bei München steht das größte Paketzentrum der DHL bundesweit. Pro Stunde laufen hier bis zu 72.000 Paketsendungen über die Bänder. Der Rekord liegt in der Weihnachtszeit bei über eine Million Pakete an einem Tag. Während der E-Lkw von Konrad Willnhammer lädt, laufen die nächsten Paketcontainer voll. Nach knapp zwei Stunden sattelt Willnhammer die nächsten Wechselbrücken an seiner Zugmaschine auf. Einmal Regensburg und zurück. Über die Reichweite seines E-Lkw macht er sich schon lang keine Gedanken mehr.
Zum Audio: DHL-Pilotprojekt mit E-Lkw
E-Lkw lädt Wechselbrücken
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