Der vermutlich nächste FDP-Chef Kubicki mit Bierkrug
Der vermutlich nächste FDP-Chef Kubicki mit Bierkrug
Bild
Wolfgang Kubicki mit Bierkrug beim Politischen Aschermittwoch in Bayern
Bildrechte: picture alliance / dpa | Armin Weigel
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / dpa | Armin Weigel
Audiobeitrag

Wolfgang Kubicki mit Bierkrug beim Politischen Aschermittwoch in Bayern

Audiobeitrag
>

Kubickis FDP-Team: Retten die Bayern die Liberalen?

Kubickis FDP-Team: Retten die Bayern die Liberalen?

Die FDP liegt am Boden. Nicht mehr im Bundestag, nur noch in sieben Landtagen vertreten, in Umfragen unter fünf Prozent. Wolfgang Kubicki will die Liberalen wieder aufrichten, unter anderem mit bayerischem Personal. Retten also die Bayern die FDP?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Am Samstag trifft sich die FDP zu ihrem Bundesparteitag in Berlin. Und wenn alles so klappt, wie Wolfgang Kubicki es will, werden neben ihm als künftigem Parteichef der Bundesspitze der Liberalen auch drei Bayern angehören - allen voran der ehemalige Partei- und Fraktionschef in Bayern, Martin Hagen, als Generalsekretär. Susanne Seehofer möchte gern Beisitzerin im Präsidium bleiben. Katja Hessel, ehemals Parlamentarische Staatssekretärin unter Bundesfinanzminister Christian Lindner, tritt erneut als "Kurfürstin" an - so nennen die Liberalen die Beisitzer aus den Ländern im Vorstand der Partei.

Martin Hagen soll Generalsekretär der FDP werden

Martin Hagen war selbst ein wenig überrascht, als er kurz vor Ostern einen Anruf von Wolfgang Kubicki bekam. Zu dem ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten hat der ehemalige bayerische FDP-Chef "einen guten Draht". Kubicki habe ihn bei der Kommunalwahl in Bayern unterstützt - und so sei das eine zum anderen gekommen. Martin Hagen galt als einer der besten Redner im bayerischen Landtag. Er war von 2018 bis 2023 Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag und von 2021 bis 2025 Vorsitzender der FDP Bayern, zudem bis 2025 Mitglied des FDP-Bundesvorstands.

Der Job als Generalsekretär ist klar definiert: Er muss dem Parteichef den Rücken freihalten, organisiert die Partei nach innen und vertritt ihre Linie rigoros nach außen. Zwischen Parteichef und Generalsekretär darf kein Blatt passen. Kubicki und Hagen müssen den Kurs gemeinsam bestimmen.

Seehofer: Liberale müssen für sich stehen

Susanne Seehofer, die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, warnt ihre Partei vor zu vielen Seitenblicken auf der Suche nach Koalitionspartnern. Die FDP habe sich in den vergangenen Jahren zu sehr darauf konzentriert, wie sie zu den Grünen stünden und wie zur Union: "Das ist mir zu wenig selbstbewusst."

Die Mittelfränkin Katja Hessel wirbt dafür, "ordentliche Konzepte glaubwürdig zu vertreten und lieber leise zu arbeiten".

Hagen: APO muss laut sein

Wer in der außerparlamentarischen Opposition sei, dürfe "kein Leisetreter" sein, so Hagen: "Da darf man es nicht übertreiben mit der diplomatischen Sprache, sondern dann ist Klartext angezeigt." Man müsse polarisieren und auch provozieren, sagt der Generalsekretär in spe. Zu Wolfgang Kubickis Auftreten würde das passen. Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz die FDP nach den verlorenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für tot erklärt hatte, nannte Kubicki den Bundeskanzler einen "Eierarsch".

Schmerzhafte Verluste bei jungen Wählern

Die FDP ist derzeit in sieben Landesparlamenten vertreten, aus dem Bundestag ist sie bei der Wahl vor einem Jahr geflogen - zum zweiten Mal seit 2013. Susanne Seehofer schmerzt besonders der Verlust an Erstwählern. Sowohl bei der Bundestagswahl 2017 als auch 2021 lagen die Liberalen im Vergleich zu den anderen Parteien bei den Erstwählern auf den vorderen Plätzen. Nur kurze Zeit später habe man bei den Jungen völlig versagt: "Wir haben veraltete, teilweise schlechte Social-Media-Kanäle gehabt. Wir sprechen da nicht mehr die Sprache." Die FDP sei auf Instagram und Tiktok "total abgeschlagen", so Seehofer.

Junges Team um den 74-jährigen Kubicki

Das Team um den 74-jährigen Wolfgang Kubicki ist weitaus jünger als er. Es sind neben Martin Hagen (44) vor allem jüngere Frauen wie die ehemalige Generalsekretärin Linda Teuteberg (45) oder eben Susanne Seehofer (35). Die Botschaft Kubickis ist klar: Er ist zwar als Silberrücken der Chef, aber um ihn herum sollen die Jungen eine Chance bekommen. Als nettes Beiwerk werden sich die Frauen jedenfalls nicht abspeisen lassen, prophezeit Katja Hessel: "Das sind extrem gute Persönlichkeiten, die wirklich was auf dem Kasten haben."

Was die neue FDP-Spitze genau auf dem Kasten hat, muss sie erst noch beweisen. Sie wird jedenfalls, sofern alle gewählt werden, weiß-blau gefärbt sein. Alle drei haben bereits politische Niederlagen erlebt. Einen langen Atem für die Rettung der FDP haben sie. Oder wie Susanne Seehofer sagt: "Ich bin leidensfähig."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!