Lehrkräfte in Würzburg sollen zukünftig für Parkplätze an städtischen Schulen zahlen. Diese Entscheidung des Würzburger Stadtrats vor gut einer Woche stößt bei Lehrkräften und dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. (BLLV) auf deutliche Kritik.
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Etwa 150.000 Euro jährlich für die Stadt
"Die Schulleitungen der Würzburger Realschulen und Gymnasien sind sich einig: Wir lehnen den Beschluss ab", teilt Christian Raith, Direktor des Wirsberg-Gymnasiums, stellvertretend für alle Schulleitungen der betroffenen acht Gymnasien und Realschulen in Würzburg mit.
Weiter heißt es: "Wir verstehen die finanziellen Nöte der Stadt Würzburg. Den Weg über die Vermietung von Lehrerparkplätzen auf dem Schulgelände halten wir aber für falsch." Laut Angaben eines Pressesprechers der Stadt würde Würzburg durch die Maßnahme etwa 150.000 Euro pro Haushaltsjahr erhalten, so die aktuellen Schätzungen.
Ohnehin schon überbelegte Parkplätze
Einige Lehrkräfte seien bereit, einen gewissen Beitrag zu zahlen. Aber Raith argumentiert: "Die Situation der Schulen in Würzburg ist, was die baulichen Zustände und teils die Ausstattung angeht, sehr schwierig." Die Schulgemeinschaften hätten diese Zustände seit vielen Jahren mitgetragen und so sei die Vermietung von Parkplätzen auf dem Schulgelände das falsche Signal.
Ihm zufolge wäre nach der Beschlusslage des Stadtrates eine sinnvolle Nutzung der Parkplätze unmöglich, da sich die Verhältnisse an den Schulen fundamental unterscheiden würden. Nur eines hätten alle gemeinsam: einen Mangel an Parkplätzen. Die vorhandenen seien mehrfach überbucht und würden je nach Schule zwischen 5 und 50 variieren.
Wunsch nach mehr Mitspracherecht
Auch Simone Aslanidis, Schulleiterin des Berufsbildungszentrum Franz-Oberthür-Schule und der Staatlichen FOS/BOS, äußert Kritik. Sie erklärt auf BR24-Anfrage, das Ziel, nachhaltige Mobilität zu fördern, sei für sie grundsätzlich nachvollziehbar, aber "aus schulischer Sicht sehen wir den Beschluss dennoch kritisch." Sorgen bereitet ihr das Signal an ihre Beschäftigten: Sie hätte sich gewünscht, "dass die betroffenen Schulen vor einer solchen Entscheidung stärker einbezogen werden".
"Keine Bequemlichkeit, sondern schlicht notwendiges Arbeitsmittel"
Laut der Vorsitzenden des BLLV-Kreisverbands Würzburg-Stadt, Gudrun Reinders wären Teilzeitkräfte und Fachlehrkräfte, die teilweise an mehreren Schulen eingesetzt sind, besonders von der Regelung betroffen. Für sie sei das Auto häufig nicht Ausdruck von Bequemlichkeit, sondern schlicht notwendiges Arbeitsmittel für den Transport und den Wechsel zwischen verschiedenen Einsatzorten.
"Gerade in Zeiten des Lehrkräftemangels halten wir es zudem für ein falsches Signal, die Arbeitsbedingungen am Schulstandort Würzburg zusätzlich zu erschweren", so Reinders weiter. Der BLLV habe sich mit dem Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) in Verbindung gesetzt, es habe Gespräche mit dem Sozialreferat gegeben. Dies bestätigt auch die Stadt. Der BLLV Würzburg wolle diesen Dialog "konstruktiv, aber auch kritisch begleiten".
Beginn noch unklar
Von der Stadt heißt es zu den Gesprächen: "Wir suchen den individuellen Austausch mit den Schulen und arbeiten an individuellen Lösungen. Insoweit ist tatsächlich noch kein neues Startdatum erkennbar. Die Fragestellungen aus den Schulen nehmen wir ernst und beschäftigen uns zuverlässig und gewissenhaft damit." In vielen Schulen seien Systeme etabliert, wie die jeweils vorhandenen Parkplätze bestmöglich und fair genutzt werden könnten. Beispielsweise flexible Parkplätze, die von mehreren Menschen, die pendeln, genutzt werden. Die Gespräche zielten darauf ab, diese funktionierenden Systeme fortzuführen, so die Stadt.
Maßnahme eigentlich schon für August geplant
Der Würzburger Stadtrat hatte am zehnten September beschlossen, Lehrerparkplätze an städtischen Schulen kostenpflichtig zu vermieten (externer Link der "Mainpost", möglicherweise Bezahl-Inhalt). Die Stadt begründet das Vorgehen mit einer gleichartigen Behandlung aller städtischen Parkplätze. Denn auch Personen aus anderen Berufsgruppen, wie etwa Krankenhauspersonal oder Handwerker, seien verpflichtet, zu bezahlen.
Eigentlich sollte das Vorhaben ab dem ersten August beginnen. Die Stadt teilt jedoch auf Anfrage mit, dass der Termin verschoben wurde. Zum Schulstart in dieser Woche mussten die Lehrkräfte also noch nicht bezahlen. Die Umsetzung erfolgt laut Stadt aber voraussichtlich noch in diesem Jahr.
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