"Vielleicht lautet die Hauptfrage für einige Zeit nicht, wie wir gewinnen, sondern wie wir nicht verlieren", so der nationalistische russische Publizist und Drohnen-Experte Alexei Tschadajew in einem düsteren Text [externer Link], den er selbst als "Nachtgedanken" bezeichnete: "Wenn dem so ist, folgt daraus vieles, es bedarf keiner weiteren Erklärung." Wie viele andere Militärblogger auch [externer Link], beklagt Tschadajew eine erdrückende Überlegenheit der Ukraine im Drohnen-Krieg. Er nennt das eine "Verschiebung des Verlustverhältnisses zu unseren Ungunsten".
Dafür gebe es weniger technische als "organisatorische" Ursachen, die kurzfristig nicht zu beheben seien. Tschadajew benennt qualitative und quantitative Probleme der russischen Armee. Diese seien so gravierend, dass es sich empfehle, bis auf Weiteres von der Offensive in die Defensive zu gehen, wie im Sommer 2023, als die Ukraine versucht hatte, Territorium zurückzuerobern.
Rein zahlenmäßig sei Russland bei den Drohnen ins Hintertreffen geraten: "Doch die Verschlechterung des innenpolitischen Klimas, nicht zuletzt aufgrund des unaufhörlichen Marathons von immer neuen Verboten, ist ein qualitativer Faktor, der den Kriegsverlauf beinahe unmittelbar beeinflusst – durch den unvermeidlichen qualitativen und quantitativen Rückgang der Freiwilligen."
"Himmel gehört den Ukrainern"
Diese Äußerung wurde in russischen Telegram-Kanälen vielfach verbreitet und kommentiert, zumal auch weitere wichtige Kriegsblogger auf die angeblich dramatische Lage an der Front verwiesen hatten, was Drohnen betrifft.
So zeigte sich TV-Korrespondent Andrei Filatow (169.000 Fans) alarmiert und sprach von einem "beschissenen Überlebenskampf" [externer Link]: "Der Himmel gehört wieder einmal den Ukrainern. Das Offensichtliche ist eingetreten. Wir müssen wieder aufholen. Die russische Armee, die einen quantitativen Vorteil bei Kurzstrecken-Drohnen und einen qualitativen Vorteil bei Langstrecken-Drohnen hatte, hat sich zurückgelehnt und abgewartet."
Die Ukraine habe ihren Bestand an Drohnen modernisiert, ihre Reichweite erheblich erhöht und sie gegen Funkstörungen immun gemacht: "Was können wir dagegen tun? Nichts. Obwohl die Experten seit einem Jahr sagen, dass der Feind auf unkonventionelle Methoden setzen wird und 'X-Systeme' entwickelt. Wir haben uns nicht vorbereitet. Überhaupt nicht."
"Katastrophe bahnt sich an"
In Frontberichten, die der Blogger Swjatoslaw Golikow postete, heißt es mit Hinweis auf die Drohnen-Dichte in der Luft wörtlich [externer Link]: "Eine Katastrophe bahnt sich an. Die Logistik im Umkreis von 15 Kilometern von der Front ist praktisch nicht existent. Wir brauchen drei bis vier Tage, um unsere Einsatzbasen zu erreichen."
Golikow selbst sprach von einem "zermürbenden Gemetzel": "Vielleicht kann das jemand an den Verteidigungsminister weiterleiten. Ich vermute, es ist sinnlos, sich an den Generalstabschef zu wenden, der ständig auf irgendeiner alternativen Frequenz unterwegs ist." Die Lage verschlimmere sich auf "alarmierendste Weise", so der Blogger.
Infotafel
Andere verwiesen auf tausende von russischen Militärfahrzeugen, die durch ukrainische Drohnen-Angriffe zerstört worden seien: "So zeigt sich, dass der Mangel an Drohnen und Systemen zu ihrer Abwehr, die unserer Panzer- und Infanterie-Lobby so verhasst sind, die Flotte ihrer geliebten Panzer und gepanzerten Fahrzeuge dezimiert hat." Es wiederholten sich die negativen Erfahrungen vom Frühjahr 2024 und 2025, als es ebenfalls hohe Verluste beim Nachschub gegeben habe.
Kreml macht "britische Spezialisten" verantwortlich
Angesichts der angesprochenen Probleme wird der Kreml in der "Z-Gemeinde" der Militärblogger abermals herbe kritisiert. So hatte Putins Sprecher Dmitri Peskow geäußert, die "Spezialoperation" schreite voran und werde "von Erfolg gekrönt sein". Dazu der Kommentator "Romanow" (137.000 Fans) ironisch [externer Link]: "Es bleibt abzuwarten, was er mit 'Erfolg' meint. Eine Interpretation des Generalstabs?"
Besonders peinlich für den Kreml: Die Ukraine beschoss kürzlich einen russischen Rüstungsbetrieb im frontnahen Brjansk mit "Storm Shadow"-Marschflugkörpern aus westlicher Produktion. Es gab offenbar keinerlei Luftabwehr, was unter den russischen Militärbeobachtern ebenso große Empörung auslöste wie die Tatsache, dass eine ukrainische Beobachtungs-Drohne den Angriff völlig "unbelästigt" und in bester Bild-Qualität dokumentierte.
Peskow wagte eine umstrittene Erklärung [externer Link]: "Offensichtlich wäre der Start dieser Raketen ohne britische Spezialisten nicht möglich gewesen. Wir sind uns dessen vollauf bewusst und berücksichtigen dies selbstverständlich."
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