Seit gut zwei Wochen wird am Mainfranken Theater in Würzburg wieder gebaut: Neue Dämmung für die Kellerwände, Beton in den Lichtschächten. Zuvor stand die Baustelle eineinhalb Jahre lang still. Die Sanierung des Theaters entwickelt sich für die Stadt Würzburg allmählich zu einem finanziellen Risiko.
71,6 Millionen Euro waren bei Baubeginn 2018 geplant. In einer neuen Kostenprognose ist nun von 242 Millionen Euro die Rede – eine Kostenexplosion. Diese Zahl hat die Stadtverwaltung heute in der Vorlage für eine Ausschusssitzung veröffentlicht.
Fast Viertelmilliarde für Mainfranken Theater Würzburg
Schon seit Wochen geisterten Kostenschätzungen durch das Rathaus. Eine Summe von etwa 200 Millionen Euro galt als sicher. Aber beinahe eine Viertelmilliarde? Das ist ein Schock, berichten mehrere Mitglieder des Stadtrats. SPD und Volt hatten bereits vergangene Woche gefordert, einen Abriss samt Neubau zu prüfen.
Noch im vergangenen Oktober hatte das Theater eine vorläufige Kostenprognose veröffentlicht: 145,9 Millionen Euro. Diese Zahl wollten die Bauherren explizit als Zwischenbilanz verstanden wissen. Sie sei für die städtischen Haushaltplanungen notwendig, betonten sie. Bereits diese Zahl sorgte für heftige Diskussionen in der Stadt. Diese dürften nun wieder aufflammen.
Neubau des Theaters ist fertig, Altbau frühestens 2030
Das neue Mainfranken Theater besteht aus zwei zusammenhängenden Bauteilen: einem Neubau und einem alten Gebäude. Dieses wird gerade saniert. Der Neubau ist seit knapp drei Jahren in Betrieb, dort tritt das Schauspiel auf. Die Probleme bereitet der Altbau. Dort sollen eigentlich schon seit vier Jahren Opern oder Ballett aufgeführt werden. Bislang ist aber nur der Rohbau fertig. Mittlerweile heißt es: Bis alles fertig ist, wird es 2030. Mindestens.
Neues Architekturbüro muss alte Pläne überarbeiten
Zu Baubeginn sorgten Probleme bei der Belüftung, dem Brandschutz oder den Fluchtwegen für Zeitverzug und steigende Kosten. Dann überwarfen sich Theater und Architekturbüro. Dieses plante zugleich die Ausführung der Baustelle. Das Theater kündigte dem Architekturbüro im Frühjahr 2022. Das ging wiederum in die Insolvenz.
Seit 2023 arbeitet sich ein neues Büro in die Unterlagen ein. Doch das dauert – immer noch. Eigentlich sollte die sogenannte Ausführungsplanung zum Ende des vergangenen Jahres fertig vorliegen. Inzwischen rechnen die Bauherren erst 2027 damit. Die Kostensteigerung resultiere zu einem großen Teil aus dem Zeitverzug: Jeder Tag Stillstand kostet. Lohn- und Materialkosten sind seit Baubeginn deutlich gestiegen.
Mehrkosten treffen Finanzen der Stadt Würzburg
Die Mehrkosten für das Theater treffen Würzburg in einer Zeit ohnehin knapper Kasse. Die städtischen Rücklagen sind aufgebracht, die Stadt macht Schulden. Zugleich gibt es Pläne für weitere Bauprojekte: eine neue Multifunktionsarena für Konzerte, Sport und Kongresse – oder eine neue Straßenbahnlinie.
Der Freistaat hatte bei Baubeginn zugesagt, 75 Prozent der förderfähigen Kosten für das Mainfranken Theater übernehmen zu wollen. Damals waren das 50,3 Millionen Euro.
Verschiedene Landtagsabgeordnete aus Unterfranken haben angekündigt, sich dafür einzusetzen, dass der Freistaat diese Summe anhebt. Mehrkosten sind in der Regel aber nur dann förderfähig, wenn sie dem Bauträger unverschuldet entstanden sind. Das bedeutet: Bei steigenden Material- und Lohnkosten könnte die Stadt auf Hilfe hoffen, bei Mehrkosten durch Planungsfehler wahrscheinlich nicht. Um beurteilen zu können, welche Mehrkosten die Staatskasse übernehmen kann, benötigt die zuständige Regierung von Unterfranken belastbare Zahlen. "Diese Unterlagen liegen der Regierung jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vor", teilt das Bayerische Finanzministerium auf Anfrage von BR24 mit.
Klage auf Schadenersatz dauert
Außerdem versucht das Theater auf juristischem Weg, einen Teil der Mehrkosten erstattet zu bekommen. Am Landgericht Würzburg liegt seit Ende 2023 eine Klageschrift gegen zwei Firmen. Sie haben die Fachplanung für die Gebäudetechnik am Theater ausgeführt. Das Theater fordert Schadenersatz von rund 6,4 Millionen Euro. Solche Verfahren sind umfangreich und zeitintensiv. Wann eine Entscheidung fällt, ist nicht absehbar, so eine Gerichtssprecherin. In diesem Jahr seien keine Termine mehr anberaumt.
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