Ein Landwirt fährt mit seinem Traktor und angehängter Egge über ein Feld.
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Bauern klagen über Preissprung bei Diesel und Dünger
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Soeren Stache
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Bauern klagen über Preissprung bei Diesel und Dünger

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Krieg treibt Düngerpreise: Bauern zur Aussaat unter Druck

Krieg treibt Düngerpreise: Bauern zur Aussaat unter Druck

Der Krieg im Iran lässt Energiepreise steigen und trifft die Landwirtschaft zu einem besonders kritischen Zeitpunkt. Während die Aussaat läuft, kämpfen Bauern auch in Bayern mit steigenden Diesel- und Düngerkosten. Wird jetzt wieder alles teurer?

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Für viele Landwirte ist das Frühjahr die entscheidende Phase des Jahres. Jetzt werden Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln oder Sommergetreide gesät. Maschinen sind täglich im Einsatz, Felder werden vorbereitet, Saatgut ausgebracht und Dünger verteilt. Doch genau in dieser Phase steigen die Kosten für zentrale Betriebsmittel deutlich an. Vor allem für Diesel und Dünger.

Energiepreise treiben auch Düngerkosten 

Der Krieg im Iran macht die globalen Energiemärkte nervös. Öl- und Gaspreise reagieren empfindlich auf militärische Spannungen im Nahen Osten. Für Landwirte wird das schnell spürbar: Diesel verteuert sich, und auch bei der Herstellung von Dünger spielen Energiepreise eine zentrale Rolle.

Ein wichtiger Grund für steigende Düngerkosten liegt in der energieintensiven Herstellung. "Die Produktion von Stickstoffdünger ist sehr energieintensiv und benötigt große Mengen Gas", erklärt Agrarökonom Thomas de Witte vom Thünen-Institut.  Steigen die Gaspreise, wirkt sich das deshalb direkt auf die Produktionskosten aus. "Steigende Gaspreise führen am Ende auch zu steigenden Preisen für Stickstoffdünger", sagt de Witte.  

Dünger für Europa kommt nicht aus dem Nahen Osten 

Die aktuellen Preisschwankungen hängen eng mit globalen Handelswegen zusammen. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl und Gas weltweit.  Drohen dort militärische Spannungen oder Blockaden, reagieren die Märkte schnell.  Allerdings kommt Dünger nicht direkt aus dieser Region nach Europa. Der Zusammenhang läuft vor allem über Energiepreise. 

"Man kann sich das nicht so vorstellen, dass Dünger über die Straße von Hormus zu uns transportiert wird", sagt de Witte. Vielmehr gehe es um Düngervorprodukte wie Ammoniak und Harnstoff (Urea). Da spielt die Region hinter der Straße von Hormus eine sehr große Rolle im Welthandel. Sollte es zu einer längeren Blockade kommen, dann dürfte auch das Preissteigerungen zur Folge haben. 

Experte: "Entscheidend ist, wie lange der Krieg dauert"

Steigende Produktionskosten wirken sich zunächst vor allem auf die Betriebe selbst aus. Die Rentabilität vieler Höfe sei ohnehin angespannt, sagt de Witte.  "Die landwirtschaftlichen Betriebe haben zuletzt eher niedrige Agrarpreise gehabt. Wenn jetzt die Produktionskosten steigen, verschärft das kurzfristig die wirtschaftliche Situation."

Und der Verbraucher? Wird jetzt alles teurer im Supermarkt? So schnell nicht, sagen Experten. Guido Seedler, Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), sagt: "Natürlich hat auch die Düngung einen Einfluss auf die Erntemenge und -qualitäten." Allerdings könne er Entwarnung geben. "Die erste Düngegabe in diesem Jahr ist in vielen Regionen schon ausgebracht. Und darüber hinaus gehen wir davon aus, dass die Versorgung mit Düngemitteln in diesem Frühjahr gesichert ist." Betriebe, die jetzt noch nachkaufen müssen, seien deshalb stärker von steigenden Preisen betroffen als solche, die frühzeitig eingekauft hätten. 

Letztlich spiele der Faktor Zeit die entscheidende Rolle: "Wie stark sich der Krieg auf die Preise auswirken wird, hängt nicht zuletzt an der Frage, wie lange der Krieg andauert." 

Forderung nach Entlastung beim Agrardiesel

Eine Preissteigerung merken aber alle Landwirte sofort – wie auch jeder Autofahrer. Der sprunghaft angestiegene Spritpreis hat Fahren teuer gemacht. Bauernverbände fordern deshalb eine Entlastung beim Agrardiesel. Kurzfristig könne die Bundesregierung die CO2-Besteuerung beim Diesel temporär aussetzen, hieß es beim Deutschen Bauernverband. Traktoren, Sämaschinen, Spritzen oder Erntetechnik werden überwiegend mit fossilem Kraftstoff betrieben. Gerade während der Frühjahrsarbeiten steigt der Dieselverbrauch deutlich. 

Die steigenden Kosten dürften deshalb auch politisch schnell auf der Tagesordnung landen. In der kommenden Woche treffen sich die Agrarministerinnen und Agrarminister der Länder zur Agrarministerkonferenz in Bayern.  Es deutet sich an, dass dort der Kostendruck für die Landwirte ein zentrales Thema sein wird.

Fazit: Politik unter Handlungsdruck 

Was Tausende Kilometer entfernt im Nahen Osten passiert, kann schon wenige Tage später auf den Feldern in Bayern spürbar werden. Wenn Konflikte rund um die Straße von Hormus die Energie- und Rohstoffmärkte erschüttern, steigen Diesel- und Düngerkosten weltweit. Und das ausgerechnet zur Aussaat.

Deshalb dürfte die Preissteigerung auch bei der kommenden Agrarministerkonferenz in Bayern ganz oben auf der politischen Agenda stehen. 

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